Wenn 31 Kinder "Aaahh" rufen, kann das alles mögliche bedeuten: Erstaunen, Ungläubigkeit und ein wenig Entsetzen. Von jedem war wohl etwas dabei, als Helmut Werner vom Fischereiverein Kleinsendelbach eine große durchsichtige Tüte holte und auf den Boden legte.

Kleine Fischchen bewegten sich dort in dem Wasser. Einige Stunden können die Fische darin überleben, weil reiner Sauerstoff im Wasser ist, sonst würden die Fische wohl in einer halben Stunde schlapp machen.
Blieb also noch das Erstaunen über die vielen kleinen Fische. Wie viele genau? - Das konnten die Kindergarten- und die Mittagskinder der Grundschule Kleinsendelbach nicht schätzen. Auch nicht, wie viele von den 3500 Bachforellen wohl nach einem Jahr noch in der Schwabach schwimmen werden.

Vermutlich nicht mehr als 50 bis 100, denn auch Fische hätten natürliche Feinde. Oder besser gesagt: Sie sind Nahrung für Vögel. Mit dem Projekt Fischbesatz in die Schwabach bringen, sensibilisiert die Jugendgruppe des Fischereivereins, begleitet von erwachsenen Fischern, die Kleinsten in der Gemeinde für die Natur. Zugleich sei das Projekt die jährliche Teilnahme am Artenschutzprogramm.


Im Januar geboren

Die Babybachforellen, die aus der Tüte in einen großen Bottich gewandert sind, sind bereits am 7. Januar in der Zuchtanstalt in Aufseß geschlüpft. "Wir setzen nur gefährdete Fischarten ein, die auf der Roten Liste stehen", erklärt Vereinsvorsitzender Jürgen Gierisch.

Grund für das Artenschutzprogramm ist, dass sich in den Gewässern wieder ein eigener Bestand bilden soll. Einfach nur ins Wasser werfen, warten, bis die Fische groß geworden sind und geangelt werden können - nein, das sei nicht die Aufgabe der Fischer. "Es gibt ein Schonmaß, das sind 30 Zentimeter", erklärt Josef Gierisch. Jeder Fisch muss sich also einmal fortpflanzen können, bevor er geangelt wird.

Wenn er nicht vorher von anderen Fischen oder Vögeln gefressen wird. "Für Vogelarten würde die Nahrungsgrundlage wegfallen", erklärt Werner. "Wir besetzen auch mit anderen Fischen, die zur Artenvielfalt zählen, aber nicht zum Fischen sind", erzählt Werner den Kindern.

Nicht alle kleinen Besucher hören alles, zu interessant sind die jungen Bachforellen, die von den Kindern in die Hand genommen werden dürfen. "Ich habe meine Hände schon nass gemacht", rufen die Mädchen und Jungen, denn sie sollten aufpassen, dass sie die Fische nur mit nassen Fingern berühren, damit keine Pilze an die Schleimhäute der Fische gelangen.

"Es ist schön, wenn sie so wegflitzen", sagt Katja und meint das Zappeln der Fische, die wieder ins Wasser wollen. Kilian Schuster, der Jungfischerkönig des Bezirks Oberfranken stand in Gummistiefeln am Rand der Schwabach bereit, den Kescher voller Bachforellen von Josef Gierisch entgegenzunehmen. Erwartungsvoll schauen die Kinder zu, wie die Fische in der Schwabach sofort davonschwimmen.

Erst vor drei Jahren wurde eine Elektrobefahrung in der Schwabach vom Bezirk Oberfranken durchgeführt, das Ergebnis: Der Bach sei fischleer. Bachforellen gab es gar keine mehr und nur einen ganz geringen Bestand an Kleinfischarten schwammen herum. Das zeige die Problematik auf, die es wohl nicht nur in der Schwabach gibt: Durch Wehre sind die Bäche so zerstückelt, dass die Fische nicht mehr bis zu den Laichen durchkommen.
Mit den Besatzmaßnahmen steuere der Fischereiverein dagegen und so können sich die Bachforellen in den offenen Bereichen doch fortpflanzen.