Mit voller Absicht soll der Angeklagte acht Monate lang keine Miete gezahlt haben und sich dadurch einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschafft haben - so lautete die Anklageschrift. Richterin Silke Schneider verurteilte den 55-Jährigen zu drei Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 4000 Euro.

Der Angeschuldigte soll vergangenes Jahr ein Einfamilienhaus zu einem monatlichen Mietpreis in Höhe von 1900 Euro gepachtet haben. Dieses Geld kam jedoch nie bei seinem Vermieter an. Dadurch entstand ein Schaden von 15.200 Euro. Bereits zu Beginn der Verhandlung betonte der Familienvater, der ohne Anwalt vor gericht erschienen war, dass er sich keiner Schuld bewusst sei.

Der Dauerauftrag, den er bei seiner Bank eingerichtet hätte, kam zurück, da die angegebene Kontonummer des Vermieters nicht zugeordnet werden konnte. Obwohl sich der Angeschuldigte mehrmals nach einer neuen Bankverbindung erkundigt haben soll, erhielt er diesbezüglich keine Antwort, sagte er.


Widersprüche und Ausreden

Der Geschädigte soll jedoch gar keine neue Kontonummer haben. "Meine alte ist noch immer aktuell und auch richtig im Mietvertrag aufgeführt", beteuerte der 51-Jährige.

Zudem soll ihm der Angeklagte andere Angaben dahingehend gemacht haben, was mit dem Geld passiert sei. Ihm erzählte er, dass das Geld auf dem Konto eines Hartz4-Empfängers gelandet wäre und dieser die gesamte Summe ausgegeben hätte.

Das jedoch stellte sich als Recherchefehler des Angeklagten heraus. "Meine Bank teilte mir erst später mit, dass die angegebene Kontonummer falsch war." Dies konnte Schneider allerdings nicht überzeugen: "Ich bin nicht von gestern, sondern mache auch Online-Banking. Eine Fehlermeldung erscheint sofort!"

Auf die Frage von Richterin Schneider, warum der Angeschuldigte denn erst mehrere Monate nach Mietbeginn bemerkte, dass noch kein Geld geflossen ist, meinte er: "Ich bin zu der Zeit rumgelaufen wie ein Waschlappen. Teilweise wusste ich nicht einmal welcher Tag es war." Er hätte Ende 2013 einen Schlaganfall gehabt und zudem einen behinderten Sohn. Schneider gab sich mit dieser Erklärung jedoch nicht zufrieden: "Es muss einem doch auffallen, wenn man jeden Monat fast 2000 Euro mehr auf dem Konto hat!" Auch der Geschädigte bemerkte das fehlende Geld nicht sofort: "Meine Tochter musste im Mai ins Krankenhaus. Da hatte ich einfach andere Dinge im Kopf." Er soll sich bei dem Angeklagten allerdings unverzüglich telefonisch gemeldet haben als ihm auffiel, dass die Miete fehlte.


Klassischer Betrug

Da der Geschädigte nie Zahlungen erhalten hatte und es keinen Zweifel an der Richtigkeit der Kontonummer gab, sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft Stefan Meyer den Angeklagten als Schuldigen. Es sei die Absicht des Beschuldigten gewesen Besitz zu erwerben, diesen möglichst lange zu behalten und den Vermieter so lange wie möglich von juristischen Schritten abzuhalten. Da er nicht vorbestraft ist, plädierte Meyer auf acht Monate auf Bewährung und eine Schadenswiedergutmachung.

Der Angeklagte selbst konnte Meyer nicht zustimmen. Er plädierte auf einen Freispruch, da er stets bereit gewesen wäre zu zahlen.

Amtsrichterin Silke Schneider kam zu einem ähnlichen Urteil wie die Staatsanwaltschaft und verurteilte den 55-Jährigen zu drei Monaten auf Bewährung. Zudem muss er eine Geldstrafe in der Höhe von 4000 Euro an den Geschädigten zahlen. Sie war sich sicher, dass der Angeklagte nie vor hatte das Geld zu überweisen: "Sie sind ein klassischer Betrüger, der sich immer schön rausredet."