Das Hetzen auf Berge / befüllt nur die Särge. / Dem Stress der Begattung / folgt oft die Bestattung. / Drum lasset es uns allzu hektisch nicht treiben, / damit wir zumindest ein Weilchen noch bleiben." Ernsthafter Memento-Mori-Gedanke oder ironischer Witz? Zumindest zeugen diese Zeilen nicht von jener barocken Schwere, wie sie einst ein Gryphius zu Tage brachte.
Manfred Böhm, 58er Jahrgang, Familienvater und Franke. Und am Dienstagabend war er Autor, Lyriker, Witzbold. Die Buchhandlung Fränkische Schweiz lud wieder zu einem Abend voller Literatur, Muße und Spaß ein - mit unerwarteten Folgen.
Statt der gedachten 20 Zuhörer, sprudelten die Gäste in Strömen an. Verständlich - denn schließlich versprach der Titel "Ungereimtheiten" im Zusammenhang mit Lyrik etwas Antagonistisches, Spannendes. "Wer schreibt heute noch Gedichte, / ja, mit Versmaß gar und Reim. / Solche Typen sind Geschichte, / bildungsbürgerlicher Schleim!" Eine sich reimende Strophe gegen das Reimen?
Fast fühlt man sich in die Zeit von Robert Gernhardt zurückversetzt, der in Sonettform gegen Sonette hetzte. "Warum soll's also Lyrik sein?" Diese Frage tönt von dem Platz neben Manfred Böhm. Wolf Sander, der zusammen mit Irene Peter die Buchhandlung führt, eröffnet einen literarischen Dialog. Der Lyriker steigt mit ein: "Ich muss mit einem Geständnis beginnen. Je mehr Lyrik ich gelesen habe, desto weniger mochte ich sie, weil sie uns oft ratloser als vorher zurücklässt. Lyrik soll aber Spaß machen."