Unsere Politik sei ein einziges Ablenkungsmanöver, behauptet Kabarettist Urban Priol, der am Freitagabend bei "Comedy an der Leinleiter" in Gasseldorf gastierte. Deshalb fordert er: "Das Volk braucht keine Beruhigungszäpfchen, sondern einen ordentlichen Einlauf. Damit sich was bewegt."

Bewegt hat die "Babbelmaschine aus Aschebersch (Aschaffenburg) jedenfalls das Publikum im ausverkauften Festzelt. Weder Politiker, noch der Bundesnachrichtendienst BND ("Bin nicht da", wenn man mich braucht) blieben ungeschoren. "Pappnasen" wie Wirtschaftsminister Dirk Niebel (FDP), der fliegende Teppichhändler, oder Christian von Bötticher (CSU), der sich um die Jugend kümmert, ließen bei Priol sogar Sehnsucht nach Franz Josef Strauß aufkommen, der wenigstens noch einen klaren Standpunkt vertrat: "Rechts von uns ist die Wand, links die Mauer."

Aber nicht nur den von einer unseligen kosmischen Strahlung betroffenen Politikern aus Niedersachsen, darunter Carsten Maschmeyer, auch den Wählern hält der Unterfranke eine Spiegel vor. Da beklagen sich die Leute, dass sie auf Kaffeefahrten über den Tisch gezogen werden. Das wäre noch nicht das Schlimmste.Viel fataler findet er, dass diese Menschen wählen dürfen.

EU ist schlecht


Sie seien zufrieden, weil sie mit Griechenland einen Sündenbock haben. Deshalb ist nun alles, was mit EU anfängt, schlecht: Europa, Europameisterschaften, Eukalyptusbonbons.

Bundeskanzlerin Angela Merkel umgebe sich bewusst mit "Luschen", damit sie besser strahlen könne. Ob sie bei Tucholsky nachgelesen hat? Er schrieb nämlich: "Wenn die Sonne tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten."

Amüsiert zeigt sich Randbayer Priol über "Fipsi" Rösler, der auf der Cebit ein Stück Torte ins Gesicht bekam. Allerdings monierte der Kabarettist den wenig souveränen Umgang mit einem so unvorhergesehenen Ereignis: Deshalb erinnerte er an Ex-Bundeskanzler Helmut Schröder, der in der gleichen Situation auf einer Wahlkampfreise geantwortet hatte: "Zu Essen habt Ihr ja scheinbar noch genug."

Doch der Glanz der SPD ist längst vorbei. Früher habe man sein Essen anbrennen lassen, wenn ein SPD-Politiker was gesagt hat. "Heute koch ich mir in der Zeit was zu Essen", ätzte Priol, der festgestellt haben will, dass die Genossen Angst davor haben, wieder Verantwortung übernehmen zu müssen. "Steigt der Umfragewert über 28 Prozent, lassen die so lange die Andrea Nahles reden, bis die Prognose sinkt."

Die "Raute der Macht" von Bundeskanzlerin Merkel sei nichts anderes als Hilflosigkeit. "Weil sie nicht weiß wohin mit den Händen." Auch sonst ist sie Urban Priol angesichtes der Macht der Finanzmärkte zu unentschlossen. Lediglich habe sie sich dazu hinreißen lassen, dass eine solche Steuer eventuell an gedacht werden könnte. Und statt die Rüstungsausgaben der Griechen zu stoppen, habe das Ost-Mädel den Hellenen zwei weitere U-Boote verkauft.

Klare Ansagen vermisst


Enttäuscht zeigt sich Priol, dass er nirgendwo etwas über die Hintermänner der Rating-Agenturen höre oder lese. "Ich will wissen, wessen Interessen die vertreten", fordert er. Klare Ansagen vermisst Priol auch bei der Tagesschau. "Ich will wissen wie das Wetter wird, und nicht, ob der Dax in seinen Bau rein kriecht oder raus."