Im wahrsten Sinne neue Wege gehen kann man im Adelsdorfer Umland. Um genau zu sein: auf einer Gesamtlänge von 92 Kilometern nur allein in der Gemeinde - mit Andockstelle an die Fränkische Schweiz. Möglich wurde dies durch die Errichtung eines Wanderwegenetzes in Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Albverein. Am Samstag nun erfolgte die erste Wanderung, als Startschuss gewissermaßen, mit einem Rundgang durch die Neuhauser Flur, ausgehend vom Wasserschloss und dem ersten Knotenpunkt in der Bucher Straße.

Geladen waren alle interessierten Bürger, gekommen waren mit 60 Wanderfreunden so viele, dass selbst Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) platt war. Neben den großen und kleinen Zweibeinern waren auch drei wanderfreudige Vierbeiner mit von der Partie. Ansprechpartner beim Albverein ist Andreas Schettler, Leiter der Firma Schettler Consulting in Erlangen. Praktisch rekonvaleszent nach einem kleinen operativen Eingriff ließ er es sich trotzdem nicht nehmen, die erste Wanderung zu leiten und auf die Besonderheiten der Beschilderung hinzuweisen.

480 Euro jährliche Kosten

"Es ist insbesondere der Aischgrund, den wir hier erstmalig so inszenieren, dass es Spaß macht", erklärt der 65-jährige, der seit 30 Jahren mit Herzblut dabei ist. Auf den Tisch blättern musste die Gemeinde für das Wanderwegenetz 10 000 Euro, wobei nach Abzug der zu erwartenden Fördergelder etwa 2000 bis 3000 Euro an der Gemeinde hängen bleiben. Die Unterhaltung des Netzes schlägt dann mit 480 Euro jährlich zu Buche. Darin enthalten sind sämtliche Materialien, die der ehrenamtliche Wanderwegebeauftragte Peter Claßen bei seinen Kontrollgängen für eventuelle Reparaturen benötigt, sowie natürlich auch dessen Fahrtkosten. Mindestens einmal pro Jahr wird der Wegemeister die komplette Strecke abwandern und die Markierungen an den Bäumen checken.

Von vornherein komplett so angelegt, dass interkommunal gewandert werden kann, erstreckt sich das Netz von Heßdorf, Röttenbach, Hemhofen, Heroldsbach und Hausen bis über Gremsdorf nach Höchstadt. Noch sind nicht alle Wegmarkierungen angebracht, doch dies wird im Frühjahr erledigt sein. Auf einer Strecke von einem Kilometer finden sich dann jeweils 30 Markierungen, an allen Knotenpunkten weist eine Wandertafel den Weg, so dass ein Verlaufen praktisch unmöglich ist.

Was auch wichtig ist, da die Zielgruppe neben den Einheimischen in erster Linie Touristen sein werden, die so den Aischgrund besser kennenlernen können. Das soll auch der Gastronomie zugutekommen, sind doch auf den Wandertafeln entsprechende Hinweise vermerkt. "Ich bin überzeugt, dass die Gastronomie von dem Wanderwegenetz profitieren wird", so Fischkal, was Benno Wirth vom "Zum Löwenbräu" sich auch erhofft. "Wirklich gelingen kann das aber nur, wenn alle Beteiligten gut zusammenarbeiten", schickt Fischkal hinterher.

Auf der Suche nach neuen Wegen

Auf die öffentlichen Verkehrsmittel wird auf den Schildern hingewiesen, wurde doch auch die VGN mit ins Boot geholt. Peter Brosch vom Seniorenbeirat ist vor Ort, um sich ein Bild von der Strecke zu machen. Wilhelm Glökler wandert mit Frau und Hund "Baghira" mit, "weil wir viel zu Fuß unterwegs sind und ich das Engagement ganz toll finde". Anne Gunst aus Aisch ist mit Tochter Vera (12) auf Tour, Harald Ruff hat den fünfjährigen Yorkshire-Terrier "Joschi" an der Leine. "Ich habe davon im Amtsblatt gelesen", sagt die 73-jährige Ulla Barth aus Aisch, "Es interessiert mich, was hier gemacht wird. Ich mache auch Wanderungen mit meinem Verein TSV Wendelstein und suche neue Touren."

Neue Touren suchen auch Marga und Helmut Klann, Erika Dorn und Uli Günther aus Neuhaus für ihre Nordic-Walking-Gruppe. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, unsere Heimat besser kennenzulernen", begründet Günter Brehm aus Adelsdorf sein Interesse an dem Wanderwegenetz, und Mara Labandowsky aus Höchstadt haben schlicht und ergreifend die neuen Wege interessiert, organisiert sie doch Wanderungen für Kolping. Ab Mai wird eine Wanderkarte mit verschiedenen Tourenbeispielen im Tourismusbüro verfügbar sein. Nico Kauper (CSU) fragt nach einer digitalen Möglichkeit des Zugriffs, woraufhin Schettler erwidert, dass dies bereits in den nächsten Tagen möglich sein wird.

"Liebe Freunde", richtet Schettler sich schließlich an die Wanderer, "ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch das Wegenetz alle mal anschaut und euch durch den Kopf gehen lasst, wie schön es hier ist. Man kann Ecken kennenlernen, wo man noch nie war."