Das Logbuch vom Grab der Kletterlegende Wolfgang Güllich ist wieder aufgetaucht. Zuvor war es eine Zeitlang spurlos verschwunden gewesen. Als Maria Ritter vom Gasthof "Alte Post" eines schönen Tages zum Grab von Wolfgang Güllich kam, um hier wie seit vielen Jahren nach dem Rechten zu schauen, stellte sie fest, dass aus der kupfernen Aufbewahrungsbox das Logbuch entfernt war.

Sie rief junge Kletterer zu Hilfe, die über Facebook einen Aufruf zum Verbleib des Tagebuches starteten. Mehr als 4000 Likes bekam der Aufruf - bis eines Tages das Buch im Briefkasten des Gasthofs von Maria Ritter lag.

Zwei Vitrinen mit Utensilien

Jetzt soll das Buch an die Eltern des 1992 bei einem Verkehrsunfall gestorbenen, damals 32 Jahre alten Kletterers geschickt werden. In einer Schachtel, so Ritter, bewahrt die Familie die Tagebücher auf. Irgendwann sollen sie dann an die Gemeinde Obertrubach gegeben werden, die jetzt schon zwei Vitrinen mit Utensilien von Wolfgang Güllich in Verwahrung hat.

In dieses Kondolenz-Buch, derzeit ist Nummer fünf in der Box, können sich seit 2002 Kletterer eintragen, die das Grab der Kletterlegende noch heute zahlreich besuchen. Beim Durchblättern des kleinen Büchleins fällt auf, dass darin sehr persönliche Ereignisse, die meist in Bezug zum Klettern stehen, notiert sind. Ein Eintrag aus dem Jahr 2011 lautet zum Beispiel: "Hallo Wolfgang, vor genau 26 Monaten haben wir dich schon einmal besucht. Heute bin ich allein da, weil mein Kletterfreund Torsten am gleichen Tag abgestürzt ist." Ein anderer Eintrag lautet: "Dank deiner guten Beratung in deinem Buch zum Trainieren konnte ich viele gute Fortschritte machen." Und ein dritter Eintrag: "Ich bin dir sehr dankbar, dass ich eine sehr unabhängige Kletterin geworden bin. Ich komme wieder vorbei."

Hervorragender Ruf

Wolfgang Güllich zählte in seiner Glanzzeit, den 80er-Jahren, zu den besten Freeclimbern weltweit. Sein Ruf bescherte ihn unter anderem eine Rolle im Film "Cliffhanger", wo er Sylvester Stallone bei Kletterszenen doubelte.

Güllich starb noch vor der Filmpremiere, sodass er sich in dem Film nicht sehen konnte. Die Fränkische Schweiz verdankt Güllich und seinem 2010 beim Klettern tödlich verunglückten Kollegen Kurt Albert, der in Muggendorf zu Hause war, den Ruf als eines der besten Kletterzentren in der Welt.
Güllich hat zahlreiche Kletterrouten im Frankenjura, in anderen deutschen Mittelgebirgen und rund um den Globus erschlossen. Rund 30 000 Kletterer besuchen jährlich die Fränkische Schweiz mit ihren mehr als 4000 Kletterrouten.