Was sind die richtigen Zutaten für einen erfolgreichen und begeisternden Konzertabend? Die Antwort: Neben einem der akustisch besten Konzertsäle Europas braucht es ein großes Publikum, einen außergewöhnlichen Solisten, der auf unglaubliche Weise ein ungewöhnliches Soloinstrument brillieren lässt, einen fachkundigen Moderator und natürlich einen charismatischen Dirigenten, der seine Musiker derart motiviert, dass sie über sich selbst hinauswachsen.

Diese Rezeptur erlebten 1100 Zuhörer in der Walpurgisnacht im Joseph-Keilberth-Saal der Bamberger Konzerthalle. Nicht von den berühmten Symphonikern aus der Domstadt, sondern von 60 jungen Laienmusikern aus Forchheim, die dort zum dritten Mal seit 2014 ihr Frühlingskonzert auf die Bühne brachten und zusammen das Sinfonische Blasorchester des Musikvereins (SBO) Forchheim-Buckenhofen bildeten. Geheimnisvoll zweideutig und damit der Walpurgisnacht gerecht werdend kam schon der Konzertauftakt daher. Denn "Raise of the Son" von Rossano Galante ließ den Zuhörer entscheiden, ob er in den strahlenden Klangbildern den Glanz einer aufgehenden Morgensonne oder eher die Strahlkraft der Auferstehung Christi erkennen will.


Wechselnder Rhythmus

Noch mit der Entscheidung ringend, folgte das Publikum den bestens aufgelegten Musikern in den vordern Orient bei mystischen Klängen der "Arabesque" von Samuel R. Hazo.
Mit einer beeindruckenden, orientalisch anmutenden Querflöten-Kadenz, virtuos dargeboten von Johanna Trautner, ging es in dieses Werk. Der sich fast unmerklich verändernde Rhythmus forderte nicht nur die achtköpfige Percussiongruppe des Orchesters und führte hin zum typisch arabischen Reihentanz, wie er noch heute bei Festen getanzt und durch unverwechselbarem Trommelrhythmus bestimmt wird.

Danach schlug die Stunde des Solisten Heiko Triebener, von Beruf Tubist bei den Bamberger Symphonikern. Auf seiner F-Tuba Melton 2260 RA, Model "Fränkisch Touch", interpretierte er das "Tuba Concerto", eine Auftragskomposition des englischen Komponisten Edward Gregson. Das dreisätzige Werk, zunächst für Brassband geschrieben und später sowohl für Sinfonieorchester als auch für Sinfonisches Blasorchester umgewidmet, forderte dabei alle Register dieser "Königin der Blasinstrumente".
Und Heiko Triebener beherrschte seine Tuba perfekt. Kaum zu beschreiben ist die Virtuosität, schier unglaublich die Klangbreite, die in diesem Werk über drei Oktaven führt.


Eindrucksvolle Antwort

Überhaupt war die Programmwahl des diesjährigen SBO-Frühlingskonzertes besonders gelungen. Wie wird nun ein eigentlich für Chor geschriebenes, sanft und leise angelegtes Klangkunstwerk von einem ansonsten kraftvollen Sinfonischen Blasorchester interpretiert?
Christian Libera, seit letzten Sonntag neugewählter "Vorstand Fachbereich Musik" im MVB, gab mit seinem Flügelhorn eindrucksvoll die Antwort und wurde für seinen "Engelsgesang" mit lang anhaltendem Applaus belohnt.

Kaum verklungen, erläuterte Conférencier Wolfram Weltzer, der als hauptberuflicher BR-Moderator und Posaunist aus Passion der Qualität des Abends vollends gerecht wird, was sich das Publikum bei "Cartoon" von Paul Hart vorstellen darf: einen Cartoon, nur dass der Zuhörer aufgrund der mitreißenden-fetzigen Musik Goofy's Slapstick und die wilden Verfolgungsjagden von Tom und Jerry in seinem Kopfkino ablaufen lassen durfte.
Dann noch einmal Heiko Triebener: zunächst mit dem Orchester als rhythmischen Backround bei "Cool Cat" von Jörgen Welander. Eine Swing-Nummer, die natürlich beweisen soll, dass die Tuba auch das Zeug zum Groove hat. So weit so ausgezeichnet.


Dirigentinnen gewürdigt

Was dann aber folgt, ließ das Publikum vollends aus dem Häuschen geraten. Keiner, auch nicht Dirigent Mathias Wehr und seine Musiker wussten davon.
Vor den Augen von 1100 Besuchern wurden anschließend die beiden langjährigen Bläserklassen-Dirigentinnen Almut Huberth und Helga Stumpf verabschiedet und durch Vize-Bezirkspräsidentin Angelika Becher aus Gundelsheim vom Nordbayerischen Musikbund gewürdigt.