"Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" - so beginnt ein bekanntes Lied nach der Melodie von Valentin Eduard Becker, einem ehemaligen Würzburger Stadtkämmerer. Der Text ist ein Gedicht von Joseph Viktor von Scheffel, der vor 190 Jahren geboren wurde und vor 130 Jahren verstorben ist. Oft wird es auch als Frankenlied oder Frankenhymne bezeichnet.

"Viktor von Scheffel ist 1826 in Karlsruhe als Sohn eines Ingenieurs geboren", erzählt Christian Meier, Altbürgermeister von Egloffstein und Heimatkundiger. "Und er musste Juristerei studieren", wirft Eberhard Hofmann ein, der von 1995 bis 2015 Leiter des Arbeitskreises Volksmusik beim Fränkische-Schweiz-Verein war. Dieses Studium habe von Scheffel nicht sonderlich gemocht, erzählt Hofmann weiter. Deshalb ging er viel auf Reisen, habe gemalt und gedichtet. "Er hatte wohl verschiedene Anstellungen als Jurist, aber er hatte Zweifel an seinem Beruf und geriet 1859 in eine Krise", berichtet Hofmann.

Da viele Dichter romantische Beschreibungen über Franken veröffentlicht hatten, habe sich Viktor von Scheffel in diesem Jahr in die Eisenbahn gesetzt und sei nach Lichtenfels gefahren, um dort im ehemaligen Kloster Banz Klärung zu finden. "In dieser Zeit seiner beruflichen Orientierungslosigkeit entstand der Text des Liedes. Wobei es eigentlich eine Hymne an den Obermainlauf ist", erklärt Hofmann. Und er erinnert daran, dass das Lied eine romantische Beschreibung der Gegend ist, "denn tatsächlich haben die Bauern damals geblutet und geweint."


Heilige stimmen nicht

Chorleiter Christian Meier wirft ein, dass diese Art von Liedern, die auch einfach zu singen sind, bei Heimatfesten gut gehen und einen touristischen Wert haben, da sie die schöne Gegend beschreiben. "Nur stimmen die angegebenen Heiligen nicht", wendet Eberhard Hofmann ein. Denn der Heilige Kilian ist nicht der Schutzherr der Winzer und einen Heiligen Veit von Staffelstein gibt es ebenso wenig. Der im Lied genannte "Einsiedelmann" war Eremit Ivo Hennemann. Und in dessen Keller bricht der Wanderer des Liedes ein, um sich zu betrinken.


Politische Person

"Ich habe hier ein altes Buch meiner Frau: Das Viktor-Scheffel-Album - Perlen deutschen Humors", erzählt Christian Meier. Das Buch ist aus dem Jahr 1915 und im Vorwort ist zu lesen: "Der Dichter kam selbst unbegründeterweise in den Ruf eines Kneipgenies und Alkoholikers." Hofmann hat herausgefunden, dass Joseph Viktor von Scheffel eine politische Person war. "Er hat den Gedanken vaterländischer Verblendung Vorschub geleistet und war auch privat äußerst zweifelhaft", erzählt Hofmann.

Von Scheffel heiratete 1864 die Tochter eines bayerischen Gesandten. Die Ehe war unglücklich und bald zu Ende. "1867 hat er dann seinen Sohn vom Spielplatz weg entführt", berichtet Eberhard Hofmann. 1883 besuchte von Scheffel das letzte Mal die Fränkische Schweiz und gastierte im Gasthof Distler in Gößweinstein. Mit 60 Jahren starb von Scheffel schließlich an einer Gehirnerkrankung. Auch im Scheffel-Album ist von einer "geradezu verhängnisvollen Veranlagung seines Charakters" zu lesen. "Erst war er erfolgreich, doch nach dem Tod seiner Schwester versiegte seine schöpferische Kraft", fügt Christian Meier hinzu.

Eberhard Hofmann hat noch einen besonderen Text: Gerhard Hellgeth, Pfarrer in Staffelstein, hat eine Fortsetzung des Frankenliedes gedichtet. "Eigentlich hat das Lied ja nur sechs Strophen, aber es gibt drei weitere gegen die Bayern", sagt Hofmann und schüttelt den Kopf, denn auf diese möchte er nicht eingehen. Die Verse von Pfarrer Hellgeth dagegen beginnen dort, wo der Originaltext aufhört - im Weinkeller des Eremiten Ivo. Dieser findet den völlig betrunkenen Scheffel im Keller: ""Mein Gott, der ist ja kurz und klein - wie schaff ich das alleine - dass ich das arme Dichterlein - bring wieder auf die Beine?" "Er hebt ihn hoch, er schüttelt ihn - er haut ihm ein paar runter - doch hilft kein Stoßen und kein Ziehn - der Ärmste wird nicht munter."