Ein mögliches Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Höchstadt muss kein Wunschdenken bleiben. "Wir werden weiter an dem Projekt arbeiten", verspricht Bürgermeister Gerald Brehm (JL) in der Stadtratsitzung am Montag. Dass Höchstadt von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB) nicht als Standort für eine Bereitschaftspraxis berücksichtigt wird, will er so nicht hinnehmen. "Es ist vollkommen unakzeptabel, dass die Bürger nach Erlangen oder Forchheim fahren müssen", betont er.

Die Lösung für eine fehlende Bereitschaftspraxis könnte ein MVZ mit Allgemeinmedizinern sein, das in Höchstadt entstehen könnte. Brehm schwebt ein konkretes Konzept vor: Zum einen soll das MVZ den Bedarf nach einer Bereitschaftspraxis abdecken. Zum anderen könne mit dem Pilotprojekt ein drohender Hausarztmangel verhindert werden.


Antrag der CSU im März

Um dem Allgemeinarztmangel rechtzeitig vorzubeugen, hatte die CSU-Fraktion im Stadtrat im März die "Überprüfung der Machbarkeit und gegebenenfalls Schaffung eines medizinischen Versorgungszentrums" in Höchstadt beantragt.

Bei einem Gespräch mit Landrat Alexander Tritthart (CSU), Albert Prickarz, Verwaltungsleiter des Krankenhauses und Vertretern der KVB, wurden Möglichkeiten zur Gesundheitsversorgung erörtert. Als nächsten Schritt soll die Verwaltung ein nachhaltiges Gesundheitskonzept im Raum Höchstadt erarbeiten. Das haben die Stadträte in der Sitzung am Montag einstimmig beschlossen.


MVZ Eckental als Vorbild

Als Vorbildmodell für ein mögliches MVZ in Höchstadt könnte laut Brehm das MVZ in Eckental dienen, das an das Uniklinikum Erlangen angegliedert ist. Aus dem Umfeld der Universität habe man Bereitschaft signalisiert, dass eine Trägerschaft denkbar sei, sagt Brehm.

Mit Fördermöglichkeiten wolle Höchstadt auch junge Ärzte anlocken. Von staatlicher Seite soll der ländliche Raum gefördert werden, erklärt Brehm. So könne beispielsweise der Numerus Clausus etwas gesenkt werden, wenn sich junge Mediziner verpflichten, aufs Land zu gehen. Ebenso könne man ihnen die Wartezeit aufs Studium verkürzen. Die Stadt könne das Projekt mit einer guten Infrastruktur oder bezahlbaren Wohnungen fördern.

Idealerweise, so Brehm, sollte ein künftiges MVZ im Umfeld von Krankenhaus und Gesundheitszentrum entstehen. Als Standort würde sich beispielsweise die leerstehende Galster-Villa anbieten. "So ist alles in unmittelbarer Nähe", betont Brehm.


Vor- und Nachteile Galster-Villa

Ein MVZ zu schaffen, in dem Bereitschaftsdienste übernommen werden können, stößt bei CSU-Vorsitzendem Alexander Schulz auf Zustimmung. Ein MVZ in der Galster-Villa habe durchaus Vorteile: "Durch die Nähe zum Krankenhaus können Synergieeffekte genutzt werden", sagt Schulz auf Nachfrage des FT.

Um die Galster-Villa in ein barrierefreies MVZ umzubauen, müsse jedoch viel Geld in die Hand genommen werden. "Wir sprechen hier von einigen Millionen", betont Schulz. Schließlich müsse die Villa erst vom Landkreis abgekauft und dann umgebaut werden. Deshalb müsse zunächst mit Fachleuten geklärt werden, ob ein Umbau überhaupt sinnvoll ist. "Ich bin skeptisch, ob das Gebäude tatsächlich zu einem vernünftigen Preis umzubauen wäre." Schulz könne sich als Alternative zur Galster-Villa einen Neubau in einem Mischgebiet, wie im Bereich der Großen Bauerngasse vorstellen. "Wichtig sind eine gute Erreichbarkeit und genügend Parkplätze", sagt er. Ohnehin sei die Überlegung nach einem Standort abhängig von einem Kooperationspartner, "der sich den Hut aufsetzt".

Der Landrat sei für Gespräche mit möglichen Investoren offen, berichtet Pressesprecherin Hannah Reuter. Bis jetzt sei aber noch niemand auf den Landrat zugekommen.