"Ich bin froh, dass wir der Forderung, dieses Friedhofskreuz zu entfernen, nicht nachgekommen sind", sagte Bürgermeister Gerald Brehm (JL) bei der Einweihung des neu gestalteten zentralen Bereichs im städtischen Friedhof.
Durch den Erhalt des vor etwa 35 Jahren geschaffenen Lindenmann-Kreuzes bleibe die Würde eines in seinen letzten Lebensjahren sozial gestrandeten Menschen unangetastet. Was es bedeute, in sozial schwierigsten Verhältnissen seine Würde zu bewahren, wüssten gerade die Heimatvertriebenen sehr genau.
Mit diesen Worten sprach der Bürgermeister das aus, was die meisten zur Feier versammelten Höchstadter bewegte. Neben dem sanierten Friedhofskreuz und dem neuen Vertriebenen-Gedenkstein segneten Dekan Kilian Kemmer und Pfarrer Fritz Schäfer am Ostermontag auch die Urnenwände im neu gestalteten Bereich des Friedhofs.

Friedhof als Begegnungsraum


Selbst ein "Flüchtlingskind", sei ihm der Gedenkstein für die Vertriebenen und Opfer von Krieg und Verfolgung ein Herzensanliegen, sagte Brehm. Die Friedhöfe seien aber nicht nur letzte Ruhestätte, sondern immer mehr Begegnungsraum, der zur "inneren Einkehr" und als "Atempause für die Seele" wahrgenommen werde.
Das Mahnmal für die Vertriebenen sei "mit vertretbarem Aufwand" nicht mehr zu renovieren gewesen, erklärte das Stadtoberhaupt. Die Ortsgruppen der Sudetendeutschen und Schlesischen Landsmannschaften seien in die Gestaltung des neuen Gedenksteins mit einbezogen worden und sie hätten sich auch finanziell beteiligt.
"Hier ist etwas Neues geschaffen worden, das nicht herausfordert", sagte Pfarrer Fritz Schäfer. Menschen bräuchten diesen Ort, um denen zu begegnen, die vorausgegangen sind. Das Wort "Tod, wo ist dein Stachel" habe an Ostern eine ganz besondere Bedeutung: "Der Herr ist auferstanden, wahrhaftig auferstanden!" Der Friedhof sei nicht nur die Visitenkarte einer Stadt, stellte Dekan Kilian Kemmer fest. "Mit dieser Zeremonie bringen wir vielmehr den Glauben an das ewige Leben, an Ostern, zum Ausdruck." Krieg und Vertreibung bezeichnete der Dekan als die größte Tragödie des 20. Jahrhunderts. Das sei hier mit schlichten Worten in Stein gehauen. Begeistert äußerte sich auch Bertold Streit von der Sudetendeutschen Landsmannschaft über den Gedenkstein, "der in wenigen Worten das Wesentliche ausdrückt". Der Stein solle Jahrhunderte überdauern und kommenden Generationen Zeichen für den Frieden und Wiederaufbau sein.