Erhaltenswertes Biotop oder wichtiger Baugrund? Die Bewertung des Areals unterhalb der Kerschensteinerstraße könnte unterschiedlicher nicht sein.

In Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz (BN) sind Bewohner aus der Nachbarschaft des "Zankapfels Obstwiese" in den letzten Wochen aktiv geworden. In Geschäften lagen Unterschriftenlisten aus.

An der Aktion beteiligt haben sich auch Anwohner der Dr.-Schätzel-Straße. Barbara Kaller (Wohnungseigentümerin), Otto Zehe (Mieter) und Werner Friedrich (Hauseigentümer) gingen in den umliegenden Straßen von Haustür zu Haustür und warben für ihre Interessen. Diese lauten: Keine Nachverdichtung. Die Grünfläche soll unbedingt erhalten bleiben. Und: Der ehemalige Hartplatz der Schule sollte am besten wieder in Schuss gebracht werden.

Friedrich ist Eigentümer des Grundstücks mit Wohnhaus, das an Grünfläche und alten Sportplatz angrenzt. Diese beiden Flächen will die Stadt mit rund 40 Sozialwohnungen bebauen.


Auf Höchstadt konzentriert

"Ich habe selbst nicht unterschrieben", sagt Friedrich. Er wollte es korrekt machen. Denn ihm gehört zwar das Haus. Er wohnt aber in Lonnerstadt. Doch man habe ja mit der Unterschriftenaktion ausschließlich Höchstadter ansprechen wollen.

Das Ergebnis: Insgesamt 426 (darunter doch 15 Auswärtige) haben sich gegen die Baupläne der Stadt ausgesprochen. Mehr als die Hälfte davon (262) habe man im näheren Umkreis des Geländes gesammelt.

"Das Biotop sollte grundsätzlich erhalten werden", sagt Kaller. Die 70-Jährige plädiert dafür, das von Hecken gesäumte und mit Obstbäumen bewachsene Areal ausgewählten Gruppen zu öffnen. Sie denkt an den BN, den Imkerverein und den Obst- und Gartenbauverein.


Perfekt für den Bio-Unterricht?

Auch die Schulen könnten dort "naturnah" und "direkt vor der Haustür" Anschauungsunterricht abhalten, etwa zu Bestimmungsübungen, so der 68-jährige Friedrich, der selbst Biologie- und Physiklehrer am Gymnasium war.

Der Hartplatz sei "sicherlich kein Schmuckstück". Doch man müsse ihn erhalten. Denn in Schulpausen und nachmittags werde dieser durchaus genutzt. Die Lärmbelästigung der Hackschnitzelheizung direkt nebenan würde sowieso eine Wohnbebauung unmöglich machen, sagt Kaller, die anfügt: "Sie sollten mal hier sein, wenn der Wind aus Osten kommt." Dann würde der Rauch der Heizanlage ordentlich ins Wohngebiet geblasen.

Doch wohin dann mit dem dringend benötigten sozialen Wohnungsbau? "Die Stadt hat noch nicht eruiert, wie viele freie Flächen sie hat", sagt Kaller. Friedrich hat das Gelände des alten Edeka-Markts im Greiendorfer Weg im Blick oder etwa Grundstücke entlang des Kieferndorfer Wegs.

An der Nachverdichtung störe ihn nicht, dass sie in seiner direkten Nachbarschaft geschehen soll, sondern die Zerstörung von Naturraum ganz grundsätzlich.

Zudem sei vieles unklar: Wie sieht das Modell der "sozialen Mieten" aus? Sind diese für alle Zeiten garantiert? Wie viele Stockwerke sollen es werden? Wohin sollen die Parkplätze? Braucht man eine Tiefgarage? "Immerhin werden in den 40 Wohnungen ja ungefähr 120 neue Anwohner leben", so Friedrich.

Bürgermeister Gerald Brehm (JL) steht hinter dem Projekt "sozialer Wohnungsbau" an dieser Stelle. Als Bürgermeister habe er zum einen die Aufgabe, Stadtratsbeschlüsse (und dazu liegt ein solcher vor) umzusetzen. Zum anderen müsse er zwischen Interessen abwägen.


Familien werden vertröstet

Quasi am laufenden Band würden junge Familien bei ihm anklopfen und händeringend nach Wohnraum fragen. "Und die wollen nicht nach Neustadt oder Scheinfeld, sondern nach Höchstadt." Es sei deshalb dringend geboten, für diese Menschen etwas zu tun.

Er hätte sich gewünscht, dass ihn der BN, bevor er zur Presse geht, zu einem Ortstermin eingeladen hätte. Doch er wolle die Argumente nicht ignorieren.

Er werde daher das Thema noch einmal in den Stadtrat einbringen, am besten schon in der nächsten Sitzung am Montag, 25. Juni (18 Uhr).


Erst einmal der Hartplatz?

Allerdings nur das Grünareal, das auch er als "sensiblen Bereich" anerkenne, so Brehm. Man werde wie immer bei der Bauleitplanung den Naturschutz einbeziehen. Beim Hartplatz sei es jedoch etwas anderes: "Es ist Konsens bei den Schulen, dass er nicht gebraucht wird." Man könne also "in einem ersten Abschnitt" Wohnungen bauen; dreigeschossig, etwa 15 bis 18 Wohnungen, wenn es Fördermittel gibt.

Für die Sitzung des Bauausschusses am Montag, 2. Juli, will Brehm einen Ortstermin ansetzen. Dann wird man sich noch einmal mit der Frage beschäftigen: Erhaltenswertes Biotop oder wichtiger Baugrund?