Wenn schon, denn schon. Es gebe gute Gründe, informierte Diplomingenieurin Angelika Greßmann vom Regensburger Architekturbüro "dp" die Mitglieder des Kreis- Bauausschusses, den Gebäudetrakt mit dem Sitzungssaal komplett abzureißen, statt ihn zu sanieren und drei weitere Stockwerke drauf zu setzen. Die Tabula-Rasa-Variante sei sogar um 58.000 Euro günstiger.

Das erklärte die Bau-Expertin mit dem Hinweis, dass die Elektroleitungen, die Heizung und die Wasserleitungen sowieso komplett erneuert werden müssten. Die Decke müsse aufgeschnitten werden, damit das Treppenhaus eingebaut werden könne. Und: Es werde Wasser eindringen, so dass das Gebäude bis auf den Rohbauzustand zurückgebaut werden müsste. Das sei arbeitsaufwendig und teuer. Vor allem die Schutzmaßnahmen könnten sich problematisch gestalten.

Hinzu komme, dass im Bodenaufbau "belastetes Baumaterial "gefunden worden sei, so dass der Estrich erneuert werden müsste. Auch neue Bodenbeläge seien fällig. Das Gebäude komplett abzureißen und nur die Bodenplatte zu verwenden, sei günstiger als eine Teilsanierung.

Weil die Wände nicht mehr so dick sein müssten, könnten zwölf Quadratmeter mehr Platz gewonnen werden. "Außerdem haben Sie ein schadstofffreies Gebäude, das energetisch auf dem neusten Stand ist", versprach Greßmann. Ein einheitliches Fassadenbild und mehr Licht durch größere Fenster nannte die Diplomingenieurin als weitere Vorteile. Und dabei sei das Ganze günstiger als bei einer Sanierung.
Da hatte die Bau-Expertin aber die Rechnung ohne Lisa Badum (Die Grünen) gemacht. Das habe der Kreistag so nicht beschlossen, kritisierte Badum. Da würden Maßnahmen hinterhergeschoben, die vorher hätten bekannt sein müssten, warf sie Kreisbaumeister Walter Neuner vor.


Korrekt ausgeschrieben

Die Arbeiten seien nach Beschlusslage ausgeschrieben worden, korrigierte der Bereichsleiter für Bauen und Umwelt, Reinhold Göller. Allerdings sei eine weitere Variante zugelassen worden. Das sei aber nicht als Widerspruch zum Kreistagsbeschluss zu sehen, denn die Schaffung von Büros für 71 Mitarbeiter und das Fertigstellungsdatum seien durch die modifizierte Vorgehensweise nicht betroffen.

Landrat Hermann Ulm betonte: "Angesichts der Kostenersparnis und der Vorteile wäre es grob fahrlässig gewesen, an der bisherigen Vorgehensweise festzuhalten und den Kreis-Bauausschus nicht zu informieren."

Sebastian Körber (FDP) sprach von einem hoch kompetenten Sachvortrag und nannte es lobenswert, dass der Ausschuss informiert wurde, noch ehe Arbeiten begonnen haben. Da wurde vorausschauend agiert", lobte er, bedauerte aber, dass nur zwei Angebote zur Wahl standen.

Reinhold Otzelberger (SPD) empfand es als positiv, dass "weiter gedacht" wurde, und lobte die Flexibilität, mit der die Planung weiter entwickelt worden sei. Angesichts dessen am Alten festzuhalten sei nicht sinnvoll, zumal die Gefahr der Kostensteigerung bei einer Sanierung immer gegeben sei. "Jetzt sind wir kalkulatorisch auf der sicheren Seite", befand Otzelberger. Nicht so Lisa Badum. Sie beharrte auf der Teilsanierung, was Sebastian Körber auf die Palme brachte. Er sprach von fadenscheinigen Argumenten und nannte das Verhalten der Kollegin als "grenzwertig unverschämt".

Eduard Nöth bekräftigte: Die vorgelegte Planung ist richtig und gut so" und Richard J. Gügel (FW) argumentierte, es sei unverantwortlich, nicht die bessere Alternative zu wählen. Gegen die Stimme von Lisa Badum votierte der Bauausschuss für einen Komplettabriss und Neubau des Landratsamtstraktes mit dem Sitzungssaal.


Kommentar des Redakteurs

Keine Frage, es ist wichtig und lobenswert, eine eigene Meinung zu haben und die auch gegen Widerstände zu verteidigen. Ja-Sager gibt es viel zu viele. Und: Die Demokratie lebt vom Austausch der Argumente.
Aber: Man darf von einem Mitglied des Kreistages auch erwarten, dass er oder sie auch zugänglich ist für Argumente, wie sie Ingenieurin Angelika Greßmann zuhauf geliefert hat. Statt Sanierung bekommt der Landkreis bei weniger Kosten ein Gebäude auf dem energetisch neuestes Stand, mehr Licht und mehr Platz. Warum Lisa Badum dennoch an einer Sanierung festhalten wollte, versteht wohl nur sie. Weil das so beschlossen wurde?
Klingt nach ideologischer Einbahnstraße, zumindest aber nach Rechthaberei. Aus Prinzip erst einmal dagegen zu sein, macht nicht unbedingt glaubwürdiger. Zumal Lisa Badums Behauptung, Kreisbaumeister Walter Neuner hätte wissen müssen, dass ein Neubau günstiger würde, als eine Sanierung, hellseherische Fähigkeiten voraussetzt, wie Sebastian Körber zu Recht moniert hatte.

Es hätte Lisa Badum stutzig machen müssen, dass sie mit ihrer Meinung allein auf weiter Flur stand. Aber da war die Bundestags-Kandidatin der Grünen wohl bereits im Wahlkampf-Modus. Auch wenn der völlig unangebracht war. Ideologie, gleich welcher Couleur, hat in einem Kreistags-Gremium nichts zu suchen. Deshalb: Nicht zurück auf Null, aber zurück zu einer sachlichen politischen Auseinandersetzung.