Über zehn Jahre verfolgten die Pinzberger mit Hingabe die Renovierung ihres sakralen Ensembles, der Pilgerstätte am Lohranger. Als wesentliche Veränderung wurde das Mesnerhaus mit Leader-Mitteln in ein neues Geschichtshaus umgewidmet. Die daneben stehende Annakapelle erhielt einen soliden Unterbau und die Marienkirche erstrahlt in schönem Glanz.

Die Pfarrgemeinde St. Nikolaus verband damit das Pfarrfest im Garten neben der Marienkapelle. Unter den zahlreichen Ehrengästen begrüßte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sieglinde Seeber Weihbischof Herwig Goessl. Der hohe Gast aus Bamberg kam, um das neue Geschichtshaus nach dem Festgottesdienst zu segnen.

Symbolisch kamen eingangs Gemeindereferent Christian Weinecke und Sandra Heller als Pilger zum Altar. Ortspfarrer Michael Gehret ging auf die Wirkung in aussichtsloser Lage ein, wie sie in Griechenland und der dritten Welt zu finden ist, wo das Gefühl des Bettlers dem Menschen die Würde nimmt.

Den Festgottesdienst unter Beteiligung aller Vereine zelebrierte der Weihbischof zusammen mit Pfarrer Gehret, Pfarrer Alfred Bayer und Pfarrer Josef Kraus. Anna und Eiko begleiteten die Feier mit Gitarre und Gesang.
Das Wetter freilich forderte alle heraus. Extrem starke Sturmböen fegten über die Wiese, die großen Bäume wankten bedenklich und die Kommunion musste in den benachbarten Kapellen ausgeteilt werden. Vorsorglich räumte man das Gebiet unter den Bäumen.

Gehret begrüßte nach dem Gottesdienst die Gäste im Einzelnen. Bürgermeister Reinhard Seeber (CSU/Bürgerblock) erinnerte nochmals an den 25. Mai 2007. Mit Toni Eckert, Regionalmanager der Leader-Projekte im Landkreis Forchheim, suchte man eine Verwendung des recht verfallenen Mesnerhauses. Die Trägerschaft für die Renovierungsmaßnahmen, ursprünglich vom Marienkapellenverein übernommen, ging nach Intervention der Erzdiözese Bamberg aus rechtlichen Gründen 2012 an die Gemeinde Pinzberg über.

Aufwand von 237 000 Euro

Den Aufwand von 237 000 deckten mit 100 000 Euro Leader, 58 000 Euro die Oberfrankenstiftung, 20 000 Euro die Gemeinde Pinzberg, 9000 Euro der Landkreis Forchheim und 500 Euro die Erzdiözese Bamberg. 27 Firmen beteiligten sich an den Arbeiten und der Bauhof der Gemeinde. An der Marienkapelle, so Seeber, stehen noch die Renovierung der Orgel und die Holzvergasung nach Wurmbefall an. 80 000 Euro werden dafür veranschlagt und man hofft jetzt auf ein größeres Herz von der Erzdiözese.

Das Geld ist hier gut angelegt, betonte Rudolf Landmann, vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg, verantwortlich für die Leader-Gelder in Oberfranken. Der zuständige Architekt Thorsten Glauber habe gut mit den Mitteln gearbeitet.

Pilgerzahl wuchs schnell

Die Gemeinde lobte Landmann für den transparenten Verwendungsnachweis. Landrat Hermann Ulm (CSU) gratulierte zu dem Juwel, einem weiteren Standort als Heiliger Bezirk, wunderbar vernetzt mit dem Wallfahrtsmuseum in Gößweinstein. Hier schließe sich eine Lücke der Wallfahrtsgeschichte. Im Namen des Landkreises dankte er allen, die sich bei dem Projekt eingebracht haben.

Regina Urban, Leiterin des Wallfahrtsmuseums in Gößweinstein, befasste sich intensiv mit der Geschichte des Lohranger. Wo Heiligtümer in der Zeit vor 200 Jahren eher abgeschafft wurden, blühte diese Stätte auf. Die zwei "Heiligen Bezirke" der Kultur- und Besinnungsklause bei St. Moritz/Leutenbach und das neue Geschichtshaus in Pinzberg zeugten von frommen Stiftungen seiner Zeit. Von einer Sühnewallfahrt nach Maria Einsiedeln/Schweiz brachte ein Bauer als Beweis eine Holzfigur des Gnadenbildes der schwarzen Madonna mit. Er errichtete eine kleine Holzkapelle.

Als diese marode geworden war, errichte die Gemeinde 1847 eine Steinkapelle, die Annakapelle. Votivgaben wurden hier gespendet. Die Pilgerzahl zu diesem Ort wuchs schnell. Die Familie Georg Eismann ließ 1867 nebenan eine größere Kapelle, die Marienkapelle, errichten, daneben ein kleines Mesnerhaus, das jetzige Geschichtshaus.

Ausführliche Informationstafel

Auch heute noch ist es ein Anliegen der ganzen Pfarrgemeinde St. Nikolaus, dass ihre Marienkapelle und der Lohranger in das kirchliche Leben eingebunden sind. Eine Informationstafel am Gelände erzählt ausführlich die Geschichte. Die intensiven Vorarbeiten dazu leistete einst Xaver Helmprobst. Eine Leaderarbeitsgruppe um Toni Eckert erstellte die Tafel. Architekt Thorsten Glauber dankte den vielen Beteiligten, die an das Projekt glaubten, Rudolf Landmann für die gute Umsetzung, Toni Eckert für die konsequente Unterstützung und Urban für ihre thematische Begleitung und nicht zuletzt dem gesamten Gemeinderat Pinzberg für sein mutiges Engagement.

Der Raum mit dem Rauchmantel zeige die ursprünglichen Dimensionen des Mesnerhauses. Sechs Räume dieser Größe von sechs Quadratmetern habe es vor der Umgestaltung gegeben. Mit Bürgermeister Seeber übergab der Architekt den Schlüssel symbolisch an Pfarrer Michael Gehret. "Hier ist die Geschichte von christlichem Glauben durchsetzt. Ich bin dankbar, dass wir dieses Haus haben", sagte Weihbischof Goessl. Er segnete die Räume des Geschichtshauses mit dem Wunsch, die kommende Geschichte möge von Glauben erfüllt sein. Dabei solle in Erinnerung gehalten werden, was die Vorfahren geleistet haben.