Eine Brücke schlagen vom "alten" Forchheim, wie es fotografisch belegt ist, in die heutige Zeit und in die nahe Zukunft - das gelingt Hilmar und Harald Schmidt mit dem Deckblatt für den Bildkalender 2016 "Forchheim in alten Ansichten". Es zeigt das 1901 eingeweihte Kolpingshaus, das mit einem modernen Anbau zum neuen Kulturzentrum der Stadt werden soll.

Die zu Grunde liegende Ansichtskarte aus dem Besitz von Harald Schmidt dürfte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs oder kurz danach stammen. Den Hinweis gibt, so sagt dessen Bruder Hilmar Schmidt von der Bücherstube an der Martinskirche, der zweistellige "Telefonruf 83" für den "Restaurateur Hans Zöllner", der damals Pächter auf dem Katholischen Gesellenhospiz gewesen ist. Anhaltspunkt für den Sammler Harald Schmidt der Poststempel auf den Ansichtskarten.

Der Kalender 2016 ist der sechste in der sehr beliebten Reihe mit alten Fotoansichten aus Forchheim. Es handelt sich vor allem um seltene, oft unbekannte Aufnahmen. So zum Beispiel das Juni-Motiv. Es zeigt die wohl älteste bekannte Abbildung des Nürnberger Tores, die ein Fotograf W. Sattler 1892 gemacht hat. Bekannt sind eigentlich nur die Zeichnungen von Michael Kotz, der als "Chronist der Festung Forchheim" gilt. Auf dem sensationell zu nennenden Foto ist das Tor noch in die Stadtmauer integriert, auf deren (breiten) Krone ist eine Holzlaube errichtet. Das Tor selbst hat nur einen offenen Durchgang für Fuhrwerke, davor die Holzbrücke, die über den Wassergraben führte. Der Durchgang für Fußgänger links ist mit einer Tür verschlossen, jenen auf der rechten Seite gab es noch nicht und wurde später an der Rosette durchbrochen. Auf dem Sims unter dem Wappen von Bischof Lothar Franz von Schönborn sitzen fünf Buben, die wagemutig empor geklettert sind, um sich auf der Foto-Platte "verewigen" zu lassen.

Wie sehr sich das Gesicht einer Stadt im Detail verändern kann, sieht man auf dem Januar-Blatt. Dort, wo sich heute die "Stabü" und im L-Form-Komplex moderne Wohnungen befinden, war das Städtische Krankenhaus in zwei Sandsteinbauten angesiedelt. Die Ansicht vom März zeigt den in der Vegetation noch jungen Stadtpark an der Egloffsteinstraße. Dort, wo heute die Zentralschule steht, war der Blick frei auf die Stadt. Dagegen hat sich die Szenerie der Luitpoldstraße zwischen Gymnasium und Wallstraße gar nicht verändert. Die Bürgerhäuser sind in ihrem stolzen Habitus erhalten geblieben.

Verloren gegangen ist dagegen das stattliche Hotel National an der Zweibrückenstraße an die Folienfabrik. Ein parkender Bus vor dem Haus (mit langer Kühlerschnauze) zeigt die Anwesenheit von Gästen in den 1950er-Jahren an.


Wein beim Feuersinger

Beim Novemberbild darf gerätselt werden. Weinrestaurant Feuersinger? Es stand an der Ecke Hauptstraße/Hornschuchallee (heute Schmuckgeschäft). In Position gebracht hatten sich 1898 der Pächter oder Besitzer auf den Stufen und eine Gruppe von Frauen, wobei zwei Mädchen flugs ihren Sonntagsstaat angelegt hatten. Links schließen sich der heutige Kräuterladen und das Vorgängerhaus von Gürtler-Druck an.

Der Kalender ist für 16,95 € in der Buchhandlung an der Martinskirche zu bekommen. Wie beliebt die Serie ist zeigt, dass die meisten Kalender der "Alten Ansichten" seit 2011 schon vergriffen sind.