"Sogar Bundeskanzlerin Merkel hat sich bei einem Staatsempfang die fränkische Tracht erklären lassen", berichtet Carolin Dörfler stolz. Ihre Großeltern, Kunigunda und Hans Dörfler, sind die Gründer des Trachtenvereins "D'Kreebauern". Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die fränkische Tracht im Bewusstsein der Menschen in Erinnerung zu halten - oder überhaupt erst zu zeigen, wie schön diese ist.

Vereinsmitglied Sabrina Stodolka bewunderte schon als Kind bei Umzügen die schönen Gewänder, die dort getragen wurden: "Ich wohne bei Hundshaupten. Da wird aber keine Tracht gepflegt. Deshalb bin ich hier Mitglied geworden." Ähnlich erging es auch anderen Mitgliedern.


Name erinnert an Vorfahren

Den Namen "D'Kreebauern" hat der Verein, weil die Väter, Großväter und Urgroßväter der Mitglieder Meerrettich - in Franken "Kreen" genannt - verkauft haben und dafür in der Region bekannt waren.

"In den letzten Jahren hat sich der Trend zur Tracht wiederbelebt", erzählt Dagmar Rosenbauer. "Klar, früher meinte man, dass Tracht nur was für alte Leute ist", wirft Carolin Dörfler ein. Durch das Tragen vom Dirndl bei diversen Oktoberfesten kam auch die fränkische Tracht wieder in Mode. "Das Dirndl war eigentlich das Werktagsgewand für Knechte und Mägde", informiert Dagmar Rosenbauer. Sie erzählt weiter, dass Prinzregent Luitpold dieses einfache Gewand modern machte und sich auch Reiche und Adelige in Tracht kleideten. "So entstand die Dirndlmode. Und dann begannen auch die Städter Dirndl zu tragen", erklärt Dagmar Rosenbauer.


Alles wird maßgeschneidert

Dirndl haben aber keinen Regionalcharakter und es fehle bei der Herstellung die Liebe zum Detail. "Bei uns wird alles nach Maß gemacht. Wir machen das selbst und es kostet etwas mehr", meint Michael Lindner. "Eigentlich nicht, denn das Gewand hält lange und sieht wunderschön aus", hält Dagmar Rosenbauer dagegen. Die Tracht hat sich im Laufe der Jahre verändert. In der Fränkischen Schweiz haben die alte Festtracht und die Nachfolgetracht parallel gelebt.

Im Verein gibt es eine Stickerin, eine Schneidermeisterin näht und Dagmar Rosenbauer stellt die wunderschönen Kronen her. Diese Brautkronen, die auch der "Hohe Kranz" heißen, sind etwa 25 Zentimeter hoch und bestehen aus einem Netzwerk aus goldfarbenen Drähten. An diesen sind Blättchen und Rosetten befestigt.

"Für eine Krone benötige ich etwa 430 Arbeitsstunden, denn ich muss etwa 3500 Messingplättchen mit der Hand befestigen", erzählt Dagmar Rosenbauer. Diese Kunst hat sie sich selbst beigebracht, weil sie eine solche Krone besitzen wollte. "Wenn man überlegt, dass die Leute die alten Kronen früher weggeworfen haben oder die Kinder damit Fußball spielten, dann ist das schon erschreckend", wirft der Erste Vorsitzende Reiner Dörfler ein. Früher wurde Carolin Dörfler von Schulkollegen ausgelacht, wenn sie Tracht trug. Dagmar Rosenbauer wurde sogar als "braune Socke" tituliert. Heutzutage ist das wieder anders.


Beim Besuch der Queen dabei

Trotzdem fehlt dem Verein Nachwuchs, denn viele ältere Mitglieder sind mittlerweile verstorben. Früher wurde die Trachtengruppe auch mehr eingesetzt, um das fränkische Brauchtum zu repräsentieren. "Mein Schwiegervater war bei Papst Johannes Paul dem Zweiten eingeladen und hat eine Urkunde bekommen", berichtet Reiner Dörfler stolz.

Seit 1959 nahmen "D'Kreebauern" jedes Jahr am Fürther Erntedankfestzug teil. 1965 waren sie beim Besuch von Königin Elisabeth in München vertreten oder 1990 beim Besuch von Ministerpräsident Alfons Goppel. Die Trachtengruppe ist auch beim Annafest zu sehen oder bei Fronleichnamsumzügen. Das jüngste Mitglied ist ein Jahr alt, das älteste 85 Jahre. Das jüngste Mitglied wird noch im Bollerwagen herumgefahren, hat aber schon eine Tracht daheim. "Es muss erst einen Meter groß sein, dann passt die Tracht", erklärt Michael Lindner. Neben dem Präsentieren von Traditionen wird im Verein aber noch gefeiert und es werden gemeinsame Ausflüge unternommen.


Mit Hans Dörfler hat im Jahr 1958 im "Roten Roß" alles angefangen

Carolin Dörfler kann sich noch gut an ihren Opa erinnern. Hans Dörfler hat gemeinsam mit seiner Frau Kunigunda den Verein "D'Kreenbauern" im Jahr 1958 im damaligen Vereinslokal "Rotes Roß" in Forchheim gegründet.
"In meiner Erinnerung sehe ich ihn mit der Schneiderkreide in der Hand vor Stoffen sitzen", erzählt Enkelin Carolin. Denn der Opa hat geschneidert und die Grundausstattung nach Bildern genäht. Im Vereinsheim "Schweizer Keller" in Forchheim-Reuth zeigt sie auf ein Bild ihrer Großeltern. "Und da sieht man, wie verschmitzt er immer geschaut hat", meint Zweiter Vorsitzender Michael Lindner. "Ja, er war immer lustig. Und seine Tracht hat er auch immer mit Stolz getragen", erzählt die Enkelin.

Die Vereinsmitglieder sind Hans Dörfler auch heute noch dankbar, dass er den Verein gegründet hat, denn alle sind begeistert von der fränkischen Tradition und besonders von den fränkischen Trachten. "Mein Opa hat immer versucht an Stoffe zu kommen, damit er Trachten nähen kann", erzählt Carolin Dörfler. "Und er war Trachtenberater in ganz Oberfranken", ergänzt Dagmar Rosenbauer.

Michael Lindner erinnert sich auch noch an Kunigunda Dörfler: "Die Kuni hat immer die kurze Tracht getragen. Sie hat doch in einer Spinnerei gearbeitet. Da hat sich der Firmenchef gewünscht, dass alle zum Jubiläum in fränkischer Tracht erscheinen."

Nach Hans Dörfler wurde Alfred Dörfler Vorsitzender des Vereins. Von ihm übernahm Schwiegersohn Reiner Dörfler das Amt. "Nachfolger von mir wird Benjamin Dörfler", meint der aktuelle Erste Vorsitzende. Karin Lindner wirft ein: "Warum nicht die Carolin, es könnte doch auch mal eine Frau Vorstand werden?" Antwort von Reiner Dörfler: "Nix, wir sind ein Traditionsverein."