Der 39-Jährige sitzt entspannt im Gerichtssaal. Seine Füße sind in Fußfesseln gelegt, seine Stimmung erstaunlich gut. Er scheint nicht sonderlich nervös zu sein, bevor die Verhandlung gegen ihn beginnt. Und kurz nach Verhandlungsbeginn ist auch klar warum: Der Mann aus dem Landkreis Forchheim ist kein unbeschriebenes Blatt, kennt die Situation vor Gericht zu stehen. Bereits zwölf Einträge umfasst sein Vorstrafenregister.

Die Anklage, von Staatsanwalt Markus Reznik verlesen, umfasst dabei elf Punkte. Zehn davon beziehen sich auf den Verkauf von kleinen Mengen Methamphetamin. Der elfte Anklagepunkt ist aber umfangreicher und kam erst später dazu; wegen den ersten zehn Fällen war es zur Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten gekommen - dort fanden die Beamten über fünf Kilo Haschisch und eine kleinere Menge Amphetamin.


Fünf Kilo Haschisch gelagert


Vor Gericht ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger Thomas Skapczyk erklären, dass die Anklagepunkte der Wahrheit entsprechen. Fünf Kilo hatte er in seiner Wohnung gelagert, "ein gutes Pfund hätte er zum Eigenkonsum abgezweigt", erklärte Skapozyk.

Als es zu den persönlichen Umständen des 39-Jährigen kommt, spricht er selbst. Er hat drei Kinder von drei verschiedenen Frauen. Auch in seinem Elternhaus gab es Suchtproblematiken, Mutter und Vater waren Alkoholiker. Nach der Scheidung der Eltern zog er mit dem Vater in den Landkreis Forchheim. Hier war er im Sportverein aktiv, begann eine handwerkliche Ausbildung. Doch damit begann auch das Suchtproblem des jungen Mannes. "Während der Ausbildung habe ich oft auf der Arbeit schon acht Bier gehabt", berichtet er. Aus dieser Zeit stammen auch einige seiner Vorstrafen. 1996 begann er straffällig zu werden, Waffenbesitz, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Beleidigung und später auch Betäubungsmittel und Trunkenheit im Verkehr stehen bei seinem Namen im Bundeszentralregister.

Der mittlerweile 39-Jährige berichtet, dass er seit er 21 ist täglich Crystal konsumiert. Er sei von Alkohol zum Rauschgift umgestiegen, da ihn der Alkohol aggressiv, die Drogen ihn eher ruhig gemacht haben. Eine Therapie hat der Mann aus dem Landkreis Forchheim bereits abgebrochen. "Das war 2006, da war ich mit dem Kopf noch nicht so weit", sagte er. Doch nun sei ihm bewusst, dass es so nicht weitergehen könne. Er hoffe darauf, dass er nun zu einer Therapie geschickt werde.


Psychische und physische Abhängigkeit


Christoph Mattern hatte dem Gericht ein ärztliches Gutachten erstellt. "Es gibt keine Hinweise auf eine Psychose", so Mattern, aber "eine psychische und physische Abhängigkeit von den Drogen" sei nicht von der Hand zu weisen. Selten sei es, dass jemand Opiate und Amphetamine nehme, denn die Opiate wirken beruhigend, die Amphetamine hingegen aufputschend. Der 39-Jährige habe "schon ein größeres psychologisches Päckchen abzuarbeiten", erklärte der Experte und empfahl dem Gericht daher, den 39-Jährigen für zwei Jahre im Maßregelvollzug unterzubringen.

In seinem Plädoyer forderte Staatsanwalt Reznik vier Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe. Er betonte, dass der Angeklagte weit mehr als eine geringe Menge besessen hatte. Um genau zu sein, 49 mal so viel als das, was als Obergrenze für eine geringe Menge definiert ist. Allerdings sprach Reznik sich dafür aus, dass der 39-Jährige in den Maßregelvollzug zur Therapie gebracht werde. Da dabei die Obergrenze bei zwei Jahren liegt, setzte er diese an. Als Vorwegvollzug beantragte er einen Monat.


Therapie als letzter Ausweg

Verteidiger Skapozyk eröffnete sein Plädoyer damit, dass er seinen Mandanten als "Glückspilz" bezeichnete, da es verwunderlich sei, dass er mit diesem Drogenkonsumverhalten noch lebe. Auch er sah, dass eine Therapie dringend notwendig ist und forderte die zwei Jahre Maßregelvollzug. "Zwei Jahre, in denen man kontinuierlich an sich arbeiten muss, ist eine verdammt lange Zeit", betonte er. Als Freiheitsstrafe beantragte er erwartungsgemäß etwas weniger als der Staatsanwalt, nämlich drei Jahre und acht Monate. Er plädierte dafür, auf den Vorwegvollzug zu verzichten.

Nach einer kurzen Unterbrechung der Verhandlung sprach der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt das Urteil: Der 39-jährige Mann aus dem Landkreis Forchheim wurde zu vier Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Er soll allerdings für die empfohlene Zeit von zwei Jahren in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. "Ich glaube, dem Angeklagten ist es schon so schlecht gegangen, dass er wirklich aus dem Sumpf raus will."