Was so ein EU-Bericht nicht alles auslösen kann. Helle Aufregung herrschte Donnerstagvormittag in der Pressestelle des Landratsamts Neustadt/Aisch Bad Windsheim, das Telefon von Pressesprecher Günter Püschel klingelte fast ununterbrochen. Der EU-Badegewässer-Bericht 2012 hatte den Freizeitsee bei Schornweisach - Ortsteil von Uehlfeld - in seiner Übersicht deutscher Binnen-und Küstenbadestellen mit "mangelhaft" bewertet.
Lediglich 15 der 2310 geprüften Badeplätze erreichten die EU-Mindestnormen nicht. Ausgerechnet das beliebte Freizeitziel in Schornweisach soll darunter sein.

"Gar nichts zu befürchten", winkt Püschel ab. Zwei Wasserproben aus diesem Jahr hätten zuerst "gute" und dann sogar "ausgezeichnete" Wasserqualität im beanstandeten See ergeben. Des Rätsels Lösung ist einfach. In den EU-Bericht fließen die Prüfergebnisse der letzten vier Jahre ein.

Letztes Jahr hatte es wegen eines Starkregens, der jede Menge Unrat aus den benachbarten Äckern, Wiesen und sogar von einem mehrere Kilometer entfernten Klärwerk einschwemmte, ein zeitweiliges Badeverbot wegen verunreinigten Wassers in Schornweisach gegeben. Die Nachwirkungen dieses Naturereignisses seien aber "inzwischen längst beseitigt und das Wasser wieder tipptopp in Ordnung". Geprüft wurde das vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen, das auch weiter seinen Augenmerk auf dieses und andere Badegewässer legt. Während der Badesaison von 15.Mai bis 15.September werden jeden Monat Proben entnommen. Im Wasserlabor des LGL werden sie mikrobiologisch untersucht und ausgewertet.
Badegäste vom Donnerstag ließen sich von den auch im Rundfunk verbreiteten Warnungen nicht abschrecken. Hildegard und Werner Hug aus Scheinfeld trafen dort ihren alten Bekannten Bernd Neumann aus Mühlhausen - wie so oft in den vergangenen Jahren. Sie haben sich am Schornweisacher See kennengelernt und alle drei baden regelmäßig dort.

Urlaubsersatz


"Wir lassen uns doch von so einer Horrormeldung nicht abschrecken", zeigen sie sich eisern. "Hier ist es so schön - das ist fast wie Urlaub. Außerdem - wir trinken das Wasser ja nicht und zum Schwimmen und Abkühlen reicht es aus." Sorgen brauchen sie sich laut der aktuellen Testergebnisse aus Erlangen nicht zu machen.
Sorglos die Freizeiten des Dekanats Markt Einersheim abhalten können nun auch die jungen Leute, die sich dort schon angemeldet haben oder noch anmelden wollen. Bis Mitte Juni sind dort zwei Freizeiten für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren geplant. Da wäre es natürlich schwierig gewesen, die Jungspunde vom Sprung ins kühle Nass abzuhalten - Badeverbot hin oder her. Doch sollen solche Überlegungen nach der zuversichtlichen Aussage des Landratsamtes nicht mehr nötig sein.

"Wie wir reagiert hätten, falls die EU-Aussage tatsächlich noch aktuell gewesen wäre - ob lediglich mit Badeverbot oder mit anderen Maßnahmen - ist Spekulation", sagt Uehlfelds Bürgermeister Werner Stöcker (CSU).