Ungemütlich frostig war es am frühen Mittwochnachmittag vor dem Hauptportal des Schaeffler-Werkes in Höchstadt - aber nur, was das Wetter betraf. Die IG Metall hatte zum Warnstreik aufgerufen und es waren wohl über hundert Mitarbeiter, die sich vor dem Tor versammelten, um den Forderungen für die bevorstehenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen.

Der als Hauptredner eingeplante Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Jürgen Wechsler, war im Stau auf der Autobahn stecken geblieben. Dafür fasste Roland Holler, Betriebsratsvorsitzender der knapp 1600 Schaeffler-Mitarbeiter in Höchstadt, die Forderungen auch seiner Belegschaft zusammen: "Wir brauchen wieder ein Langzeitkonto und eine Teilzeitlösung für die Weiterbildung."

Früher habe es ein Arbeitszeitkonto gegeben, auf dem die Mitarbeiter Überstunden ansammeln und am Ende ihres Arbeitslebens abfeiern durften. Dadurch konnte mancher Kollege ein Jahr eher in Rente gehen. Dieses Langzeitkonto sei bei Schaeffler 2009 eingefroren worden. Es jetzt wieder zu beleben, sei eine der Hauptforderungen der Gewerkschaft, sagte der Betriebsratsvorsitzende Holler.

Auch die junge Generation stehe hinter dem Langzeitkonto
Auch die junge Generation stehe hinter dem Langzeitkonto, erklärte Karin Burkard, Betriebsrätin für die Auszubildenden im Höchstadter Werk. Zweite Forderung sei die Freistellung für Weiterbildung. "Das sollte tariflich festgelegt werden", sagte die engagierte junge Belegschaftsvertreterin.

Roland Holler erinnerte im Gespräch mit unserer Zeitung beispielsweise an die Techniker-Ausbildung, die sich in Teilzeit über vier Jahre erstrecke. Bei einem 18-Schicht-Betrieb im Monat mit Samstagsarbeit würden die zehn Tage Bildungsurlaub, die es aktuell gibt, nicht reichen. Deshalb fordere man eine Teilzeitlösung für die Weiterbildung.

Karin Burkard sprach von einem steigenden Leistungsdruck, vor dem die Alters- und Bildungsteilzeit gerechtfertigt sei. Beides gebe es aber nur im Gesamtpaket mit einer 5,5-prozentigen Lohnerhöhung. Für die junge Mitarbeiterin sei es auch Zeit, generell über Umverteilung zu sprechen. "Das Geld haben wir verdient", meinte Betriebsratsvorsitzender Holler mit Blick auf die geforderte Lohnerhöhung.

Zur aktuellen Situation am Schaeffler-Standort Höchstadt stellte er fest, dass es im Indus triewerk derzeit "leichte Schwächen" gebe, der Bereich Kunststoff dagegen voll ausgelastet sei. Weil vor allem die Automobilindustrie boomt, habe man sogar Sonntagsarbeit beantragt.

Jürgen Bäusch, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für alle Schaeffler-Werke in Deutschland, forderte eine vernünftige Tarifvertragsregelung für die Altersteilzeit. Bäusch: "Wenn sie jetzt nicht kommt, gibt es keine mehr." Den Streikenden versicherte er, nur mit dem dreiteiligen Paket Weiterbildung, Ausstieg nach einem langen Berufsleben und Lohnerhöhung aus den Tarifverhandlungen rauszugehen.

Wer sich am Warnstreik beteiligte, musste übrigens vorzeitig ausstempeln oder sich schon vor Schichtbeginn unter die Streikenden mischen. Viele büßten dabei eine Stunde Arbeitszeit ein. Beim Arbeitgeber standen dafür einige Maschinen etwa eine Stunde still.

Für Schaeffler in Höchstadt sieht Betriebsratsvorsitzender Holler die Weichen positiv gestellt. Nachdem das Unternehmen einige Grundstücke im Umfeld erworben hat, blickt er erwartungsvoll in die Zukunft.