Ganz allein schiebt sie einen rosa Puppenwagen über den Hof der Flüchtlingsunterkunft in der Unteren Kellerstraße. Hineingepackt ist dort kein Spielzeug, sondern sämtliche Habseligkeiten, die das fünfjährige Mädchen hat. Hallah ist mit ihrem Vater und ihrem Bruder unterwegs; sie sind am Bahnhof in München angekommen und mit 41 anderen von dort nach Forchheim gebracht worden.

In gebrochenem Englisch und einigen Wörtern Arabisch lassen sich einige Fakten eruieren. Die kleine Gruppe, die von Stefan Schick und seinen Helfern gerade in ein Zimmer einquartiert werden, kommt aus Syrien. Schick betreibt das Heim. Hallah wirkt müde und drängt sich auf einem Bett sitzend erst einmal ganz eng an ihren Vater.


Freundliche Geste

Doch dann fassen die Kinder Zutrauen zu den Menschen um sie herum. Dem älteren Bruder hat es die Kamera eines Fotografen angetan. Immer wieder linst er zu ihm hin. Der Fotograf will sie ihm zeigen. Doch scheu steht der Bub auf, als wäre die Neugier gefährlich für ihn.

Die freundliche Geste überzeugt ihn dann doch und er wagt es, selber auf den Auslöser zu drücken. Nur seine kleine Schwester erschrickt, weil er das Blitzlicht ausgelöst hat. Eine der ehrenamtlichen Helferinnen bringt für die Kinder drei kleine Plüschtiere. "Magst du eins? Du möchtest lieber ein Auto?", spricht sie einen größeren Jungen an. Raed ist elf Jahre alt und mit seinem Vater unterwegs. Zwei Familien mit kleinen Kindern - vermutlich aus dem afrikanischen Land Eritrea - sind auch unter den Ankömmlingen in Forchheim.


Große Hektik

Alle dürfen zuerst ihre Zimmer beziehen, dann soll es eine Mahlzeit geben und erst danach werden alle registriert. "In Ungarn bekamen wir kaum etwas zum Essen. Aber in München war es gut", berichtet ein weiterer Zimmergenosse.

Zur Ruhe kommen möchten alle, das lässt sich leicht von ihren Mienen ablesen. Aber die nächste Frage lautet: "Wie lange bleiben wir hier?" Einige Tage, so rechnet die Helferin. "Geplant ist, dass nach diesem Bus morgen und am Samstag weitere zwei kommen", sagt Haldun Yildirim. 150 Personen sollen es werden.
Seit vier Tage herrscht im Haus große Hektik. 105 bisherige Bewohner wurden mit Bussen oder ausgestattet mit Bahntickets über ganz Deutschland verteilt, nachdem sie in Forchheim registriert worden sind und das Gesundheitsamt ihren körperlichen Zustand überprüft hat. "Wir sind jetzt abrufbereit", sagt Yildirim um 13 Uhr. Etwa drei Stunden, bevor die Neuen kommen, soll er benachrichtigt werden.


Beschriftete Kartons

Dann, eine halbe Stunde später, ruft der Busfahrer an, er sei nun in Tennenlohe. Noch ein paar Betten sind zu überziehen, frisches Brot und zusätzliche Getränke zu holen.
Auch die Toiletten werden nochmal geputzt. Am Morgen haben Ehrenamtliche schon Kleidung und Schuhe vorbereitet, die Forchheimer wie Sabine Meyer spontan vorbeigebracht haben. In beschrifteten Kartons warten sie auf die Empfänger. Warme Sachen und Schuhe werden am meisten benötigt. "Man kann es sich nicht vorstellen, wie manche Menschen hier ankommen", sagt Yildirim und denkt an die Strapazen, die eine Familie meistern muss, die mit mehreren Kindern reist. Knapp eine Stunde nach Ankunft kehrt langsam etwas Ruhe ein.