Blenden wir gleich zu Beginn zwei Jahre zurück: Im Sommer 2012 traten 27 junge Pflegekräfte aus Spanien ihren Dienst an den Erlanger Universitätskliniken an. Unter ihnen auch die damals 29-jährige Luz Ramos Trapero. Die 27 Spanier waren unter 1000 Bewerbungen ausgesucht worden. Die Erlanger Klinikleitung hatte eigens Anzeigen vor Ort geschaltet. Hintergrund der Aktion: Der Mangel an Pflegepersonal in Franken.

In Spanien dagegen gab es für die gut ausgebildeten Pflegefachkräfte keine Arbeit. Im Interview erklärte Luz Ramos damals, es habe immer wieder mal Aushilfsjobs gegeben, mal Arbeit für einen Monat, das war's dann. Für junge Leute keine Zukunftsperspektive.

Heimweh und Sprachhürden

Anders in Erlangen. Hier wartete ein unbefristeter Arbeitsvertrag auf den, der die Sprachhürden überwinden konnte. Das konnten die Spanier im Verlauf eines Jahres alle. Wenn auch die ersten Monate für die meisten nicht leicht waren. Viele plagte Heimweh. Auch Luz Ramos, die das schöne Córdoba in Andalusien verlassen hatte, wo ihre Eltern und ihre Geschwister lebten. In ihrer Erlanger Wohnung erinnerte ein großes Poster von Córdoba in ihrem Wohnzimmer an die angestammte Heimat.

Was ist in der Zwischenzeit aus der jungen Frau geworden? Anders als einige ihrer spanischen Kollegen ist sie in Franken geblieben. Und sie hat richtig gut Fuß fassen können. Ihr Deutsch ist nahezu perfekt, mit einem leicht-südlichen aber durchaus sympathischen Akzent. Wir besuchen sie in Veitsbronn, einer Gemeinde im Landkreis Fürth, in der sie inzwischen mit ihrem Mann wohnt. Den, einen Österreicher, hat sie in einem Fitness-Studio auf Mallorca kennengelernt, erzählt sie. Früher immer auf Jobsuche, arbeitete sie auch einmal für kurze Zeit auf diversen spanischen Inseln als Pflegekraft.

Das Paar hat inzwischen nicht nur geheiratet, im Januar kam auch Nachwuchs zur Welt. Der inzwischen knapp sechs Monate alte Alexander ist von der Nationalität her zwar mit doppelter Staatsbürgerschaft sowohl Spanier als auch Österreicher, gleichwohl ein gebürtiger Franke. Das Haus, in dem sie wohnen, haben die Eheleute gekauft, sie sind in Franken richtig sesshaft geworden. Luz Ramos fühlt sich wohl in Veitsbronn und will hier auch so schnell nicht mehr weg.

Die Hälfte blieb in Franken

Von den 27 Spaniern, die vor zwei Jahren nach Franken kamen, ist wie Luz gut die Hälfte in der Region geblieben. Einige zog es nach England, wo sie Arbeit fanden, oder auch nach Australien. Lebensmittelpunkt für Luz Ramos ist natürlich inzwischen ihr kleiner Alexander. Auf den ist sie genau so stolz wie die spanische Großmutter. Die kann den Kleinen zwar nicht so häufig sehen, aber es wird nahezu täglich telefoniert. Ende Juli kommen die Eltern aus Córdoba, verbringen ihren Urlaub im Fränkischen. Da kann die Großmutter ihren Enkel verwöhnen und der Vater von Luz will einen kleinen Gemüsegarten für die junge Familie anlegen.Umgekehrt war man auch schon zweimal zu Besuch in Córdoba. Dank der guten Flugverbindung zwischen Nürnberg und Malaga kein großes Problem.

Was das Essen betrifft, hat sich die Spanierin inzwischen ebenfalls an fränkische Kost gewöhnt. Ein Schäuferla ist zwar nicht gerade ihr Leibgericht, aber Bratwürste mit Sauerkraut weiß sie inzwischen sehr zu schätzen. Ihre Leidenschaft für Fisch hat die Spanierin aber nicht aufgegeben. Frischen Meeresfisch hat sie noch vor zwei Jahren schmerzlich vermisst. Inzwischen verfügt sie über eine Bezugsquelle in Nürnberg und fühlt sich so auch in kulinarischer Hinsicht heimisch.

In einem halben Jahr, wenn ihr Alexander ein Jahr alt ist, wird Luz Ramos wieder auf der Intensivstation der Erlanger Uniklinik arbeiten. Vorher, beim Mitarbeiterfest im Juli, will sie den Kollegen zum ersten Mal ihren Kleinen präsentieren. Die inzwischen 31-Jährige blickt voller Optimismus in die Zukunft. Und erklärt in schönstem Fränkisch: "Passt scho".