Sterpersdorf
Sage

Vom Satan und einem wandernden Grab: Die Sage von der weisen Frau aus dem Aischgrund

Seit Hunderten von Jahren suchen Menschen nach dem Wahrheitsgehalt in der Sage um die weise Frau Sibylla Weis.
Von der Grabplatte zur Kirche hat sich der Abstand des Grabes seit Jahrzehnten nicht geändert. Georg Schockel (l.) hatte in seinem Ordner alle Maße genau aufgezeichnet. Manfred Welker und Rudolf Schwandner maßen nach. Foto: Evi Seeger

Der Lauberberg bei Sterpersdorf ist ein besonderer Ort. Das spüren wohl auch die vielen Pilger, die alljährlich die Antonius-Kapelle aufsuchen. "Immer, wenn man Gott gesucht hat, ist man auf einen Berg gegangen", sagt dazu der Kreisheimatpfleger und promovierte Kunsthistoriker Manfred Welker.

Geheimnisumwobene Sibylla Weis suchte einst den Berg bei Sterpersdorf auf

Um zu beten, hat der Sage nach auch die geheimnisumwobene Sibylla Weis den Berg bei Sterpersdorf aufgesucht. Neben dem Kirchlein, das unter dem Patrozinium des heiligen Antonius von Padua steht, erinnert eine Grabplatte an die Seherin und Heilerin aus dem Aischgrund. Vor etwa 700 Jahren soll sie gelebt haben.

Die Sage von der weisen Frau aus dem Aischgrund wurde durch Jahrhunderte mündlich weitergegeben, damit aber auch verändert und ausgeschmückt. Erstmals "schriftlich formuliert" habe sie Friedrich Panzer im Jahr 1855, weiß der Kreisheimatpfleger.

Sage au dem Aischgrund: Wer war Sibylla Weis?

Doch wer war Sibylla Weis? Hier stoßen die Heimatkundler an ihre Grenzen. "Wir wissen es nicht", sagt Manfred Welker. Auch eine Graböffnung im Jahr 1938 habe keine eindeutige Antwort gegeben. Es sei zwar ein ummauertes Grab gefunden worden, aber wer darin bestattet wurde, ist nicht erwiesen.

Auch Georg Schockel, der über den Berg bei seinem Heimatort nicht nur gut Bescheid weiß, sondern sich ehrenamtlich um die Anlage kümmert, kann nur beisteuern, was der Sage nach überliefert ist. Doch was ist Wahrheit, was ist Mythos?

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Zwischen Lonnerstadt und Ailsbach soll einst im "Wolfsgraben" das Schloss der Sibylla Weis gewesen sein. Wenn sie zum abendlichen Gebet auf den Antoniusberg bei Sterpersdorf gegangen sei, habe sie den Weg über den Weisachgrund genommen. Dort, wo sie auftrat, bleibe bis heute noch kein Tau und kein Reif im Wiesengrund. Eines Tages sei der Satan mit seinen Verlockungen an Sibylla herangetreten. In höchster Seelenangst habe sie den heiligen Antonius um Hilfe angerufen. Wie mit einem Donnerschlag sei der Böse in der Erde verschwunden. Sibylla aber habe zum Dank an dieser Stelle eine Kapelle erbauen lassen.

Leiche wurde mit dem Esel zur Antoniuskapelle gebracht

Als ihr Ende nahte, soll sie angeordnet haben, dass man ihre Leiche auf einen Esel lege und sie zur Antoniuskapelle tragen lasse. Nahe an der Friedhofsmauer wollte sie begraben werden. "Wenn aber mein Grab von dieser Mauer weichen wird, (so) dass ein Reiter herumreiten kann, dann naht der jüngste Tag", so die Sage.

Vor allem wegen der "Grabwanderung" haben sich Georg Schockel und Monika Mennel in ihrem Büchlein über den Lauberberg für diese Version der Sage von Johann L. Klarmann/Karl Spiegel entschieden. "Als Kinder waren wir davon so beeindruckt, dass wir bei jedem Besuch des Lauberbergs das Grab kritisch betrachteten", sagt Schockel. Das tut der Sterpersdorfer heute noch. Auch wenn von der einstigen Mauer, die aus Angst vor dem jüngsten Tag über die Grabmitte gebaut wurde, heute nichts mehr vorhanden ist.

Wandert das Grab? Kreisheimatpfleger misst nach

Ob das Grab tatsächlich "wandert", lässt sich heute dennoch aufgrund des Abstands zur Kirche feststellen. Als 1976 die alte Grabplatte renoviert und 1987 die Platte erneuert wurde, hat Georg Schockel hat den Platz des Grabes "von allen Seiten akribisch vermessen".

Jetzt, nach so vielen Jahren, war der Zeitpunkt gekommen, noch einmal genau nachzumessen. Neben dem Kreisheimatpfleger wurde auch der Sterpersdorfer Rudolf Schwandner Augenzeuge der "Vermessung". Als Schockel mit seinen alten Aufzeichnungen und dem Bandmaß kam, stieg die Spannung. Nein, es habe sich nichts verändert, stellte er schließlich fest. "Wir haben wohl noch ein bisschen Zeit bis zum jüngsten Tag."