"Betreten verboten." Ein Schild und eine Schranke machen deutlich, dass Besucher am Baggersee unerwünscht sind. Denn der idyllisch gelegene Baggersee in Kleinsendelbach ist ein Abbau- und kein Naherholungsgebiet.
Seit Hans Hammerand das Gebiet gehört, wird das Verbot strikt eingehalten und Sicherheitspersonal eingesetzt, um die Leute auf das Verbot aufmerksam zu machen und von dem Gelände zu verweisen. "Die Leute meinen, sie haben ein Gewohnheitsrecht", erklärt Hammerand. Für ihn ist das kein Grund, schließlich haftet er für alles, was dort passiert.

Auch die Angler des Fischereivereins sind über die Security alles andere als ungehalten. Seit das Sicherheitspersonal hauptsächlich zu den Brennpunktzeiten ihre Runden dreht, habe das Angeln in der Mülldeponie endlich ein Ende. Rücksichtslos seien viele Gäste gewesen und hätten ihren Müll hinterlassen.
Von den eher harmlosen Essensresten, Einweggrills, den üblichen Flaschen, Dosen und Plastikteilen, die in Feuerstellen abgebrannten Müllreste bis hin zu Fahrradsatteln, Fahrrädern, Einkaufswagen und Frauenutensilien lag alles an den drei Gewässerufern. "Je mehr Leute hier waren, desto mehr Müll lag herum", sagt Helmut Werner, Pressesprecher des Fischereivereins Kleinsendelbach.

Als es noch kein Badeverbot gab, kamen oft mehrere Hundert Leute zum Baggersee. Teils seien es 2000 Leute an den Wochenende gewesen, wenn Großfeiern oder Schulabschlussfeiern am Baggersee stattfanden.
Die Musikanlagen dröhnten aus diesem versteckten Paradies, die Wege waren mit Autos zugeparkt und nicht nur die Angler wussten, wie es am Tag darauf aussehen würde.

Wöchentlich sammelte der Fischereiverein bis zu 30 Kubikmeter Müll ein und entsorgte diesen für 25 Euro pro Kubik (im Betrag eingerechnet sind die geleistete Arbeitszeit). "Einmal im Jahr, wenn eine Umweltschutzaktion stattfand, konnte der Verein den Müll umsonst entsorgen", erklärt Vorsitzender Jürgen Gierisch. Der Angelverein hatte sich mit dem Pachtvertrag dem damaligen Privatbesitzer des Baggersees gegenüber verpflichtet, das Gelände vom Müll zu entsorgen. Dass es nach den Reinigungsaktionen zwischen Anglern und den Badegästen immer wieder zu Auseinandersetzungen kam, lag auf der Hand.


Parkverbot

Dabei waren es die Mitglieder des Fischereivereins, die Nutzungsrecht hatten, nicht die Badegäste. Das Baden war auch unter dem vorherigen Privatbesitzer verboten. Der Verstoß wurde nur nicht geahndet. Und auch damals glaubten die Leute, das Gewohnheitsrecht zu haben.

Standen die Angler am Ufer, sprang ein Hund über die Angelschnur und verwickelte sich darin. Manche Hundebesitzer hätten nicht mehr zu sagen gehabt, als dass ihr Vierbeiner schon immer an dieser Stelle ins Wasser gesprungen sei. "Es ist schwer, den Menschen zu erklären, dass man nicht überall machen kann, was man möchte", sagt Gierisch.

Der Müll störte die Fische weniger, eher die Angler. Doch aufgrund der Scherben verletzten sich auch freilaufende Tiere wie Hunde und vor allem Rehe. Wenn die Badenden am Abend den Müll wieder aufgeräumt hätten, wäre es weniger störend gewesen.

Es habe auch keine Wasservögel mehr gegeben. "Die Uferschwalben, der Eisvogel und andere Wildtiere waren verschwunden", sagt Gierisch und erklärt: "Es gab zwar Naturschutzgebiete mit Betretungsverbot, doch gerade dort waren viele Badegäste, weil es dort am schönsten war." Abgesehen davon wurden die entlegenen Büsche als Toilette verwendet, die unangenehme Geruchsbildung war eine zusätzliche Belastung.

Mülleimer wollte der Verein nicht aufstellen. "Es gab ein Badeverbot und wir wollten durch eine Infrastruktur wie Mülleimer niemanden anlocken", erklärt Helmut Werner. Seit Hammerand das Gelände erworben hat, um mit dem Abbau zu beginnen, wurde es viel besser. Eine Schranke verhindert, dass mit den Autos zu den Baggerseen gefahren werden kann. Abgesehen davon, dass auf den Straßen Maschinen anrollen, Lkws und Stapler fahren, muss auch ein Rettungswagen unbehindert fahren können, findet Hammerand, der nun für alles haftet. Auch ein Parkverbot ist erlassen worden. "Die Sicherheitsleute verweisen die Menschen von dem Gelände und halten sie auch an, den Müll wieder mitzunehmen", erklärt Hammerand. Nur wenige Leute sind im Baggersee zu sehen.
"Mal eine Dose oder eine Flasche heben wir auf", freut sich Gierisch. Die Angler finden wieder Gefallen am kleinen Paradies. Die Wildtiere und Vögel sicher auch.