Kein Thema bewegt die Gesellschaft derzeit mehr als das der Flüchtlinge. Wie sieht die Situation momentan aus? Und wie können die Asylbewerber in die Arbeitswelt integriert werden? Darüber diskutierte die SPD-Bundestagsabgeordnete Anette Kramme bei ihrem Besuch in Gräfenberg.

"Der Arbeitsmarkt ist in guter Verfassung. Aber es ist nicht leicht, alle Flüchtlinge unterzubringen", erklärte Kramme. Nur zehn Prozent würden eine duale Ausbildung schaffen. Mathe hätten die Menschen aus den unsicheren Herkunftsländern häufig verpasst. Gerade Mathematik sei aber sehr wichtig in einer Industrienation wie Deutschland. Kramme schildert die Geschichte eines 14-jährigen Jungen, der vor einem Jahr alleine nach Deutschland geschickt wurde und hier nun die Schulbank drückt. Als Faulpelz würden ihn aber die Eltern beschimpfen. Denn diese warteten darauf, dass er arbeite und endlich Geld schicke. "Es entstehen Zwangssituationen", sagte Kramme.


Nachträgliche Prüfung

Drei Asylbewerber aus Gräfenberg waren selbst zur Diskussionsrunde gekommen. Einer von ihnen konnte dolmetschen und schilderte den Werdegang der anderen beiden. Einer sei Schreiner, der andere Schneider. Sie beherrschen ihren Beruf, ein Zeugnis aber fehlt."Eine Prüfung kann nachträglich abgelegt werden", sagte Kramme.

Die Abgeordnete bat die Asylbewerber, mit ihrem Büro Verbindung aufzunehmen. Sie wolle sich um eine gute Lösung für die beiden kümmern. "Sie können für einen bestimmten Zeitraum in einem Betrieb arbeiten und dann eine Qualifizierungsfeststellung machen", wandte sich Kramme weiter an die beiden Asylbewerber.

Ab wann Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung arbeiten können, wollte ein Teilnehmer der Diskussionsrunde wissen. "Ab sofort und in den 140 Mangelberufen", antwortete Kramme. Einer der Asylbewerber vor Ort beklagte Probleme beim Familiennachzug. Mit einer achtjährigen Tochter kam der Mann hierher. Sie hatten nicht genug Geld, um mit der ganzen Familie zu fliehen. Die Frau und drei Kinder blieben im Heimatland.
Dass Bayern nicht besonders freundlich in diesen Sachen sei, bedauerte Kramme und erklärte, dass es aber immer noch die Härtefallregelung gebe. Wenn ein Arzt bescheinige, dass das Kind die Mutter brauche, würde der Familiennachzug wohl funktionieren.

Bevor diese speziellen Fälle angesprochen worden waren, referierte die parlamentarische Staatssekretärin im Bundeministerium für Arbeit und Soziales über die Flüchtlingslage im Allgemeinen. "Es ist kein einfaches Thema für Deutschland. Das große Problem wird es sein, die Gesellschaft beieinander zu halten", sagte Kramme.


Deutschland stehe für Freiheit

Rücksicht erfordere das und Entscheidungen, die nicht jedem gefallen. "Wir wollen in Deutschland leben, nicht in Spanien", sagte einer der anwesenden Asylbewerber. Deutschland stehe für Freiheit, erklärte er. Ein anderer junger Diskussionsteilnehmer erklärte den Andrang nach Deutschland damit, dass in den anderen Ländern das Bild vermittelt werden, dass Deutschland die beste Lösung sei.
Die Gefahr eines hochgehenden Pulverfasses sah ein älterer Herr - wenn junge Asylbewerber nach Spanien kämen, wo ohnehin eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit herrsche.