Ein "echtes Relikt aus der Zeitgeschichte" der Stadt soll wieder einen festen Platz bekommen - der ehemalige Torbogen der Herzo Base. Über Jahrzehnte hinweg hat er die Gäste der US-Kaserne begrüßt; Freunde zogen bei den Volksfesten ebenso unter ihm hindurch wie die militärischen Besucher der Kaserne. Die einen Herzogenauracher erinnern sich an die schöne Zeit mit den amerikanischen Freunden, wieder andere empfanden die Soldaten vor dem Tor eher Furcht einflößend.

Im Kulturausschuss wurde am Donnerstagabend beschlossen, dass der Torbogen auf der Herzo Base seinen festen Platz zurückbekommt. Zwar nicht martialisch und auffällig, quasi als Tor zum Durchmarschieren, sondern eher dezent am Rande eines Fußwegs. Aber doch mitten im Geschehen, integriert in den Grünzug zwischen den beiden neuen Baugebieten im Stadtteil. Das war für die Verwaltung besonders wichtig, wie es Bürgermeister German Hacker (SPD) feststellte - eine Platzierung mit Fingerspitzengefühl. Keinesfalls sollte man den Gegenstand "pseudohistorisieren", sagte Hacker.

Bei den Mitgliedern des Kulturausschusses weckte dieser Tagesordnungspunkt durchaus emotionale Empfindungen, in unterschiedliche Richtungen. Die angenehme Erinnerung überwog bei den Räten, die schon ihre Kindheit mit oder unter den Amerikanern verbrachten. Franz-Josef Lang (CSU) dachte an das leckere Vanilleeis, das man dort bekam. Es habe sich "eine ganz andere Welt aufgetan, wenn man durch dieses Tor geschritten ist", sagte er und erwähnte die vielen Freundschaften, die auf der Kaserne zwischen Soldaten und Herzogenaurachern entstanden sind. Sein besonderes Lob galt dem früheren SPD-Kollegen Gotthard Lohmaier, der die Renaissance des Torbogens durch einen entsprechenden Antrag initiiert habe.

An die "Berge von Eis für sagenhaft wenig Geld" erinnerte sich auch Bürgermeister German Hacker (Jahrgang 1968). Als "gelebter 68er" erinnerte SPD-Mann Siegbert Sendner aber genauso an die "Ami-go-home"-Rufe, auch die habe es zeitweise gegeben. Und für seine Fraktionskollegin Petra Mauser (Jahrgang 1967) hatte der Torbogen eher eine abschreckende Wirkung. Als Kind sei sie durch die Soldaten eher eingeschüchtert gewesen. Wenn der Bogen jetzt als solcher wieder aufgestellt würde, würde sie jedenfalls nicht mit dem Rad da unten durchfahren. Den gewählten Standort fand sie als als sehr gelungen.

Mit Sitzgruppe und Stelen

Als Tor aufgestellt wird der Bogen dort nicht. Laut den städtischen Plänen erhält er einen Platz am Hang in der Wiese am Ende des Radweges im zentralen Höhenzug. Dazu kommt ein kleiner Platz mit Mäuerchen und Sitzgruppe, erläutere Anja Wettstein, Leiterin des Planungsamts. Wichtig ist außerdem, dass Informationsstelen aufgestellt werden, die den Torbogen erklären.

Diese Stelen sollen sich überall in den Grünzügen des neuen Stadtteils wiederfinden und an die Geschichte der Herzo Base erinnern, auch als die Kaserne noch deutscher Fliegerhorst in den 30er Jahren gewesen war. Das war schließlich einst der Herzogenauracher Flugplatz, und viele Bürger hätten dort gearbeitet, sagte Siegbert Sendner.

Im Moment ist der Torbogen noch im Bauhof eingelagert. Dort liege er gut und nehme keinen Schaden, sagte German Hacker, anspielend auf irgendwelche früheren Mutmaßungen, man würde ihn verkommen lassen. Außerdem habe das Teil schon vieles erlebt: "Der stand 40 Jahre im Freien." Seine Aufstellung soll wohl nicht vor 2015 erfolgen.