Michaela Weishaupt und Frank Neuner lassen ihren Blick über die Wiesen schweifen. Außer dem Zwitschern der Vögel ist es ruhig, die Blätter rascheln im Wind. Hier, im Wachenrother Ortsteil Warmersdorf, Stangenlohe 19, will sich das Paar ein Erdhügelhaus bauen, oft "Hobbit-Haus" genannt. Denn die kleinen Hobbits der Fantasy-Reihe "Der Herr der Ringe" leben genau in solchen hügeligen Behausungen.

Da, wo einmal das Erdhügelhaus stehen soll, liegt bis jetzt nur eine brache Wiese. Eigentlich sollte es im Frühjahr 2018 mit dem Bauen losgehen. Doch das Landratsamt machte den beiden einen Strich durch die Rechnung, denn das Hobbit-Haus weicht in fünf einzelnen Punkten vom Bebauungsplan ab.


Bebauungsplan wurde geändert

Der Bebauungsplan musste geändert werden. Doch das braucht seine Zeit, Michaela Weishaupt und Frank Neuner mussten sich gedulden. Dabei haben die Gemeinderäte den Bauantrag des Projekts zweimal gebilligt - sogar einstimmig. "Die Gemeinde war total offen für das Haus", erzählt Weishaupt.
In der Gemeinde ist man schon gespannt auf das ungewöhnliche Wohnhaus. Thomas Schuberth, Bauamtsleiter der Gemeinde Wachenroth, berichtet, dass seit Anfang Juni bis Anfang Juli der geänderte Bebauungsplan in der Gemeinde ausliege. In dieser Zeit könnten beispielsweise Anwohner, das Wasserwirtschaftsamt oder das Landratsamt Einwände gegen den Bebauungsplan erheben.

"Bei schnellem beziehungsweise positivem Verlauf des Änderungsverfahrens zum Baugebiet Stangenlohe wäre ein Bau theoretisch sogar heuer noch möglich", sagt Schuberth. Schwierig sei es dann nur, so kurzfristig eine Baufirma zu organisieren. Mit der Änderung des Bebauungsplanes sollten Einschränkungen gelockert werden. "Ziel der Änderung war, modernere Baustile zuzulassen", sagt Schuberth.

Unter den Baugebieten der Gemeinde zählt das in Stangenlohe zu den günstigeren. Trotzdem standen die Bauplätze lange Zeit leer. Seit 1998 ist das Baugebiet Stangenlohe ausgeschrieben. Grüne Wiesen, frische Luft und ein unverbauter Blick lassen jeden Naturliebhaber aufhorchen. Doch vielen scheint es dort etwas zu ruhig zu sein. "Stangenlohe ist nicht der Nabel der Welt", sagt Schuberth.

Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Der Bauboom sorgte für mehr Anfragen. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe die Gemeinde fünf Grundstücke verkauft. Langsam füllen sich die Bauplätze mit Häusern. Die Käufer kommen fast alle aus der Gemeinde Wachenroth, so Schuberth. Fünf von 19 Grundstücken sind momentan noch frei. Zu der größeren Nachfrage habe wohl auch der Ringschluss der Straße im Jahr 2016 beigetragen, vermutet Schuberth.


Haus steht am Hang

Das Erdhügelhaus wird an ein Eckgrundstück gebaut, nach Süden und Westen wird es frei stehen. Sechs Prozent Neigung hat das Baugrundstück, das sich das Paar hat reservieren lassen. In diesen Hang wollen Weishaupt und Neuner das Erdhaus mit 120 Quadratmetern bauen. Das Besondere: Es gibt nur eine Südfassade, die aus der Erde lugt. Die Wohnfläche verschwindet unter der Grasnarbe.

"Die Nachbarn haben sich gefreut, dass wir ihre Aussicht nicht verbauen", sagt Neuner. Umgekehrt ist es den Erdhügelhaus-Bauern ebenso wichtig, dass ihre Aussicht durch nichts verbaut wird, schließlich soll durch die Südfassade möglichst viel Licht fallen. Dafür ist garantiert, die Wiesen, die sich südlich des Hauses befinden, sind zu sumpfig, um bebaut zu werden.

Im Frühjahr 2019 wollen Weishaupt und Neuner mit den Bauarbeiten starten, ein halbes Jahr planen sie dafür ein. "Wir wollen dabei viel selbst machen", erklärt Neuner. Der 45-Jährige ist gelernter Landschaftsgärtner, er besitzt das nötige Fachwissen für solch ein Projekt. Einen Architekten haben sie bereits gefunden. Nun sucht das Paar nach Baufirmen, die ihren Traum in die Tat umsetzen.
Drei Grundstücke liegen neben dem künftigen Hobbit-Haus, zwei davon sind noch frei. "Vielleicht kommen neben uns ja noch ein paar Erdhügelhäuser dazu", sagt Weishaupt. Dann könnte aus dem Hobbit-Haus eine ganze Siedlung werden.