Die halbe Welt gesehen, nach Australien ausgewandert und jetzt in die alte Heimat zurückgekommen - über Langeweile in seinem Leben kann sich der Uehlfelder Clark Welß sicher nicht beklagen. Im Juli 2002 auf den fernen Kontinent ausgewandert, wohnt er seit kurz vor Weihnachten wieder im elterlichen Anwesen, gemeinsam mit Frau Debbie-Lee und den Töchtern Scarlett und Sophia. Mir dabei sind auch Tucker und Denver, die beiden Beagles, die die Familie nicht in fremden Händen zurücklassen wollte.
"Abenteuerlust", so meint er, "war wohl der Ausgangspunkt für meine verschiedenen Reisen in die Ferne und letzten Endes auch für den Entschluss, sich dauerhaft in Australien niederzulassen". Eine andere Welt, Menschen mit anderer Mentalität und überhaupt die Lust, etwas Neues kennenzulernen, trieben den Meister des Zimmererhandwerks schon als jungen Mann hinaus. Thailand, Nepal, Neuseeland und eben auch Australien gehörten zu seinen Zielen.
Mit Herannahen seines 30. Geburtstages erkannte er: Entweder jetzt oder die Chance ist verpasst. Nach diesem Stichtag ist in Australien eine dauerhafte Einwanderung nicht mehr möglich. Er packte eine Kiste mit den notwendigsten Dingen und machte sich auf den Weg. Gute Handwerker sind dort gefragt. Mit Hilfe von guten Bekannten wurde er denn auch schnell heimisch.
Dann kam die Liebe dazu. Am 7.7.2007 heiratete er seine Debbie-Lee - zunächst standesamtlich am Strand der neuen Heimat in Townsville, einer Küstenstadt in Nordqueensland mit rund 150 000 Einwohnern. 14 Tage später kam das junge Ehepaar auf Besuch nach Uehlfeld und holte hier die kirchliche Eheschließung nach. Bald wurde Scarlett geboren, kurze Zeit später kam dann Sophia.
"Der Linksverkehr", meint Clark Welß schmunzelnd auf die Frage, was ihm beim Einleben in die neuen Heimat am meisten zu schaffen gemacht habe. Ansonsten gab es natürlich auch einiges, woran er sich erst gewöhnen musste. Zum einen galten seine Zeugnisse und Ausbildungsnachweise aus Deutschland zum großen Teil nichts oder wenig. Er musste beruflich quasi noch einmal von vorne anfangen, erst als Hilfsarbeiter und dann langsam wieder aufsteigend. Der Meisterbrief war neu zu machen und auf die anderen Gegebenheiten in dem Land auf der Südhalbkugel der Erde mussten neu erlernt und beachtet werden. Die Tragkraft eines Daches für Schneelast zum Beispiel interessiert dort wenig - doch von der Beständigkeit gegen tropische Stürme sollte ein Zimmermann schon etwas verstehen. Es galt also hinzuzulernen. Doch Clark schaffte das.
In den letzten Jahren arbeitete er als rechte Hand des Chefs und größtenteils eigenverantwortlich. Gewöhnen musste er sich hauptsächlich an die andere Vorstellung von Zeit, die in Australien herrscht. Heute Material bestellen, am nächsten oder übernachsten Tag geliefert bekommen, das ist dort nicht drin. Schon allein aufgrund der großen Entfernungen der einzelnen Wohngebiete galt es oft, sich in Geduld zu üben.
Der Grund für die endgültige Rückkehr nach Uehlfeld ist in erster Linie der nun bald anstehende Schulbesuch der beiden Töchter. Das Schulsystem in Australien unterscheidet sich nach den Worten des Familienvaters grundlegend von dem hier gewohnten. Die australischen Schulen stehen untereinander in einem harten Wettkampf. Es macht für den beruflichen und auch gesellschaftlichen Werdegang einen großen Unterschied, von welcher Schule ein Abgänger seine Zeugnisse erhielt. Von Finanzen oder Status soll die Ausbildung der Töchter nicht abhängig sein - in Deutschland ist die Chancengleichheit wesentlich größer.
Und dann war da natürlich noch die Familie. Oma, Opa, Cousinen und Cousins - alle sind in Deutschland. Gelegentliche gegenseitige Besuche können eine nahe Nachbarschaft doch nicht ersetzen. Dass er sich beruflich jetzt wieder auf den hier herrschenden Standard einstellen muss, stört den 40-jährigen nicht. "In ein, zwei Jahren", zeigt er sich überzeugt, "habe ich auch hier wieder festen Fuß gefasst. Jetzt sind wir hier daheim."