Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten - und weg war sie, die "Tante Sandra", wie sie von den Stammgästen im Ratskeller liebevoll genannt wird. Für 55 Euro wechselte die Mitarbeiterin von Wirtin Bea Wirth bei der Weihnachtsgeschenke-Versteigerung vorübergehend zu Mareen Menges. Sandra Nothdurft war aber keineswegs ein ungeliebtes oder nicht gewolltes Weihnachtsgeschenk, sondern sie ließ sich für einen guten Zweck versteigern und die humorvolle Claudia Belzer brachte nahezu alles an den Mann oder die Frau.

"Tante Sandra" geht natürlich keinesfalls in das Eigentum von Mareen Menges über, sie darf aber demnächst an deren Haus im Lohofgebiet die Fenster einschließlich der Verglasung des Wintergartens putzen, weil sie eine Wette mit ihrer Chefin verloren hatte.

Ein Teil des Erlöses der Versteigerung kommt dem zehnjährigen Erik Eisenhuth aus Lübs, einer Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald zugute. Erik wird seinen elften Geburtstag vielleicht nicht erleben. Der Junge hat einen Gehirntumor und nach einer ersten Operation kehrte der Tumor zurück. Die Ärzte in Deutschland geben ihm keine Chance mehr. Die Familie hofft, Erik in den USA operieren lassen zu können. Darauf wies Auktionatorin Claudia Belzer zu Beginn der Versteigerung hin und deswegen bot sich Sandra auch als Versteigerungsobjekt an.


Auktionatorin am Rande des "Stimmbruchs"

Unter den Hammer, oder besser unter den Fleischklopfer, kamen sinnfreie Weihnachtspräsente ebenso wie andere Ausrutscher des Geschenke-Wahnsinns an Heiligabend. "Ihr hab ja teils echt beschissene Geschenke bekommen, aber es gibt immer Dumme, die das brauchen können", kündigte Claudia Belzer den humorvollen Abend an. Und sie gab wirklich alles und ging bis zum Rand der Erschöpfung. "Langsam hab ich schon keine Stimme mehr."

Wo es etwas haperte, zog Bea Wirth mit dem Geschenk durchs Lokal. Damit Bücher, Glasteller, Weihnachtstassen, ein Kindermikroskop und vieles mehr überhaupt einen Abnehmer fand, legte die Ratskeller-Wirtin noch ein oder mehrere Getränke oben drauf. Teils überstieg der Wert der Getränke sogar den erzielten Versteigerungspreis und eine "wunderschöne und seltene" Vase ging wieder zurück an Claudia, weil die Gäste am Tisch nur die Getränke wollten.

Keines der Geschenke konnte so unpassend sein, dass es im Ratskeller nicht doch einen oder mehrere Interessenten gab. Einzig ein "add+bike", ein Fahrrad-Nachläufer für Kinder, fand trotz mehrmaligen Aufrufes keinen Käufer. "Das hat einer im Keller gefunden, ich glaube nicht, dass ein solches Teil unter einem Weihnachtsbaum lag", kommentierte Claudia das gute Stück.

Das Vergnügen stand dabei eindeutig im Vordergrund, der Preis wurde immer wieder zur Nebensache. Gelohnt hat sich die Veranstaltung auch für den zehnjährigen Erik. Bei manch einem der Geschenke verzichteten die alten Besitzer ganz, und so wurde eben alles gespendet.