So mancher Höchstadter traute dieser Tage seinen Augen nicht. Rannte doch ein leibhaftiges Wildschwein quer über den Schlossberg, schreckte dann Passanten in der Großen Bauerngasse, streifte einen Mercedes, bog in den Schäfergraben ab und konnte schließlich in einer Umzäunung am ASV-Sportgelände von der Polizei gestellt und durch gezielte Schüsse erlegt werden.

Wildschweine sind in den Wäldern und Fluren um Höchstadt schon längst keine Seltenheit mehr, sondern zu einer echten Plage geworden. Droht das Schwarzwild, das keine natürlichen Feinde hat, nun auch in die bewohnten Gebiete des Aischgrunds einzufallen? Müssen die Bürger gar Angst vor Wildschwein-Attacken haben?

"Wildschweine gehen normalerweise nicht auf Menschen zu", sagt Peter Pröbstle, Leiter des Forstamtes Erlangen. Der auch für die Höchstadter Waldgebiete Birkach und Grethelmark zuständige Forstamtsleiter warnt aber davor, Wildschweine zu füttern.

Das Exemplar, das die Höchstadter Innenstadt unsicher machte, war so aufgebracht, dass es vom hinzu gerufenen Jagdpächter und den Polizeibeamten als ernste Gefahr eingestuft wurde. "Es war total verrückt", berichtet Höchstadts stellvertretender Polizeichef Gerhard Backert. Etwa eine halbe Stunde hat der Polizeieinsatz gedauert.

Näher an die Bebauung

Solange die Population weiter steigt, werden immer mehr Wildschweine an die Bebauung rankommen und auch Wiesen und Gärten unsicher machen, fürchtet Forstmann Pröbstle. Wundern brauche man sich darüber nicht, werden doch die Lebensbedingungen für Wildschweine in unseren Breiten immer besser. Durch die milden Winter werden mehr Nachkommen geboren als früher und dann ist auch noch der Esstisch reichlich gedeckt.
Jetzt im Winter pflügen sie auf der Suche nach tierischem Eiweiß ganze Wiesen um, fressen Engerlinge, Würmer, jagen aber auch Maulwürfe und Mäuse. Pröbstle: "Da sind sie auch sehr erfolgreich." Im Sommer greifen Wildschweine beim Getreide zu und fressen jede Art von pflanzlicher Nahrung.

Davon kann der Saltendorfer Landwirt und Jagdpächter Jürgen Peßler ein Lied singen. "Die fressen schon nach der Saat die Körner aus der Erde", klagt Peßler. Im Mais und im Getreide richten sie riesige Schäden an. Die recht intelligenten Wildschweine, die eigentlich nachtaktiv sind, nutzen dabei Maisfelder als Deckung und tummeln sich inzwischen auch tagsüber ungestört mitten drin. Der Saltendorfer Jagdpächter Josef Bessler hat schon beobachtet, wie ältere Wildschweine an den Rändern von Maisfeldern Schmiere stehen und bei Gefahr in Verzug ihre Artgenossen warnen.

Die Jagd auf Wildschweine ist nicht gerade einfach. In der Regel wird nachts geschossen, am besten bei Mondlicht und schneebedeckter Landschaft. Dann sind die Tiere relativ gut auszumachen. Nur wird es mit dem Schnee immer weniger. Helfen könnte bei der Jagd auf Wildschweine der Einsatz von Nachtsichtgeräten. Die sind zwar derzeit noch verboten, allerdings wird darüber inzwischen heftig diskutiert. Laut Forstamtsleiter Pröbstle werde das Verbot aktuell auf Behördenebene überprüft.

Noch hundert sind unterwegs

Jagdpächter Peßler berichtet von erfolgreichen, Revier übergreifenden Drückjagden im Gebiet zwischen Zentbechhofen, Aisch und Lauf. Allein von Anfang Dezember bis Mitte Januar habe man in diesem relativ kleinen Gebiet rund hundert Wildschweine geschossen. Peßler schätzt, dass dort noch weitere hundert unterwegs sind.
Sie verstecken sich tagsüber in den Wäldern, wo sie unter immer mehr Laubbäumen ideale Deckung finden. In der Dämmerung machen sie sich auf und richten Schaden an. "Sie sind extrem schlau und lernfähig", stellt Peßler immer wieder fest.

Einen einfachen Vorschlag zur Bekämpfung hat Forstamtsleiter Pröbstle parat: "Die Leute sollten einfach mehr Wildschwein essen." Jäger und Jagdpächter helfen bei der Beschaffung.