Im Sommer 1866 beherrschte der sogenannte Bruderkrieg in Deutschland das Geschehen. Das bedeutete: Österreich und Bayern sowie einige Norddeutsche Staaten kämpften gegen Preußen, Italien und weitere norddeutsche Staaten.
Im Kriegsverlauf besetzten viele preußische Truppen Oberfranken. In Gräfenberg wurde ein Waffenstillstand zwischen den preußischen und fränkischen Truppen geschlossen. Vier Wochen später war der Krieg zu Ende.


Rasselnde Säbel

Ein Streit um die Verwaltungshoheit von Schleswig und Holstein, damals noch eigene Staaten, war der Auslöser für den Krieg zwischen Preußen und Österreich, die jeweils eine Vormachtstellung im deutschen Bund behaupten wollten.

Preußen rasselte mit dem Säbel, als es am 5. Mai die komplette Mobilmachung aller Truppen befiehlt Das Königreich Bayern reagierte am 10. Mai und befiehlt ebenfalls, alle Truppenteile für den Krieg zu rüsten. Schließlich kommt es zur Kriegserklärung Preußen an Österreich und zum Austritt aus dem Deutschen Bund.
Da Bayern mit Österreich verbündet waren, musste es notgedrungen auf deren Seite stehen und ebenfalls die Mobilmachung anordnen. Nachdem am 18. Juni preußische Truppen in Dresden einmarschierten, schloss Bayern die Grenze zu Sachsen mit eigenen Truppen.

Es half nichts: Die Truppenstärke war zu gering, weil die meisten bayerischen Soldaten in Unterfranken kämpften, die war Übermacht zu groß. Vom 23. bis 27. Juli trafen preußischen Truppen mit dem Zug in Hof ein, die bayerischen Truppen, meist junge Uni-Studenten wichen zurück. Insgesamt 36 000 Soldaten besetzten Oberfranken in kurzer Zeit und rückten weiter vor. Neben Hof war Bayreuth ein wichtiges Ziel. 12 000 Mann marschierten in die Wagnerstadt ein, berichtete das Amtsblatt. Davon bewegten sich 8000 Soldaten weiter in die Oberpfalz.

Am 28. Juli befindet sich das östliche Oberfranken komplett unter preußischer Oberhoheit. 6000 bis 10 000 Preußen zogen von Bayreuth weiter über Pottenstein und Betzenstein nach Nürnberg, das am 31. Juli besetzt wurde.
In einem Telegramm des königlichen Bezirksamts Forchheim an den Rat der Stadt Nürnberg am 29. Juli heißt es, "dass ein preußisches Corps in namhafter Stärke von Betzenstein und Hilpoltstein nach Gräfenberg vorrücke und aller Wahrscheinlichkeit nach gegen Nürnberg weiter marschiere". Bei diesen Truppen handelte es sich um das "II. Reserve-Corps Baiern", dessen Kommandant der Mecklenburger General und Großherzog Friedrich Franz II. war. Jener marschierte am 30. Juli in Gräfenberg ein, besetzte die Stadt und nahm Quartier im Gasthaus "Alte Post" am Marktplatz.


Fränkischer Schauplatz

Vermutlich um Brandschatzungen zu entgehen, besuchte ihn dort ein Oberst Roth des bayerischen Heeres, welcher mit dem Mecklenburger General und Großherzog in der Nacht auf den 31. Juli einen Waffenstillstand für den fränkischen Kriegsschauplatz aushandelte. Möglich, dass damit eine Plünderung des Gebietes durch preußische Truppen vermieden werden konnte. Im Gegenzug sicherte Roth zu, dass es zu keinen militärischen Aktionen gegen die Preußen mehr kommen werde.

Der Historiker Helmut Neuhaus, der am 28. Juli 2006 im Rahmen der Feiern der Stadt Gräfenberg zum 140. Jahrestag des Waffenstillstandes den Festvortrag gehalten hatte, meinte darin, das in jener Nacht "nicht Weltgeschichte, keine europäische oder deutsche Geschichte aber wohl ein wenig fränkische und vor allem Lokalgeschichte geschrieben wurde".

Wahrscheinlich wurde die Waffenruhe in Gräfenberg von dem Waffenstillstandsabkommen, dass zwei Tage später in Nürnberg geschlossen wurde und der letztendlich den Krieg zwischen Preußen und Bayern beendete, überdeckt und nicht als besonders wichtig eingestuft, weshalb das Ereignis von Gräfenberg bis heute in Geschichtsbüchern nur am Rande erwähnt wird.
Für Gräfenberg verlief die Besetzung glimpflich. Schon am nächsten Tag marschierten die Truppen weiter nach Nürnberg, wo sie am 31. Juli auf dem Marktplatz beim schönen Brunnen ihren siegreichen Einmarsch auf einem Ölgemälde von Louis Braun dokumentieren ließen.

An den Waffenstillstand in Gräfenberg erinnert heute noch eine Malerei auf dem Giebel des ehemaligen Gasthauses "Zur Alten Post" am Marktplatz. Die Geschichte des Bruderkrieges oder auch "Deutschen Krieges", wie er ebenfalls genannt wurde, hat übrigens ein Happy End: Im August 1870 verbrüderten sich Preußen und Bayern.