So ist es richtig, so weiht man einen neuen Radweg und eine neue Straße ein. Mit zwei Geistlichen, den Pfarrern Pater Michali und Peter Zeh, die das Bauwerk segnen. Mit Kindern, die auf Fahrräder fahren und viel Spaß und eine gewisse Leichtigkeit in die Angelegenheit bringen.
Natürlich, auch der Bürgermeister, die Gemeinderäten und der Landtagsabgeordnete dürfen nicht fehlen. Ein Vertreter des Straßenbauamts muss ebenso dabeisein, wie das obligatorische rot- weiße Band, das in zwei geschnitten wird.

Ob nun der Rad- und Gehweg zwischen Gößweinstein und Stadelhofen nun aber tatsächlich eingeweiht worden ist, oder ob er das schon lange ist, ist eine Frage der Interpretation und vielleicht auch parteipolitischen Zugehörigkeit.

Mitte Mai hatte der Leiter des Straßenbauamts Bamberg, Andreas Eisgruber, nach einer Baustellenbesichtigung mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Eduard Nöth den Radweg kurzerhand offiziell für den Verkehr freigegeben hatte. Vor allem die Freien Wähler und die SPD hatten sich über dieses Vorgehen nicht nur sehr gewundert, sondern dies massiv kritisiert.

Der Ärger scheint verraucht

"Es ist aus meiner Sicht ein mehr als merkwürdiges Bild, wenn ganze zwei Politiker und das Hausmeisterehepaar der Schule den Radweg alleine einweihen. Wo waren die örtlichen Gemeinderäte, die diese wichtige Entscheidung getragen haben? Ist das Straßenbauamt Bamberg Veranstalter gewesen? Wenn ja, warum wurde nur die CSU eingeladen?", wandte sich ein irritierter MdL Thorsten Glauber (FW) an Gößweinsteins Bürgermeister (CSU).

Lang bestritt damals, dass es sich um eine feierliche Einweihung gehandelt habe und versprach, diese alsbald nachzuholen.

SPD-Gemeinde- und Kreisrat Jürgen Kränzlein hatte die Einweihung seinerzeit für eine Werbeveranstaltung für Nöth gehalten und entsprechend kritisiert. Inzwischen scheint der Ärger aber verraucht zu sein. Sowohl Glauber als auch Kränzlein waren nun zur offiziellen Verkehrsfreigabe des rund 1,4 Millionen Euro teuren Bauprojekts gekommen.

155 000 Euro aus eigener Tasche

Der Geh- und Radweg selbst kostete 340 000 Euro, der Knotenpunkt 30 000 Euro und die dazugehörige Beleuchtung in Stadelhofen und der Viktor-von-Scheffel-Straße weitere 5000 Euro. Der Markt Gößweinstein bekam dafür einen Zuschuss in Höhe von 220 000 Euro.
Das bedeutet, dass die Gemeinde Gößweinstein 155 000 Euro aus eigener Tasche bezahlen muss.