Einstimmig hat der Streitberger Markgemeinderat den Bauantrag des Forchheimer Unternehmers und CSU-Kreisrats Stefan Schick abgelehnt. Schick hatte Nutzungsänderung beantragt, um so das ehemalige Posthotel als eine Flüchtlingsunterkunft betreiben zu können.

Grund für das verweigerte gemeindliche Einvernehmen ist jedoch nicht die Nutzungsänderung an sich, sondern die im Bauantrag enthaltene Anzahl von 91 Betten für Asylbewerber. Viel mehr als 40 Flüchtlinge könne Streitberg mit gerade einmal rund 400 Einwohnern ohne die Bewohner des Altenheims nicht verkraften - darin waren sich die Räte nach einer lebhaften Diskussion einig.

Behörden wie Besitzer seien mit den Streitbergern bei der Informationsversammlung nicht offen und ehrlich umgegangen, kritisiere Joachim Gebhardt (BGS). Da sei die Rede von 40 Personen und nicht von 91 gewesen.
"Wenn so etwas passiert, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn es dort Ärger gibt", sagte Gebhardt. "40 können wir notfalls packen", erinnert Bürgermeister Helmut Taut (FWW) an die Verhandlungen mit dem Vorbesitzer des Hotels, wo bereits von 60 Betten die Rede war. "Ich trenne den Bauantrag aber geistig von der Belegung", so Taut. Er betonte, das er immer klar gesagt hätte, dass man mit 40 Asylbewerbern in Streitberg leben könne.


Mitten im Ort gelegen

"Ich sehe das nicht so locker wie du, denn das kann man nicht trennen", sagte Zweiter Bürgermeister Gerhard Kraus (BGS) in Richtung Taut.

Das Gebäude befinde sich mitten in einem Fremdenverkehrsort und man habe die Burg und Binghöhle schön hergerichtet. In Streitberg könne man sich zwar nicht verschließen, Flüchtlinge aufzunehmen - aber 100 und mehr vertrage der Ort nicht. "Das möchte ich den Anwohnern und der Ortschaft nicht zumuten", sagte Kraus. Er, Kraus, frage sich auch, was die Asylbewerber den ganzen Tag in Streitberg machen sollen, wo es dort doch keine Einkaufsmöglichkeiten gebe. "Das ist kein Zeichen gegen die Asylbewerber, aber die können mit uns nicht Katz und Maus spielen", sagte auch Roland Knauer (BGS).

Mit "die" meinte er Schick und die Behördenvertreter. Und Knauer brachte es noch deutlicher auf den Punkt: "Mir war schon bewusst, dass es 50 bis 55 werden, aber nicht über 90", so Knauer. Ihm sei aber bewusst, dass der Marktrat keine Chance haben wird, die Nutzung des ehemaligen Hotels als Flüchtlingsunterkunft abzulehnen. Denn der Gemeinderatsbeschluss könne durch eine Zustimmung des Landratsamts ersetzt werden wird. Das Landratsamt wird in der Angelegenheit das letzte Wort haben.


"Das ist nicht fair"

Dennoch müsse der Rat ein gewisses Zeichen nach außen hin setzen. Mit einer politischen Gesinnung habe dies aber nichts zu tun, so Kanuer.

"Ein Drittel Asylbewerber sind in einer Ortschaft wie Streitberg einfach zu viel", sagte auch Helmut Hofmann (ZJ). Dies verkrafte ein so kleiner Ort nicht. "Es ist von Herrn Schick nicht in Ordnung, dass er die Zahl bei der Versammlung nicht korrigiert hat. So kann man mit den Streitbergern nicht umgehen", so auch Karl-Peter Schwegel (BMW). Schick habe im Moment nur einen Vertrag mit dem Landratsamt für 41 Flüchtlinge, erläuterte Marktgeschäftsführer Werner Borchert.

"Das ist Augenwischerei, wenn man die Entwicklung in München so anschaut", fürchtete Knauer. "Ich stimme diesem Bauantrag nicht zu, weil es einfach nicht fair ist, dass Schick nicht mit offenen Karten gespielt hat", so auch Günter Schürer (CSU). "91 Asylbewerber: Das ist einfach eine Nummer zu groß für Streitberg", bilanzierte Taut am Ende.