"Erst wenn man etwas älter ist, fängt man an, sich wirklich für die eigenen Wurzeln und die damit verbundene Geschichte zu interessieren." Das sagt der 57-jährige Alfons Eger. Er lebt in Gosberg. Am Mittwoch, 7. Dezember, stellt er um 19 Uhr im Dobenreuther Gemeinschaftshaus seine inzwischen vierte Dorfchronik aus dem Bereich der Gemeinde Pinzberg. Sie handelt von Dobenreuth.

Unter anderem auch über Gaiganz, den Herkunftsort seines Vaters, hat Eger bereits eine Chronik verfasst.
Eger ist von Beruf Übersetzer für Russisch und hat viele interessante Reisen durch Osteuropa gemacht. Privat liegt ihm jedoch seine fränkische Heimat ganz besonders am Herzen.

Er wollte und will seine Heimat durch seine Forschungsarbeit noch besser kennen- und verstehen lernen. "Denn nur was man versteht, kann man auch lieben", glaubt Eger. So wollte er auch erfahren, wer seine Vorfahren waren - zumal seine Mutter schon aus seinem Wohnort Gosberg stammte. "Man fragt sich: Wer ist mit wem verwandt? Und am Ende stellt sich heraus, dass es im Verhältnis eher wenige sind, mit denen man nicht verwandt ist."
Mit der Dobenreuther Chronik will Eger seine Arbeiten über das Gemeindegebiet Pinzberg abschließen. Besonders interessant waren seinen Angaben zufolge dabei die Unterschiede zwischen den Dörfern.


Zeitweillige Unabhängigkeit

Egers historischer Anker ist das Jahr 1847, in dem die Regionen vom Freistaat erstmals richtig vermessen worden sind. Von diesem Zeitpunkt bewegt sich die Chronik sowohl Richtung Vergangenheit - bis zur ersten urkundlichen Erwähnung Dobenreuths 1348 in einem bischöflichen Rechtsbuch - als auch hin zur Gegenwart. Der Untertitel von Egers neuem Buches lautet: "Häuser. Familien. Initiativen". Was meint hier "Initiativen"? Als sehr kleiner Ort musste sich Dobenreuth seine - aus heutiger Sicht: zeitweilige - Unabhängigkeit hart erkämpfen.

In kirchlicher Hinsicht beispielsweise erreichten die Dobenreuther Ende der 1870er Jahre, dass sie ein eigenes Gotteshaus bauen durften. Es ist 1881 geweiht worden. Der Pinzberger Pfarrer hatte zwar die Pflicht, auch dort Gottesdienste abzuhalten, aber von 1937 bis 1959 hatten die Dobenreuther auch sogenannte Kommoranten: Seelsorger im Ruhestand, die im Dorf wohnten und mit denen zusammen sie ihre Rechte ausbauten, zum Beispiel das Recht auf eine eigene Fronleichnamsprozession.

Auch ihr Geld wollten die Katholiken von Dobenreuth lieber ihrem eigenen Geistlichen, der selbst kein offizielles Gehalt bezog, geben. Sie weigerten sich, dem damals in Pinzberg amtierenden Pfarrer Schatz für eine Sammlung etwas zukommen zu lassen. Diese "Aufmüpfigkeit" veranlasste den Pinzberger Pfarrer zu einem Beschwerdebrief an das Bamberger Generalvikariat. Darin formulierte er den Vorwurf, die Dobenreuther verhielten sich "schlechter als die Pharisäer zur Zeit Jesu".


Erfolgreicher Widerstand

Auf die Initiativen der Bürger hin erhielt Dobenreuth 1913 eine eigene Schule und 1922 auch einen Friedhof. Bis in die Gegenwart engagieren sich die Dorfbewohner - trotz der 1978 verlorenen politischen Eigenständigkeit - für eigene Projekte. So wehrten sie sich 1986 mit Erfolg gegen die Flurbereinigung.

Auch das Gemeinschaftshaus, in dem Eger seine Chronik der Öffentlichkeit vorstellen wird, ist die Frucht einer Dobenreuther Initiative. Nach dem Verlust zweier Gasthäuser, die auch Vereinslokale gewesen waren, im Jahr 1990 wurde 1992 der Bau dieses Hauses beschlossen. 1995 erfolgte der erste Spatenstich und nach viel Eigenarbeit konnte es 1997 eingeweiht werden. Nach letzter Zählung leben in Dobenreuth heute in 110 Häusern 290 Einwohner.

Die Quellen für seine Dobenreuther Chronik fand Alfons Eger im Bamberger Staats- und im Diözesanarchiv sowie im Gemeindearchiv der Verwaltungsgemeinschaft Gosberg.
Das gebundene Buch ist reich an Bildmaterial. Es soll 37 Euro kosten.