Am Sonntagabend stellt Mario Lager die Weichen der Gaststätte "Gleis 4" auf Stopp. "Ich mache zu", erklärt der Pächter der Gastwirtschaft unmittelbar neben dem Bahnhof. Es rechnet sich nicht.

Wer sich von dem sympathischen Koch verabschieden und eine seiner leckeren Spezialitäten genießen, will hat dazu nur noch am morgigen Sonntag Gelegenheit. Da kocht Mario ein letztes Mal auf: "Hier gibt es nichts aus der Dose, ich mache alles frisch. Auch die Schnitzel werden in der Pfanne zubereitet."

Das hätten die Gäste zwar honoriert, aber "unter dem Strich waren es zu wenig", zieht Mario Lager nach eineinhalb Jahren Bilanz. "Das, was ich im Sommer verdient habe, reicht nicht, um über den Winter zu kommen. Ich muss meine Reserven angreifen und das geht auf die Dauer nicht. So schwer es mir fällt, diese urige Bauernwirtschaft aufzugeben: Ich habe keine andere Wahl", bedauert der gelernte Koch, der sich in der Nürnberger Gastronomie, unter anderem im "Alten Schloss" in Höfles, der im Michelin-Führer gelisteten "Alten Post" in Kraftshof oder im "Kapadokya & Casanova" in Erlangen seine Sporen verdient hat. Ehe sich Mario in Gosberg selbstständig gemacht hat, war er Küchenchef im "Wauers" in Forchheim.


Ein Versuch

"Das Unternehmen Gleis 4 war ein Versuch", gesteht Mario, der sich in seiner Zeit als Gastronom nicht einmal einen Urlaub gegönnt hat. "Die 40 Sitzplätze der Gastwirtschaft sind zu wenig. Da kann ich keine Hochzeitsgesellschaft unterbringen." Wäre die Scheune nutzbar, wäre das kein Problem gewesen. So aber musste er entweder die Stammgäste vor den Kopf stoßen oder die geschlossene Gesellschaft absagen.


Biergarten-Betrieb nur bis 22 Uhr

Auch im Sommer gab es Probleme: "Ich durfte nur bis 22 Uhr im Biergarten ausschenken, denn das Lokal liegt in einem Wohngebiet." Da der Sommer sehr warm war, kamen die Gäste erst um 21 Uhr. Da bleib genau eine Stunde zum Geldverdienen. "Zu wenig", bedauert Mario Lager, denn ab dem Herbst bleiben auch die Wanderer und Radler aus dem Nürnberger Umland aus. "Und mit den Stammgästen allein komme ich nicht über die Runden", stellt er fest.


Angebote als Küchenchef

Er hat sich deshalb wieder nach einer Festanstellung umgesehen: "Zurzeit habe ich zwei Angebote als Küchenchef. Die lasse ich mir gut durch den Kopf gehen und werde mich dann entscheiden."

Ganz auf das Abstellgleis geschoben wird das "Gleis 4" aber nicht: Die Besitzerin des Lokales hat angekündigt, die Gastronomie weiterzuführen. Dazu will sie auch einen Koch einstellen.