Endlich kann er sich in seinem neuen Lafuma-Relax-Stuhl zur Ruhe setzen und auf die eigenen Enkel aufpassen, während die mit den Schafen in Opas Garten spielen. 13 Jahre lang kümmerte sich Heinrich Köhlerschmidt als stellvertretender Fachbereichsleiter des Jugendamts um andere Kinder, deren Eltern nicht mehr in der Lage dazu waren.

Allerdings werde sein Terminkalender auch im Ruhestand voll sein: Etwa wird er mit Vätern ehemaliger Schüler einen steinzeitlichen Lehmbackofen reparieren. "Die soziale Arbeit wird mich nie loswerden, da bin ich mir sicher."

Sein Lebensmotto "Sich um andere kümmern" entwickelte Köhlerschmidt bereits früh. "Als Schulkind wurde ich nachmittags im Christlichen Verein Junger Menschen in Bamberg betreut", sagt Köhlerschmidt, wo viel geteilt wurde. Das habe ihn geprägt, um selber aktiv zu sein und sich zum ehrenamtlichen Jugendleiter ausbilden zu lassen. Auch für ältere Menschen lernte er , Verantwortung zu übernehmen: "Jeden Sonntag musste ich meiner Oma und Tante Essen bringen. Und beim Bund war ich als Offizier für 40 ältere Männer zuständig."


"Wir wollten die Welt verändern"



Er zählt seinen Jahrgang zum "Nachschwappen" der 68er Generation. "Wir wollten die Welt verändern. Deshalb habe ich soziale Arbeit in Bamberg studiert, ein junges Studium mit soziologisch-psychologischen Schwerpunkt."

Jeden Tag 30 Telefonate und sechs bis sieben Termine, da wurde es schon mal stressig. Aber zum Glück standen Heinrich Köhlerschmidt seine "guten Seelen" beiseite, die im Zimmer gegenüber saßen. "Häufig musste ich sie nerven, wenn ich meine Passwörter zum dritten Mal vergaß oder vergessen hatte, meinen Dienstwagen einzutragen. Dann bin ich rüber und versuchte freundlich, dass sie für mich arbeiten." Die Mädels aus der "Operations-Zentrale" hätten alles mit Schmunzeln hingenommen, denn sie waren für ihn ja quasi wie Töchter.

"Alle jungen Menschen haben einen Anspruch auf Hilfe", betont Köhlerschmidt. Dafür wünsche er sich mehr Partnerschaft zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen und den Schulen. "Ein Gemeinschaftsauftrag fehlt in Forchheim. Alle sollten sich für den Kinderschutz verantwortlich fühlen." Ihn störe es, dass es immer heiße, "ihr vom Jugendamt habt Schuld", aber die Schule und Nachbarn des betroffenen Kindes hätten nie etwas gesehen oder gehört. "Die Polizei oder Feuerwehr wird doch auch nie für den Unfall verantwortlich gemacht."