Hans-Dieter Messer redet über das Golfspiel, wie es seinem Nachnamen entspricht: mit klarer Kante. Der gebürtige Nordrhein-Westfale weiß, wie er mit den Schülern des Höchstadter Gymnasiums umzugehen hat, die sich auf dem Golfplatz Schloss Reichmannsdorf am Schläger versuchen.

Manchmal muss er deutlich werden, damit die Jungen was lernen, besonders hier oben über dem Parkplatz der Golfanlage am Abschlagübungsstand, der Driving Range: "Hey" - Messer deutet mit Zeige- und Mittelfinger auf seine Augen - "guck den Ball an!", ruft er kurz und knapp einem Golfneuling zu, dann lässt er wieder schnell ein Lob folgen: "Ja, das war gut!"

Schon Platzreife erreicht


Schüler des Gymnasiums Höchstadt haben die Möglichkeit beim Golfclub Reichmannsdorf, einmal in der Woche Golf zu lernen. An diesem Tag sind es neun Schüler, die Golflehrer Messer und Lehrer Peter Baum betreuen. "Vier bis fünf von den Jungs hier haben schon Platzreife und können allein los", sagt Messer und lockert seine Baseballcap, die sein weißes Haar bedeckt.

Messer blickt auf die Wiese vor sich, die voll ist von kleinen weißen Bällen. Wenn er mit einer "Keule" schlägt, wie er das sagt, dann kann es sein, dass der Golflehrer den Ball beim Abschlag auf 240 Stundenkilometer beschleunigt. Das schaffen die Schüler nicht - noch nicht. Nils Wilbert steht jetzt am Abschlag und schlägt einen nach dem anderen Ball zu den restlichen weißen Punkte auf die Wiese. Der Zwölfjährige besucht die siebte Klasse des Gymnasiums. " Ich bin seit der fünften Klasse dabei", sagt er - es macht ihm Spaß. Und er kann den Ball schon recht weit schlagen, auch wenn er an Golfprofi Messer noch nicht rankommt, sagt der: "Das ist alles eine Frage der Technik - und nicht von Kraft." Messer schlägt zur Demonstration auch mal ein, zwei Bälle nur mit einem Arm.

Ab auf den Platz


Anschließend schwingt sich der Routinier mit der Tasche voller Schläger auf die Golfkarre. Nach dem Warmmachen geht es in kleinen Gruppen auf den eigentlichen Platz. Messer düst mit seiner Gruppe davon. Lehrer Peter Baum nimmt drei Schüler mit auf Bahn neun, eine der kürzeren Bahnen mit etwas über hundert Metern. "Die Schüler schlagen etwas weiter vorne als Erwachsene ab", sagt Baum.

Oliver Gabriel legt sich an solch einem Punkt den kleinen Ball zurecht. Dem Elfjährigen gelingt ein super Schlag. Die Kugel flitzt nach vorne in einem schönen Bogen und landet knapp neben dem Green, dem Bereich um das Loch. Dann ist Christian Baum dran. Der Sechstklässler konzentriert sich, schlägt - doch der Ball fliegt viel zu flach weg. Das war nix. Christian ist aber nur kurz enttäuscht, nachdem auch der Schlag von seinem Klassenkameraden Pujan Sarshar etwas misslungen ist, laufen die Jungs zu den Bällen. Der, der am kürzesten geflogen ist, wird als nächstes gespielt.

Christian ist also an der Reihe. Er weiß, dass er auch bessere Schläge drauf hat als diesen. Ihm ist sogar einmal ein ganz sensationeller Schlag gelungen. Er erzählt, wie er abgeschlagen hat, "der Ball ist hoch geflogen und direkt ins Loch", sagt der Junge im Arsenal-Fußballtrikot voller Stolz. Aus rund 110 Metern hat er das Loch getroffen, ohne es selbst mitbekommen zu haben. "Die anderen haben es mir gesagt." So weit flog der kleine Ball. Selbst einem guten Golfer wie Hans-Dieter Messer gelingt das im Leben nur ein halbes Dutzend Mal.

Frische Luft pur


Christian und die anderen zwei Jungs haben die Bälle inzwischen ganz nah an das Loch heran gebracht. Der Rasen auf dem Green ist nur vier Millimeter kurz. "Viele denken, dass das Kunstrasen ist", sagt Lehrer Peter Baum. Ist es aber nicht. Nils, der vorher am besten am Abschlag war, versucht jetzt zu putten. Doch er verfehlt das Loch - und braucht dann am Ende die meisten Schläge, das ist aber nicht wichtig. Es geht vielmehr um Bewegung an der frischen Luft und Konzentration.

"Das ist doch herrlich", sagt Peter Baum, atmet tief ein und geht mit den drei Jungs zur Bahn eins, den Golftrolley hinter sich herziehend. "Schaut mal, hier kann man auch noch ein paar Äpfel pflücken", sagt der Lehrer und zeigt auf die Baumreihe, die neben der etwas schrägen Bahn steht. Hier wird es schwieriger für Oliver, Christian und Pujan. Zwei Bunker gefüllt mit Sand versperren den direkten Weg zum Loch, das jetzt über 350 Meter weit entfernt ist. Die Jungs bemühen sich, treffen dann doch ins Loch, essen noch einen Apfel. Gemütlich geht es zu. Bis die eineinhalb Stunden Golfunterricht um sind.

Golf im Schnee? Geht auch


Zurück am Parkplatz erzählt Hans-Dieter Messer, wie es bei ihm war. "Hat alles geklappt, wir ham' auch noch ein paar Äpfel gegessen." Ein schöner Herbsttag geht zu Ende. Im Frühjahr hat die Gruppe zu spielen begonnen, jetzt endet die Saison. Wobei, wenn es nach Golflehrer Messer geht, kann man auch im Winter spielen. Er zeigt ein Bild auf seinem Handy: "Das ist unser Verrücktester", sagt er - und zeigt ein Bild eines Mannes im tiefen Schnee.


Info

Projekt Seit fast zehn Jahren gibt es am Gymnasium Höchstadt für interessierte Schüler die Möglichkeit, eine Sportart zu erlernen, zu der sie sonst vielleicht keinen Zugang gefunden hätten. Das Ziel der bundesweiten Jugendinitiative "Abschlag Schule" ist es, Golf in Ergänzung zu klassischen Disziplinen als festen Bestandteil des Schulsports zu etablieren.

Finanzierung Der Deutsche Golfverband finanziert das Projekt, so dass für Fahrt zum Golfclub, Schläger, Bälle und Trainerstunden keine Kosten entstehen. Für Kinder ist das Golfen generell kostenfrei.

Ziel Die Kinder sollen für eine neue Sportart begeistert werden. Sie können Fair-Play und Disziplin lernen, außerdem fördert Golf die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit.