Direkt aus Vilshofen und mit den Schildern "Genau! Ude" kam Dieter Breyer, Ortsvorsitzender der SPD, ins Gasthaus Heller. Und ebenso kämpferisch wie beim Schlagabtausch in Vilshofen gab sich der Ortsvorsitzende auch in Herzogenaurach, als er die Genossinnen, Genossen, Parteifreunde und Andersgläubige begrüßte.
Angesichts der auch im Bund nicht besonders rosigen Aussichten für die SPD klangen die Aussagen von Breyer dann doch etwas gewagt. "Ist der Aschermittwoch toll - gewinnen die Sozis auch die Wahl." Genauso wie Christian Ude geißelte Breyer den Noch-Ministerpräsidenten Horst "Drehhofer" und seine politischen Kehrtwendungen - vom Atomausstieg bis zu den Studiengebühren - und verwies auf eine Webseite, die von der SPD eingerichtet wurde.
Der Ortsvorsitzende zeigte sich begeistert vom vollen Zelt und der Stimmung in Vilshofen - "das war der beste Aschermittwoch aller Zeiten" - und war überzeugt, dass der Andrang in Vilshofen höher gewesen sei als bei der CSU in Passau.
Die Gastrednerin des Abends, Landtagskandidatin Alexandra Hiersemann, gab sich weniger kämpferisch und setzte mehr auf eine sachliche Auseinandersetzung mit den Regierungsparteien. Hiersemann verglich die Veranstaltungen in Niederbayern mit einer Fortsetzung des Faschings, nur mit anderen Mitteln und unmaskiert. "Aber heute ist Schluss mit lustig - es beginnt die 40-tägige Fastenzeit", erklärte Hiersemann.
So sei die Bußzeit auch Zeit für eine politische Buße und eine gute Möglichkeit für Politiker, kleine Fehler zuzugeben.
Das kraftstrotzende Gehabe vieler Aschermittwochsredner gipfele meist darin, dass die anderen die Doofen sind. Damit könne man aber keine Wähler gewinnen und schon gar nicht eine Veränderung in der Politik zum Besseren und erst recht nicht den Kampf um eine bessere Welt.

Sind die anderen die Doofen?

Alexandra Hiersemann erinnerte an die sozialdemokratische Tradition, das beständige Bestreben um eine friedlichere und gerechtere Welt. Es gehe auch nicht darum, dass die anderen, die Schwarzen, die Gelben, die farblosen Freien die Doofen sind. Es gehe vielmehr darum, deutlich zu machen, was die Sozialdemokraten besser können, besser als die seit 55 Jahren andauernde CSU-Regierung.
Gleichwohl bestritt die Rednerin nicht, dass Bayerns Wirtschaft stark sei, die Arbeitslosenzahlen niedrig, in Bayern unternehmerische Spitzenleistungen und Innovationen vollbracht werden. Dies sei auch ein Verdienst einer fleißigen Arbeitnehmerschaft, der aber nicht gerecht ausgeglichen wird.
Die SPD will, anders als bei Schwarz-Gelb, nicht alles dem freien Spiel der Märkte und der Banken überlassen werden. Unter einer SPD-Staatsregierung in Bayern werde ein angemessenes Wirtschaftswachstum, soziale Sicherung und ökologisches Gleichgewicht wieder zusammen geführt werden.
Hiersemann verurteilte ungerechte Steuergeschenke - ein Steckenpferd der FDP - ebenso, wie eine Herdprämie für daheimgebliebene Mütter. Natürlich waren Energiewende und Schuldenabbau ein weiteres Thema, und die Rednerin verglich dabei Bayern unter Seehofer mit der Landeshauptstadt unter Ude. So habe Ude in München, im Gegensatz zu Seehofer, bei der Energiewende vorbildliches geleistet und auch Schulden abgebaut. Alexandra Hiersemann fordert für den sozialen Ausgleich einen gesetzlichen Mindestlohn, eine Eindämmung des Niedriglohnsektors und der Leiharbeit. So darf es nicht sein, dass 100 000 Menschen, die Vollzeit arbeiten, zum Sozialamt müssen und 200 000 Leiharbeiter nicht den Lohn erhalten, den die Kollegen bei gleicher Arbeit bekommen.