Das heiter-besinnliche Historienspiel, "Ich hab' mein Herz an Weisendorf verloren" lockte Hunderte von Besuchern in den Hof der Grundschule. Die Theatergruppe präsentierte zum Jubiläum 725 Jahre Markt Weisendorf, unterstützt vom Liederkranz und vom Posaunenchor, das Stück aus der Feder des Weisendorfers Lothar Lehmann.

Der Autor schrieb das Stück im Jahre 1994. Es handelt um die Geschehnisse in Weisendorf im Revolutionsjahr 1848 und um das Herz des damaligen Grundherrn Herrmann Freiherr von und zu Guttenberg, das in der Schlosskapelle ruht.


Der Traum von Amerika

Die begeisterten Zuschauer erhielten einen Einblick, wie die Menschen damals lebten, dachten und handelten. Viele Weisendorfer träumten damals von einer neuen Zukunft in den USA. Weisendorf wurde zu dieser Zeit überwiegend vom Gutsherrn von und zu Guttenberg (Rainer Cittrich) regiert, er hatte die meisten Stimmen in der Gemeindeversammlung.

Für die Amtsgeschäfte und als Richter diente ihm der Gutsverwalter Georg Christian Raab (dargestellt von Paul Fahrian), der Anklagen und Urteile nach den Wünschen des Gutsherrn verfasste. Die Leute lebten in bitterer Armut und mussten Abgaben an den Gutsherrn entrichten. Besonders schwer hatte es Johann (Hans) Seeberger (Volker Schuster), der seine Frau Elisabeth (Elisabeth Ort) und gleich sieben Kinder ernähren musste. Also klaute er aus der Zehntscheune zehn Kartoffeln und Holz aus dem Schlosspark, um die hungrigen Mäuler stopfen zu können. Dabei kam ihm natürlich der Gutsverwalter auf die Schliche und verurteilte ihn gleich zu einer Strafzahlung.

Zu allem Überfluss verliebte sich Kuni, die Tochter des Lumpensammlers und Schneiderin im Schloss in den Sohn (Eduard) des Verwalters. Glücklicherweise wendete sich dann doch noch alles zum Guten, die Revolution spielte dem verliebten Paar in die Hände.

Als es in Franken zu Aufständen kam, griffen auch die Weisendorfer zu Gabel, Keulen, Dreschflegeln und Holzprügeln. sowie sonstigen Waffen. In der Nacht vom 13. auf 14. März 1848 stürmten die Aufständischen schließlich das Schloss. Die Rebellen hatten ursprünglich geplant, das Schloss niederzubrennen und den verhassten Gutsverwalter aufzuhängen. Dies konnte der schlaue Müllermeister und Bürgermeister Johann Faatz (Alexander Tritthart) und die Gemeinderäte Schmiedemeister Gregor Meyd (Klaus Neudecker), Maurermeister Adam Schmerler (Klaus Gerstendörfer), Gastwirt Michael Winter (Klaus Gerstendörfer) und Wirtin Katharina Stürmer (Manuela Butzbacher) geschickt verhindern. Bürgermeister und Gemeinderat mischten sich unter die Aufständischen und nutzten die Gunst der Stunde, vereinbarten den Baron zu schonen und den Verwalter zu hängen.


"Mittelalterliche Zustände"

Schließlich trug Bürgermeister Faatz die Sorgen und Nöte der Weisendorfer dem königlich bayerischen Landrichter Metschnabl (Hans Kreiner) vor. Der war entsetzt und verurteilte die Weisendorfer mittelalterlichen Zustände. Bei den harten Worten des Richters lenkte letztendlich auch der Verwalter ein, er wollte den Posten des Landrichters übernehmen. Schließlich wollte der Landrichter der neue Weisendorfer Bürgermeister werden, damit wurde wieder eine Verbindung zur heutigen Zeit hergestellt. "Wie sind frei, jubelten die Weisendorfer", als der die Zustände anprangerte und auch der Gutsherr nachgab.

Letztendlich zeigte sich der Gutsherr gnädig, die Bauern durften wieder die Streu aus dem Wald holen, ihre Gänse auf den abgeernteten Feldern hüten. Alles in allem war es eine sehr gelungene Darstellung, da zum einen die ursprünglichen Namen verwendet wurden und zum anderen Weisendorfer Geschehnisse in die Handlung einflossen.