Mitte oder Ende Zwanzig, auf der Suche nach einer Wohnung. Nicht selten und trotzdem selten von Erfolg gekrönt. In Forchheim gibt es angesichts des wirtschaftlichen Booms zu wenig Wohnraum. Doch nicht nur das: Das Vorhandene ist für junge Menschen häufig einfach zu teuer.

Petra S. schreibt uns: "Es gibt kaum Angebote auf dem Markt. Wenn es mal eine bezahlbare Wohnung gibt, dann ist sie sofort weg." Da stimmt Ernst Röhlich zu. "Wir haben ein Jahr lang gesucht, mal mehr und mal weniger intensiv", erklärt er, "im Endeffekt haben wir eine Wohnung bekommen, weil wir die Vermieterin gekannt haben."


Viele werden ausgegrenzt

Der 30-Jährige berichtet von einer Odyssee an Anfragen: "Die Vorstellungen der Vermieter sind unglaublich." Obwohl er und seine Partnerin in Vollzeit arbeiten, sei es unbeschreiblich schwer gewesen. "Und das, obwohl wir beide unbefristet beschäftigt sind", berichtet Röhlich, "aber sobald wir gesagt haben, dass wir Kater haben, waren wir für die Vermieter nicht mehr interessant." Und auch Ramona F. kennt die Problematik: "Es werden viele ausgegrenzt. Ohne Kinder, ohne Haustiere, keine Raucher, keine Alleinerziehenden."

Eine kürzlich erschienene Studie des Pestel-Instituts besagt, dass viele Menschen zwischen 25 und 40 (6100 davon leben in Forchheim; 20 100 im Kreis) sich gerne Eigentum zulegen würden. Aufgrund von Zeitverträgen fehle es aber oft an den Finanzierungs-Voraussetzungen.

Das Pestel-Institut appelliert in der Pressemitteilung zu ihrer Studie auch an die Bundestagsabgeordneten. Sie sollen sich für die staatliche Förderung von Wohneigentum einsetzen.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn sieht die Notwendigkeit: "Wohnraum ist so knapp und Bauen so teuer geworden, dass viel zu wenige Deutsche Wohneigentum bilden können. Für Familien und zur Altersvorsorge ist das aber unverzichtbar. Ich setze mich deshalb sehr dafür ein, mit einem neuen Baukindergeld den Weg zur Wohnung oder zum Eigenheim für Familien zu erleichtern."

Auch die SPD legt Wert auf bezahlbaren Neubau. Die Landesgruppe Bayern in der SPD-Bundestagsfraktion habe erst im Februar eine Resolution zu diesem Thema verabschiedete, teilte das Büro des Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz auf Anfrage mit.

"Bisher hat die SPD viel für bezahlbares Wohnen durchgesetzt: die Mittel des sozialen Wohnungsbaus verdreifacht, das Wohngeld erhöht und die Mietpreisbremse eingeführt", heißt es in der Resolution. Die SPD sehe aber auch, dass weiter etwas getan werden müsse. Ein Familien-Baugeld wurde entwickelt, heißt es weiter. "Es soll zielgenau auf angespannte Wohnungsmärkte in den Städten wirken und mit anderen Ansätzen im ländlichen Räumen Unterstützung bieten."


Ideen der Politiker

Dabei setze man zum einen darauf, dass junge Menschen im ländlichen Raum Bestandsimmobilien in Ortskernen kaufen. Ein weiterer Baustein der SPD-Vision ist der Eigenkapital-Zuschuss für Familien in Ballungsräumen. Außerdem wünscht sich die SPD eine Entlastung bei Kauf-Nebenkosten für Familien.

Thomas Silberhorn hat ebenfalls klare Vorstellungen, wie mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann: "Da müssen alle mit anpacken - von der Kommune bis zum Bund. Wir brauchen deutlich mehr Wohnungsbau und weniger Auflagen. Im März 2017 hat der Deutsche Bundestag das Baurecht geändert, um den Wohnungsneubau in Innenstädten zu beschleunigen. Seit 2016 fördern wir privaten Wohnungsbau mit einer Sonderabschreibung von 2,1 Milliarden Euro."

Trotz aller Lösungsvorschläge ist die Situation in Forchheim weiter angespannt. In den ersten drei Monaten 2017 wurden im Kreis Forchheim 70 Baumaßnahmen im Bestand, 14 öffentliche Bauten oder Firmenbauten sowie 79 neue Wohngebäude genehmigt. 152 neue Wohnungen sollen so entstehen. Im Vergleich dazu wurden im Vorjahreszeitraum 267 Wohnungen genehmigt.

Das Problem der Neubauten: Sie sind sehr oft hochpreisig. Ein Blick in die Immobilien-Anzeigen verrät: Dreizimmer-Wohnungen ab 80 Quadratmetern kosten in Forchheim 300 000 Euro. Für ein Neubau-Haus reicht in der Königsstadt eine halbe Million oft nicht.

Ernst Röhlich und seine Partnerin hatten sich auch überlegt etwas zu kaufen, sich aber bewusst dagegen entschieden. "Es ist schlimm, dass man in Forchheim kaum eine Wohnung zur Miete findet", sagt er.

Miet-Wohnraum bietet in Forchheim unter anderem das "Haus der Wohnungswirtschaft", ein partnerschaftliches Wohnungsmarktkonzept der langjährig in Forchheim aktiven Unternehmen "WVG", "GWS", "WSG" und "Joseph-Stiftung". Die Wohnungen dort sind gefragt, wie eine Mitarbeiterin bestätigt. "Wir müssen nicht inserieren", sagt sie, "sobald eine Wohnung gekündigt ist, haben wir auch schon einen Nachmieter." Rund 400 Leute stehen aktuell auf der Bewerberliste. Wie lange es dauert, bis sie eine Wohnung bekommen, kann nicht gesagt werden. "Das kommt immer darauf an, wie viele Wohnungen gekündigt werden." Das "Haus der Wohnungswirtschaft" hat Ein- bis -Vierzimmer-Wohnungen im Angebot.


Thema bewegt die Menschen

Derweil erreichten unsere Redaktion viele Kommentare zu dem Thema. Einhellige Meinung: Für den kleinen Geldbeutel gibt es in Forchheim nicht viel - weder zur Miete, noch zum Kauf. Doch ein Leser meldet sich auch und erzählt, dass er von Dresden nach Forchheim gezogen sei. Die Wohnung sei im gleichen Preissegment wie in der Dresdner Innenstadt. Aber: "Wir sind sehr zufrieden mit der Entscheidung. Dazu tragen auch die relativ geringen Kosten für Speisen bei. Die sind nämlich günstiger als dort, wo wir vorher gewohnt haben."