Beim evangelischen Posaunenchor Weisendorf geht eine Ära zu Ende, denn nach unglaublichen 57 Jahren als Chorleiter übergibt Dieter Schmerler den Taktstock in jüngere Hände. Ein bedauerndes Raunen ging beim Frühjahrskonzert durch die dichten Zuschauerreihen, als Schmerler erklärte, dass dies sein letztes Konzert ist. Der Abschied von der Bühne fiel ihm sichtlich schwer. Dabei wurde deutlich, wie wertvoll die gemeinsame Zeit für die Chormitglieder und ihren scheidenden Leiter war und was dieser in all den Jahren geleistet hat. Die Emotionen kamen von Herzen, das konnte auch das Publikum spüren.

Dieter Schmerler hatte zwar auf einen "stillen Rückzug" gehofft, doch so einfach ließ ihn sein Chor nicht gehen, da er als Chorleiter viel zu stark mit den Bläserinnen und Bläsern verbunden ist. So musste er die emotionalen Momente des Abschied -Nehmens wohl oder übel über sich ergehen lassen. Den Posaunenchor wird künftig die junge Katrin Schmerler leiten, die schon sehr erfolgreich die Jungbläser ausbildet.

Im Programmheft würdigten die Chormitglieder das langjährige Wirken ihres Leiters, das im Alter von 15 Jahren begann. Mit: "Es begann 1961, und der Posaunenchor wurde unter der Leitung von Dieter Schmerler gegründet. Heute - mit 72 Jahren, blickt er sage und schreibe auf 57 Jahre Chorleitertätigkeit zurück, und das ist wohl hierzulande einzigartig", erinnerten die Chormitglieder an das Wirken von Schmerler.


Der Chor sagt Danke

Viel Treue, Fleiß und Schweiß sowie viele Stunden Freizeit wurden in diesen 57 Jahren investiert. Über 200 Kindern und Jugendlichen hat er in dieser Zeit das Spielen von Trompete, Tenorhorn und Posaune beigebracht. "Ein Grund, heute einmal danke zu sagen", hieß es bei den Musikern. "Danke für die unermüdliche Organisation, Geduld und Mühe, die du dir mit uns in dieser Zeit gemacht hast. Dein Posaunenchor Weisendorf."

Unter dem eher schlichten Titel "Konzert" und dem gewohnt hohen Niveau boten die Bläser bei ihrem zweiteiligen Frühjahrskonzert einen musikalischen Einblick in die Vielseitigkeit von Chorälen sowie konzertanter Bläsermusik bis hin zu modernen Stücken zeitgenössischer Komponisten. Natürlich durften dabei auch Märsche und Stücke von Ernst Mosch nicht fehlen, und das Ensemble präsentierte sich einmal mehr in glänzender Spiellaune.

Dahinter stecken Fleiß, Einsatz und Begeisterung. Nach den Worten von Dieter Schmerler gibt es keine schlechten Chöre, höchstens schlechte Chorleiter. So war er all die Jahre nicht nur "Chorleiter", sondern schreibt neben den Proben auch Klavierstücke für Blasinstrumente um und sorgt damit für Abwechslung zur üblichen Kirchenmusik. So ist es zu verstehen, dass die Musik des Weisendorfer Posaunenchors immer frisch und lebendig klingt. In der Mehrzweckhalle nahm der Chor die Freunde der Kirchen- und Bläsermusik auf eine musikalische Reise durch verschiedene Epochen und Stile der Musik mit.

Den Einstieg in einen unterhaltsamen Abend machten unter der gekonnten Moderation von Silke Kraus die Musiker mit "The Prince of Denmark's March" von Jeremiah Clarks. Dazu passend das "Credo" von Haydn, und dem klassischen Bereich zuzuordnen waren auch die "Suite" von Jean Joseph Mouret, einem der führenden Exponenten der Barockmusik, und weitere Stücke von Haydn, Haffner und Nonnemann sowie die Fanfare "Spirit of Brass", die von German-Brass-Gründer Enrique Crespo komponiert wurde. Aber auch "Sonne der Gerechtigkeit" von Haffner und das Stück "Die Gott lieben werden sein wie die Sonne" drückten mit ihren begeisternden Passagen aus, dass es den Posaunenbläsern vor allem auch um das Lob Gottes geht.

Der zweite Teil des Abends ließ die begeisterten Besucher, darunter Landrat Alexander Tritthart (CSU), die drei Bürgermeister Heinrich Süß (UWG), Karl-Heinz Hertlein und Angelika Tritthart (beide CSU) sowie Altlandrat Eberhard Irlinger, mitwippen und mitklatschen. Denn bei Stücken wie dem "Colonel Bogey-Marsch", "Der alte Jägermarsch" und "Sterne der Heimat" sowie Stücken aus dem Egerland aus der Feder von Ernst Mosch geht das Herz der Blasmusikfreunde auf, und sie können nicht mehr Stillsitzen. Dazu gab es noch mit dem jungen Trompeter Michael Ströbel einem ausgezeichneten und spielfreudigen Solisten, der das Publikum zu donnerndem Applaus und Bravo-Rufen animierte. Bei den letzten Stücken standen die Besucher dann sowieso und am Ende mit dem obligatorischem "Fliegermarsch" dankte das Publikum den Bläsern für das hervorragende Konzert und Dieter Schmerler für sein jahrzehntelanges Engagement.