Kinderängste sind so vielfältig wie die Gründe, warum Kinder Angst haben. Und sie gehören zu einer gesunden Entwicklung dazu. Auf diese Feststellung legen die Mitarbeiter der Forchheimer Caritas-Familienberatung Wert.
Angst vor vermeintlichen Monstern, Angst vor Dunkelheit und Angst davor, verlassen zu werden: Diese oder andere Ängste haben alle Kinder irgendwann einmal. Manche Eltern fragen sich dann, bei welchem Verhalten ihres Kindes sie sich Sorgen machen müssen oder ob die Ängste ihres Kindes von Selbst vorbeigehen.
Die Caritas-Mitarbeiter geben dabei zu bedenken: Angst ist ein Gefühl, ebenso wie Freude oder Trauer. Und Angst hat zudem auch eine wichtige Schutzfunktion. In manchen Situationen ist Angst sogar sinnvoll. Dann schützt sie vor sinnlosen Mutproben und Abenteuern, die ansonsten eine Bedrohung oder Überforderung darstellen könnten. Ein niedriger Grad von Angst kann in manchen Situationen sogar förderlich sein, um beispielsweise Leistungen zu vollbringen. Auf diese Weise lässt sich auch das berühmt- berüchtigte Lampenfieber interpretieren.

Magisches Denken

Allgemein lässt sich sagen, dass Ängste zu einer normalen Entwicklung dazu gehören. Das Heranwachsen ist mit so vielfältigen Erlebnissen und Erfahrungen verbunden und es ist deshalb nur zu schlüssig, dass diese auch Verunsicherung, Zweifel und Ängste auslösen können.
Der Umgang mit Ängsten, Unsicherheiten und Zweifeln ist aus Sicht von Fachleuten eine wichtige Entwicklungsaufgabe zwischen dem 4. und 9. Lebensjahr von Kindern.
In diese Zeit fällt auch die sog. "magische Phase". Kinder versuchen jetzt mit Hilfe des magisch-phantastischen Denkens ihre Welt zu verstehen. Kinder haben in dieser Zeit eine schier unbegrenzte Phantasie. Diese "Macht der Phantasie" hilft auch Kuscheltiere zu verzaubern und sie mit magischen Kräften auszustatten oder die gefährlichen Monster unter dem Bett zu besiegen.

Keine verharmlosenden Erklärungen

Kraft ihrer Phantasie werden Figuren mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet und diese Gestalten werden möglicherweise so selbst zu "Helfern" bei der Überwindung von Ängsten. Eltern sollten deshalb besonders in dieser Zeit Märchen, Zauber- und Bildergeschichten nutzen. Sie können dabei helfen, Ängste des Kindes zu thematisieren und zu verarbeiten.
Während dieses Gestaltens, Phantasierens und Erzählens kann das Kind "loslassen, was es vielleicht tief in seinem Inneren fest- und zusammenhalten musste", sagte die Gestalttherapeutin Violet Oaklander einmal.
Wichtig ist: Eltern sollten in diesen Zeiten ihrem Kind unbedingt aufmerksam zuhören. Sie sollten deren Ängste und Anliegen ernst nehmen und die Kinder damit keineswegs alleine lassen. Beschönigende und verharmlosende Sätze wie "Das ist doch nicht so schlimm" oder "Du brauchst doch keine Angst zu haben" sollten Eltern gleichzeitig auf alle Fälle vermeiden.

Auch eine Umarmung hilft

Vernünftige und logische Erklärungen dienen eher den Eltern, als dem Kind. Schlimmer noch: Das Kind fühlt sich dadurch nicht ernst genommen. Hat ein Kind beispielsweise Angst vor Dunkelheit, können Eltern die Tür einfach einen Spalt weit offen oder auch ein dezentes Licht brennen lassen. Als Zeichen der Anteilnahme hilft manchmal eine einfache Umarmung oder Streicheln mehr als unnütze, weil nur rationale "Beschwörungsformeln".