"Hallo, wie geht's?" - "Gut, und dir?" So fängt ein Chat auf Facebook an. Es ist nachmittags gegen 14 Uhr. Der eine Gesprächspartner ist die Schülerin Sabrina, der andere ein 30-jähriger Mann, der bei einem Sicherheitsdienst beschäftigt ist.

Der Chat geht hin und her. Der Mann fragt, wie alt sie sei, und das Mädchen sagt wahrheitsgemäß: "Elf." Doch der Mann fragt weiter - mit immer deutlicheren "Anzüglichkeiten", wie es der Staatsanwalt formuliert. Denn der Mann hat sich nun vor dem Amtsgericht Forchheim wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu verantworten.
Vom Hobby Schwimmen kommt er auf Bikini, von Pferden auf die Frage, ob sie denn schon mal einen Pferde-Penis gesehen habe. Und er fragt auch direkt: "Wie alt muss ein Mann für dich sein? 30, 35?"

Die Antwort spätestens müsste ihm genügt haben, selbst wenn man ihm glaubt, er meinte, mit einer 15- oder 16-Jährigen zu chatten. Denn die Schülerin antwortet: "13, 14." Doch er bohrt weiter und möchte mit ihr telefonieren. Da reicht es ihr: "Einen schönen Gruß von Papa. Der ruft jetzt die Polizei an."

Die Ausrede wischt denn auch Richterin Silke Schneider sofort vom Tisch. "Dass sich ein Mädchen jünger macht, ist ein Schmarrn. Umgekehrt kann ich es mir vorstellen, damit sie interessanter wirkt."


Angeklagter räumt Hergang ein

Ansonsten räumt der Angeklagte den Hergang ein, so dass das Gericht auf die Vernehmung der Schülerin verzichten und sich aufs Verlesen des Chats beschränken kann. "Die Anbahnung eines sexuellen Kontakts ist unter Strafe gestellt. Welche andere Zielrichtung soll denn das Gespräch gehabt haben?", fragt Schneider mehr rhetorisch denn ernsthaft.

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft ist das Vorgehen des Mannes "genau der Fall, den der Gesetzgeber sich beim Paragraphen 176 StGB vorgestellt hat. Eine solche Tat ist mit Freiheitsstrafe (ab drei Monaten) und mit sonst gar nichts bedroht", warnt er in seinem Plädoyer und beantragt für den Angeklagten eine Strafe von sechs Monaten. Der Verteidiger weist noch daraufhin, dass der Mann bis dahin noch nie grenzwertige Chats geführt hat.

Fünf Monate Freiheitsstrafe verhängt die Richterin - ohne Bewährung. Denn das Vorstrafenregister des Mannes weist sieben Einträge auf, eher Kleinigkeiten, bis auf die letzte Verurteilung: Hier ging es um gefährliche Körperverletzung, die mit einer Freiheitsstrafe von neun Monaten geahndet wurde und deren Bewährungsfrist noch läuft. Das Urteil war gerade mal ein halbes Jahr vor der nächsten, der jetzt angeklagten Straftat, und ein weiteres Verfahren gegen den Mann ist anhängig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.