Mit einer Umfrage wollte Viktor Naumann, Leiter des Stadtmarketings, herausfinden, wie die Forchheimer Unternehmer zu den verkaufsoffenen Sonntagen stehen. Verschiedene Fraktionen hatten eine solche Umfrage gefordert.

Als in der letzten Stadtratssitzung vor Weihnachten die Ergebnisse präsentiert wurden, waren sich verschiedene Stadträte aber nicht sicher, wie ernst sie das Ergebnis nehmen sollten. "Das Ding ist hinten und vorne unaussagekräftig", fand zum Beispiel Sebastian Körber (FDP). Auch REP-Stadtrat Franz Noffke stellte die Umfrage in Frage.

Manfred Hümmer (FW) zählte gleich mehrere Gründe dafür auf, warum er das Ergebnis für nicht-repräsentativ hält: Der Rücklauf sei extrem gering gewesen, eine Branchensepezifikation fehle und er selbst habe mit verschiedenen Händlern in der Stadt gesprochen.


Ist die Umfrage aussagekräftig?

Die Diskussionen um die verkaufsoffenen Sonntage waren demnach trotz der Umfrage die gleichen wie in den Jahren zuvor. Die Freien Wähler forderten möglichst viele offene Sonntage, die SPD so wenig wie möglich - am liebsten gar keine.

Das Ergebnis der Umfrage, an der sich 76 Unternehmer beteiligt hatten, zeigte mit über 46 Prozent, dass eine Mehrheit für zwei verkaufsoffene Sonntage plädierte. Mehr als 31 Prozent waren für vier offene Sonntage wie in den Jahren zuvor und lediglich gut zehn Prozent wollten drei Sonntage.

Trotzdem standen im Beschlussvorschlag von Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) drei Sonntage. Der 6. März, der 6. November und der 27. November sollen es sein. "Dass nicht 2. Oktober oder am Muttertag geöffnet sein soll, ist klar", sagte Stumpf. Er selbst sei auch gegen den Palmsonntag. Würde sich das Gremium aber für vier verkaufsoffene Sonntage entscheiden, würde einer auf den Sonntag vor Ostern fallen.
Außerdem stand in der Beschlussvorlage, dass auch die Geschäfte, die nicht direkt in der Innenstadt liegen, wie zum Beispiel Obi, Globus oder das Möbelhaus Fischer, wieder an den verkaufsoffenen Sonntagen Kunden empfangen können.

Erwin Held (FW) plädierte erwartungsgemäß für vier verkaufsoffene Sonntage, die übrigens in Bayern die Obergrenze darstellen. "Wir sollten es den Geschäftsleuten offen lassen, ob sie zwei-, drei- oder viermal öffnen wollen", sagte er.

Sie persönlich sei für null verkaufsoffene Sonntage, sagte Anita Kern (SPD), würde sich aber der Umfrage anschließen. Sie verstand nicht, dass die Freien Wähler, nachdem sie diese Umfrage gefordert hatten, sie nun übergehen wollten.

Der Oberbürgermeister-Kandidat von CSU und JB, Ulrich Schürr, betonte, dass verkaufsoffene Sonntage immer einen Mehrwert für die Stadt hätten und somit auch Personengruppen in die Stadt gelockt würden, die sonst nicht kämen. Er sprach sich für drei Sonntage mit den außenliegenden Geschäften aus.

Der OB-Kandidat der SPD, Uwe Kirschstein, konnte dem nicht zustimmen. "Eine Förderung der Innenstadt und die Einbeziehung des gesamten Stadtgebiets widerspricht sich meiner Meinung nach", sagte er. Er warb außerdem für gemeinsame Öffnungszeiten innerhalb der Werbegemeinschaft. Zudem betonte er, wenn es schon verkaufsoffene Sonntage gebe, müsse man die Termine mit denen der umliegenden Gemeinden absprechen. Genau dies hat Werbegemeinschaftsvorsitzender Michael Csepai versucht. Nach der Stadtratssitzung zeigte er sich enttäuscht. Nach 18 Redebeiträgen war die Diskussion geschlossen worden und der Vorschlag von OB Stumpf mit 27 von 37 Stimmen angenommen worden.


Werbegemeinschaft will mehr

"Ich hatte mich für vier Sonntage eingestetzt", sagt Csepai, "ich finde es schade, dass wir den Vorsprung, den wir gegenüber Erlangen oder Bamberg mit den vier verkaufsoffenen Sonntagen hatten, so einfach aus der Hand gegeben haben."

Er betont, dass er selbst gerne etwas im Stadtrat gesagt hätte, denn die verkaufsoffenen Sonntage sind ihm ein Anliegen. "Dem Unternehmer steht es ja frei, ob er aufmacht oder nicht", sagt er, "wenn nicht alle Einzelhändler öffnen wollen, ist das ja kein Problem. Aber so wird die unternehmerische Freiheit beschnitten."

Er begrüßt aber die Entscheidung des Stadtrats, das gesamte Stadtgebiet wieder miteinzubeziehen und somit weiteren Unternehmern die Chance zu geben, ihre Häuser zu öffnen. Er findet es auch gut, dass die Unternehmer befragt wurden. Kritisch beurteilt er jedoch, wie die Auswertung aussah. Es sei schließlich nicht erkennbar gewesen, wer gefragt wurde. Auch die Tatsache, dass Handwerker (die am verkaufsoffenen Sonntag meist ohnehin nicht geöffnet haben) und Gastronomen (die an allen Sonntagen im Jahr geöffnet haben) befragt worden seien, konnte er nicht ganz nachvollziehen.

In diesem Jahr sei es schwierig gewesen, geeignete Tage zu finden, vor allem, weil ihm nur die Markttage zur Verfügung stehen und diese teilweise ungünstig gefallen seien. Für 2017 möchte Csepai auf jeden Fall wieder vier verkaufsoffene Sonntage beantragen.

Vorerst freut sich Michael Csepai aber darüber, dass der Stadtrat wenigstens die lange Einkaufsnacht am 11. Juni mit nur fünf Gegenstimmen durchwinkte.