Endlich geht es los. Am heutigen Freitagabend beginnt in Oberehrenbach die Kerwa - in diesem Jahr unter der Leitung eines jungen Vorstands und mit einer fetzigen Bayern 1-Disco-Party. Bis Montag ist die Ortschaft wohl im Ausnahmezustand. Doch was für die feierfreudigen Gäste leicht und spaßig erscheint, bedarf auf Seiten der Veranstalter einer langen und intensiven Vorbereitung.

Bereits Anfang des Jahres fanden im "Club 72 Fränkische Geselligkeit" Neuwahlen statt. Die älteren Vorstände traten zurück in die zweite Reihe und übergaben ihre Posten an jüngere Leute. "Unser ehemaliger Vorsitzender, Traugott Galla, gab mir allerdings den Tipp, dass wir für die diesjährige Kerwa etwas Neues und Besonderes machen könnten", erinnerte sich der neue e Vorsitzende des Vereins, Christian Kern. Galla hatte im Radio von der Bayern 1-Disco gehört, die zu Veranstaltungen mit einem Discjockey und Moderator im Gepäck kommt. Dafür sollten sich die jungen Leute doch bewerben. "Das haben wir getan und den Zuschlag für den Freitag erhalten", berichtet Christian Kern stolz. Die Weichen für eine besondere Kerwa waren somit gestellt.


Neue T-Shirts für alle

Ende Juli trafen sich die Mitglieder des Clubs 72 bei ihrer jährlichen Mitgliederversammlung. "Da kommen auch Leute aus dem Dorf, die nur bei der Kerwa helfen wollen", erklärte Tobias Schmitt. Und Markus Koch ergänzte: "Genau, deshalb bereiten wir da eine Liste vor, wer an welchem Tag der Kerwa was machen möchte. Die lassen wir herumgehen und jeder kann sich eintragen." In diesem Jahr hätten sie zudem nach 15 Jahren neue T-Shirts für alle Vereins-Mitglieder bestellt, sagt ein stolzer Martin Schmitt. Die Aufgaben waren bestimmt, terminiert und verteilt.

Vier Wochen vor der Kerwa wurden dann Schilder aufgestellt, Plakate verteilt, Vorverkaufsstellen gesucht und mit Flyern und Karten bestückt. "Irgendwie haben wir im vergangenen Jahr gemerkt, dass die Musik nicht zu unseren Tanzschritten gepasst hat. Deshalb baten wir Gerhard Arzt, uns einen Walzer beizubringen", erzählt Martin Schmitt.

Gründungsmitglied Arzt war auch gleich einverstanden, sodass drei Wochen vor der Kerwa ein Tanzkurs im Clubraum stattfinden konnte. "Das sah nicht aus wie Betzenaustanzen, sondern als ob der Schäfer die Betzen vor sich her treiben würde. So seid ihr herum getrampelt", tadelte Arzt seine Schüler. Aber nach einigem Üben wiegten sich die Teilnehmer tatsächlich mehr oder weniger elegant im Notwalzerschritt.


Leckere "Kerwa-Kiechla"

In der Woche darauf wurden die restlichen Plakate ausgefahren, 35 Burschenschaften eingeladen und der Kerwabaum ausgesucht. Auf dem Weg zum Wald wurde noch kurz bei Roswitha Kaul angehalten, denn sie hat mit Tochter Tanja Kugler die "Kerwa-Kiechla" gebacken. "Lecker" war hier die einhellige Meinung.

Drei große Fichten stehen zur Wahl. Stellt sich nur die Frage, ob die Schönste ohne Probleme gefällt werden kann. "Das wird schon klappen" war hier die abschließende Beurteilung der Jungs. Am Samstag vor der Kerwa feierten die Kerwaburschen ihre Vorkerwa im Clubraum. Es wurde gesungen, geredet, getrunken und gegessen. "Na ja, da müssen wir die Liedertexte auffrischen und alles noch einmal besprechen" erklärt Tobias Schmitt. Und der Club 72 hat ein weiteres Ritual: Im vergangenen Jahr wurde die Kerwa feierlich begraben - symbolisch in Form einer vollen Flasche "Jack Daniels".

Und in diesem Jahr musste diese feierlich ausgegraben und genossen werden. "Das offizielle Fässla wird bei uns erst am Sonntag ausgegraben, deshalb gibt es für die Kerwaburschen dieses Ritual", erklärt Christian Kern.
Am Dienstag wurde mit vereinten Kräften das Zelt aufgestellt, die folgenden Tage wurde es eingerichtet. Da alle im Dorf mithalfen, gab es am Donnerstagabend noch ein kleines Fest. Am Freitagmorgen wird die Musikanlage - und am Abend kann es dann losgehen. Endlich.