"Höchstadt sehen und sterben!" Der Seufzer, der Martin Rassau und Volker Heißmann beim Anblick der Perle des Aischgrunds entwich, ist für die beiden Kabarettisten dennoch keine Option. Denn sie wollen wiederkommen.
Gut informiert über die Sehenswürdigkeiten der "Karpfenhochburg" zeigten sie sich bei ihrem Gastspiel in der Fortuna Kulturfabrik. Vielleicht weil - wie Mariechen dem Publikum verriet - ihr dritter Mann aus Höchstadt kam und Mitglied beim Skiclub war. Er sei nach Russland gegangen und nicht mehr wieder gekommen. 1954!
In rasantem Tempo folgten die Pointen Schlag auf Schlag: "Ich kann nicht mehr", schluchzte eine Besucherin im ausverkauften Saal. Der Skiclub hatte die beiden Komödianten aus Fürth angeheuert. Persönliche Kontakte mit dem Vorsitzenden Hubert Scheidel hatten das Gastspiel beim "Bratwurstclub" ermöglicht. Dafür hatten die beiden sogar ihren freien Montag geopfert. Auch wenn sie die Schwüle im Saal als "reinste Körperverletzung" empfanden.
Die Zuhörer auf der Galerie - "hinter Glas wie im Tiergarten" - sahen sie schon schwimmen und nach Luft schnappen. Jedenfalls würden sie Höchstadt nie vergessen, versicherten die beiden. Denn "am Montag um halba Siema" hätten sie in 30 Jahren ihrer Zusammenarbeit noch nie gespielt.


Günstige Kinderbetreuung

Zu dieser Zeit durfte sogar der jüngste im Saal, der siebenjährige Leo, mit. "Bist du freiwillig mit, oder musstest du?" Die Antwort überraschte nicht: "Ich musste", sagte Leo treuherzig. Wohl weil die Kinderbetreuung teurer gewesen wäre als der Eintritt, mutmaßte Rassau.
Das Publikum bog sich vor Lachen und wartete natürlich auf Waltraud und Mariechen, die aus dem Fernsehen bekannten schrillen Witwen. Ihren Dialogen verleiht nicht zuletzt der fränkische Dialekt besonderen Reiz. Missverständnisse sind da vorprogrammiert. Twittern und G'witter zu unterscheiden ist in diesem Idiom ebenso schwierig wie eine "Flatrate" zu erklären. Paarprobleme dürfen bei all den Blödeleien - Volker Heißmann nennt es Gschmarri - natürlich nicht fehlen. Beispielsweise wenn "Kennenlerntag" gefeiert werden muss und Stress vorprogrammiert ist. Oder wenn Heißmann zum "Love Coach" geht, um eine Frau kennenzulernen.
Nein, sie erheben keinen Anspruch darauf, "politische" Kabarettisten zu sein. "Wir wollen, dass Sie zwei Stunden ihre Sorgen vergessen." Das haben sie erreicht. Und Heißmann will wieder kommen, wenn die Sankt-Georgs-Kirche fertig ist. "Weihnachten", gibt Dekan Kemmer aus der ersten Reihe Bescheid. "Welches Weihnachten?", fragt Heißmann.