Laue Temperaturen, ein schönes Ambiente und dazu gute, anspruchsvolle Musik. Besser hätten die Bedingungen für einen gelungenen Abend kaum sein können, als Claus Schwarzmann "Aux Champs Élysées", das berühmte Chanson von Joe Dassin, zu singen begann.
Zum ersten Konzert im Innenhof der Jägersburg hatte Graf Stefan von Bentzel die bekannte Weltmusik-Gruppe "Les Quatre Baguettes" eingeladen. Diese Entscheidung schien sich im Laufe des Abends als die Richtige zu erweisen, denn die Freude der Musiker an ihrem Spiel ging auch auf die Zuschauer über. Je später der Abend, desto lockerer wurde auch die Atmosphäre. Bei Welthits wie "Azzurro" und "The Girl from Ipanema" begannen einige Zuhörer laut mitzusingen. Marion Andersons am Saxophon und Peter Christof am Kontrabass sorgten an der Seite von Schwarzmann für die richtige Stimmung.

Besonders virtuos interpretierte Juri Kravetz aus Nürnberg, der Weltmeister im Knopfakkordeon-Spielen, die Stücke. Völlig in sich versunken, wirbelten seine Finger über die Tasten des Instruments, so als würde ihm das gar keine Mühe bereiten. Die Bandbreite der musikalischen Darbietung der Band war groß und reichte von französischen Chansons eines Gilbert Bécaud und Jacques Brel über italienische Canzoni von Paolo Conte sowie jiddische Traditionals, russische, spanische und englische Lieder bis hin zu deutscher und fränkischer Musik.
Schwarzmann sang die Lieder souverän und untermalte die fremdsprachigen Texte mit ausdrucksvoller Mimik. Seine Bandkollegen unterstützten ihn dabei auch ab und zu mit eigenem Gesang. So bewies Kravetz bei einem russischen Kutscherlied, dass er nicht nur ein famoser Akkordeonist, sondern auch ein guter Sänger ist.

Als schließlich die Sonne unterging, erreichte die Stimmung allmählich ihren Höhepunkt. Nach zweieinhalb Stunden kündigte Schwarzmann das letzte Stück des Abends an, doch einige Zuschauer protestierten gegen das absehbare Ende des Konzerts. Das Quartett wurde dann mit viel Applaus und lauten "Bravo"-Rufen belohnt. Erst nach mehreren Zugaben ließ das Publikum die Musiker von der Bühne. Besondere Erwähnung findet, dass die "Quatre Baguettes" offenbar durchaus in der Lage sind, auf spontane Musikwünsche einzugehen.
So stürmte am Schluss eine junge Dame nach vorne und forderte als Zugabe ein Lied von Edith Piaf. Sofort warfen die Interpreten trotz Bedenken ihren eigentlichen Plan über den Haufen und spielten spontan, aber äußerst gelungen "L' Accordéoniste". "Wir waren wirklich nicht darauf vorbereitet", beteuerte Schwarzmann im Anschluss.
Die Erwartungen der vielen Zuschauer, die zu dem gelungenen ersten Konzert in die Jägersburg gekommen waren, schienen erfüllt worden zu sein. Auch drei Damen aus Erlangen hatten sich unter das Publikum gemischt und den Abend sehr genossen. "Ich liebe abwechslungsreiche Musik. Claus Schwarzmann ist sehr vielseitig", sagte Heidi Gebauer begeistert. Und Heike Kießler fügte hinzu: "Ich finde es super. Das gilt besonders für Juri Kravetz und das Knopfakkordeon, denn so etwas hört man nicht überall." Auch die Erwartungen von Gerdi Düthorn, die die "Quatre Baguettes" zuvor schon einmal bei einem Konzert erlebt hatte, wurden nicht enttäuscht: "Ich mag die Ausstrahlung der Musiker. Sie wirken so locker und unkompliziert, obwohl sie anspruchsvolle Musik spielen", sagte sie. Daher habe sie auch ihre Freundinnen zu dem Konzertbesuch angeregt.

Lebensfreude


Insgesamt war der internationale Musik-Mix, gepaart mit der Lebensfreude der Musiker und der insgesamt guten Akustik des Veranstaltungsortes jedenfalls ein gelungener Auftakt für ein erstes Konzert in dem herrschaftlichen Schloss, das einige Jahre zuvor noch ein Seniorenheim beherbergt hatte, bevor es dann im letzten Jahr von den Grafen von Bentzel aus Heroldsbach erworben wurde. Da die Jägersburg restaurierungsbedürftig ist, sind Einnahmen aus den Veranstaltungen wichtig.