"Jürgen, wirf bitte das Ding aus", ruft Alexandra. Das Ding nennt man Schwimmer und wird durch den Wind immer ans Ufer getrieben, muss deshalb neu ausgeworfen werden.
Das haben die Jugendlichen von der Noris Inklusion in Nürnberg bei ihren praktischen Angelstunden schon gelernt. Jürgen Gierisch, der Vorsitzende des Fischereivereins von Kleinsendelbach nimmt Alexandras Angel und befestigt mit ihr zusammen ein neues Maisstück als Köder.


Alle zwei Wochen ein Treffen

Den anderen haben die vielen kleinen Fische im Baggersee bereits abgeknabbert. Unbemerkt, denn angebissen hat kein Fisch. Das macht nichts. Alexandra will nicht unbedingt einen Fisch an der Angel haben. Aber sie möchte angeln. "Es beruhigt", erklärt Gierisch. Er hat bei dem neuen Jugendprojekt Inklusion gleich zwei Funktionen inne: Als Vorsitzender des Fischereivereins betreut er die Jugendlichen bei dem 14-tägigen Inklusionsangeln und ist zugleich im Berufsleben mit diesen Jugendlichen mit Beeinträchtigungen zusammen, arbeitet er bei Noris Inklusion als Gruppenleiter und Gärtner. So kam auch das Projekt zustande.

"Wir wollten keine arbeitstechnischen Projekte", sagt Gierisch über die Werkstattarbeiten. Wichtig für die Jugendlichen aus der Stadt sind die Natur. Gerade diese beeinträchtigten Menschen verspüren oft eine innere Unruhe. Die Ruhe, die beim Angeln herrscht und sich überträgt, tut ihnen gut.


Weitere Interessenten

Mit 12 Jugendlichen als festen Kern wurde die neue Angelgruppe gegründet. Aber es gibt 20 weitere Interessenten. Der Kleinsendelbacher Fischereiverein stellt das Gewässer zur Verfügung und betreut die Jugendlichen, hauptsächlich die Jugendgruppe des Vereins selbst.

"Unsere Jugendlichen sollen wissen, dass es auch anders zugeht. Die Berührungsängste werden abgebaut", erklärt Pressewart Helmut Werner. Aber Berührungsängste haben die jungen Angler nicht. Florian geht gleich zu den Jugendlichen hin, übt mit ihnen den Köder zu befestigen.
Würmer, Brot oder Mais. Kai von der Noris Inklusion kann gut angeln, finden dessen Freunde. Aber auch die anderen machen ihre Sache gut. Die Theorie wurde ihnen in der Norisgruppe vermittelt, das Angeln selbst lernen sie an den Gewässern des Fischereivereins.

Schon im Frühjahr wirkten sie bei einer Arbeit am Dechsendorfer Weiher mit, reparierten Dämme. "Das dauert", ruft ein Jugendlicher vom Ufer herauf. Ja, heute ist nicht bestes Angelwetter. Aber seit dem Badeverbot in Kleinsendelbach durch die Firma Sand Hammerand sind kaum noch Schwimmer im Baggersee.


Weitere Pacht in Nürnberg?

Die Security schickt, wenn sie hier ist, die Leute wieder nach Hause. Für den Fischereiverein ist das eine Erleichterung. Die Fische hatte der Lärm zwar nicht gestört. Aber die Fischer, die den Baggersee gepachtet haben, hatten das Nachsehen, erklären die Mitglieder.

Dass wenig Leute am Baggersee sind, ist auch für diese fünf Jugendlichen gut. Gerne würden die Kleinsendlbacher Hobbyangler mehr Jugendliche von der Noris Inklusion zur Aktion mitnehmen. Doch die Anzahl der Jugendlichen, die ins Auto passen, sei schlichtweg begrenzt.

Die Fischer überlegen deshalb, auch in Nürnberg ein Gewässer zu pachten, denn die neue Inklusionsgruppe des Vereins soll sich alle 14 Tage für die praktische Unterweisung in der Gerätehaltung und dem Angeln treffen.
Noch immer hat kein Fisch an diesem Tag angebissen. Aber der würde heute ohnehin wieder ins Wasser geworfen werden. Ansonsten bekommen ihn die Jugendlichen küchenfertig mit nach Hause.