Ein außergewöhnliches Konzert mit magischen Momenten zum 20-jährigen Bestehen des Großenseebacher Herbstes kündigte Ortrud Günther in der Kirche St. Michael mit dem Lilo-Kraus-Trio an. Besonders auch deshalb, weil Harfe, Mundharmonika und Kontrabass zusammen konzertierten und mit Klassik, Blues, Folklore und Rock beim Publikum dann auch für Begeisterung sorgten. "Ich konnte die Musik des Trios in Herzogenaurach im Hof der Familie Lang genießen und für mich stand fest, dass Mr. and Mrs. Harp beim Großenseebacher Herbst auftreten müssen", erklärte Ortrud Günter.

Lilo Kraus ist Soloharfenistin der Nürnberger Philharmoniker, Chris Schmitt ist mit seiner Mundharmonika eine Größe in der deutschen Bluesszene. Hochkarätig ergänzt wurden die beiden Harpspieler vom bekannten Kontrabassisten Norbert Meyer-Venus.

Mit dem Konzert bewies das Trio, dass die drei Instrumente hervorragend zusammen harmonieren können und Lilo Kraus zeigte ihr großes Können bei den Solostücken und brachte das Publikum zum Staunen, als die Klänge der Harfe mit 47 Saiten den Kirchenraum erfüllten.

"Erschrecken Sie jetzt nicht!"

Für sie seien Solostücke besondere Momente, so auch wenn sie mit ihrer Harfe im Orchestergraben des Opernhauses links außen sitzt. "Wenn die lärmenden Instrumente endlich mal schweigen, dann kommt für mich ein besonderer Moment, denn kommt ein Solostück und ich kann beweisen, was einer Harfe alles zu entlocken ist", erzählte die Musikerin. Das ließ sie dann auch bei dem Stück einer US-Rocksängerin hören: "Erschrecken sie jetzt nicht!", warnte Kraus das Publikum schon mal vor und entlockte ihrer Harfe außergewöhnliche Rhythmen und Töne.

Dass Mr. and Mrs. Harp und der Kontrabassist Meyer-Venus auch anders können, bewiesen sie mit Blues, Tango und Filmmelodien sowie Jazz und Stücken von Tschaikowski sowie Johann Sebastian Bach mehr als eindrucksvoll. Für eine zusätzliche Würze sorgte die Primaharpista des Nürnberger Opernhauses mit ihrer unkomplizierten und humorvollen Art und Weise. Kraus bekannte freimütig, das erste Mal in Großenseebach zu sein und jetzt nur die schöne Kirche zu kennen. Ihre Vermutung, "hier gibt es bestimmt auch schöne Kneipen", wurde vom Publikum schmuzelnd bestätigt.

Humorvolle Moderation

Die Künstlerin moderierte den Abend und führte charmant und mit einem gehörigen Schuss Humor durch das Konzert. Die Besucher erfuhren dabei auch in kurzweiliger und amüsanter Art vieles über die Geschichte der Harfe, die bis ins Hochmittelalter zurückreicht. So waren im Mittelalter die männlichen Harfenspieler beim weiblichen Geschlecht sehr begehrt. "Aber heute ist das anders", meinte die Harfenistin, und dass die Harfe heutzutage überwiegend von Frauen gespielt wird, sei wohl eher dem Gewicht der Harfe zuzurechnen.

Lilo Kraus ist seit 1984 erste Soloharfenistin der Staatsphilharmonie Nürnberg und Professorin an der Musik-Hochschule Nürnberg. Die Kulturpreisträgerin der Stadt Deggendorf wird oft als Gast an verschiedenen Opernhäusern und Orchestern Deutschlands engagiert. Gastspiele führten sie bereits durch Europa, nach Russland, China und zum "Harpfestival" nach Paraguay.