Der Angeklagte wollte selbst kaum glauben, was er da gemacht und gesagt haben soll: "Wenn ich das so höre, hört sich das allerdings sehr extrem an", räumte 21-Jährige aus Forchheim gegenüber Amtsrichter Philipp Förtsch ein.
Was ihn nun vor das Forchheimer Jugendschöffengericht gebracht hatte, waren die Ereignisse vom Dreikönigstag dieses Jahres. Seit vier Jahren war der junge Mann zu diesem Zeitpunkt mit seiner Freundin zusammen. Allerdings fühlte er sich von dieser mehr und mehr eingeschränkt. "Sie hat mich provoziert, angeblich, weil sie Angst hatte, dass ich nicht mehr wieder komme", erklärte er vor Gericht die Hintergründe.
Diese Sorge kam nicht von ungefähr, denn der junge Mann ist immer noch THC-süchtig. Hinzu kommt, dass ihm vor acht Jahren attestiert worden ist, an dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) zu leiden. Mit den Jahren hatte sich in dem 21-Jährigen die Meinung verfestigt, mit Haschisch oder Marihuana die Folgen des ADHS mildern zu können. Allerdings hatte ihn sein Drogenkonsum schon in die Psychiatrie nach Bamberg gebracht.

Gewalt gegen die Freundin

Am Tattag muss sich der Forchheimer wieder einmal derart in seinem Freiheitsdrang behindert gefühlt haben, dass ausgerastet ist.
Er packte seine Freundin unvermittelt am Hals und schlug sie mit dem Kopf gegen eine Zimmertür. Wenig später ging er ihr erneut an den Hals und schlug sie mit dem Hinterkopf zweimal gegen die Tür. Er packte die Hand der jungen Frau und verdrehte ihr die Finger. Als es seiner Freundin schließlich gelang, sich zu befreien, ging sie zur Behandlung ins Krankenhaus. Ihren Freund ließ sie nach ihrer Rückkehr nicht mehr in die Wohnung. In seiner Wut versuchte der Angeklagte deshalb, die Tür einzutreten und sich mit Gewalt Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen.
Der vom Forchheimer Gericht hinzu gezogene Sachverständige aus dem Bezirksklinikum in Kutzenberg konnte dem jungen Mann nicht viele Ratschläge erteilen - zumal der junge Mann zwar nicht müde wurde zu betonen, dass er sich helfen lassen will, auf der anderen Seite aber mit seinem Drogenkonsum bislang nicht aufgehört hat.

Dramatische Situation

"Alkohol ist schlecht für ADHS", befand der Sachverständige, und Amtsrichter Förtsch sekundierte: "Wenn Sie weiter Gift zu sich nehmen, können wir Ihnen nicht helfen."
Das Schöffengericht war dennoch recht milde gestimmt, denn es verurteilte den Mann zu zehn Monaten Haft, setzte diese aber für drei Jahre zur Bewährung aus. "Sie hätten dauerhaft in der Psychiatrie landen können", führte Förtsch dem Angeklagten noch einmal die Dramatik der Situation vor Augen.
Der 21-Jährige bekommt nun deshalb auch einen Bewährungshelfer sowie einen Betreuer zur Seite gestellt.