Waldbesitzer, Förster und Jäger sowie Tier- und Naturschützer spalten sich im Moment in zwei Lager. Während sich die Tierschützer um das Wild sorgen, bemühen sich Waldbesitzer um eine nachhaltige Forstbewirtschaftung. Es gebe viel zu wenig Wild in unseren heimischen Wäldern, argumentieren die Tierschützer, und das Wild werde nur noch bekämpft. Auf der Gegenseite beklagen Naturschützer und Waldbesitzer sowie die Forstwirtschaft die Anzahl der Verbissschäden und möchten eine Dezimierung des Rot- und Schalenwildes.

Teilweise sind die Schäden durch das Wild hausgemacht, beispielsweise durch die Fütterung, argumentieren die Förster der staatlichen Forstämter, und zudem würde auch das Gleichgewicht nicht mehr stimmen. Dem widersprechen allerdings Jäger sowie Jagdpächter und beklagen sogar, dass sie oftmals die vorgeschriebenen Abschusszahlen nicht erreichen.


"Rehe sind Feinschmecker"

Um Wildschäden an Neuanpflanzungen oder bei der Naturverjüngung zu verhindern, werden die Flächen mit einem Wildschutzzaun umgeben. Dies scheint wiederum einigen "Tierliebhabern" nicht zu gefallen und es werden immer wieder Zäune niedergetreten. "Die Wildschutzzäune haben schon ihre Berechtigung, die Rehe sind Feinschmecker und holen sich die besten Knospen, Keimlinge und Triebe, aber auch die Hasen tragen ihren Teil dazu bei", erklärt der Falkendorfer Jäger und Jagdpächter Heinz-Udo Maier am Rande des Thonwaldes.

"Besonders schwerwiegend ist die Schädigung der Terminalknospe und des Leit- bzw. Terminaltriebes, da dadurch werde das Höhenwachstum der Pflanze stark beeinträchtigt. Ein einmaliger Verbiss wird meist gut regeneriert, während ein wiederholter, also mehrjähriger andauernder Verbiss zu einer starken Verbuschung führe und kann auch zum Absterben der Pflanze führen", erklärt dazu Helmut Müller.


Natürliche Verhaltensweise


So sei das Verbeißen von Waldgehölzen eine absolut natürliche Verhaltensweise des Rehwildes. Zur Erhaltung seiner Gesundheit ist Rehwild auf eine sogenannte "zähe Äsung" bestehend aus Sträuchern und Gehölzen zwingend angewiesen. Besonders Rehe wählen ihre Nahrung mit Vorliebe nach deren Stickstoffgehalt aus, der in Knospen besonders hoch ist.

Im Thonwald sind immer wieder Flächen eingezäunt, insbesondere auch zwischen Hessen- und Lenzenmühle. Dort setzt die Waldcorporation Herzogenaurach auf Naturverjüngung und es sollen wieder Tannen wachsen. Das Ergebnis ist bereits zu sehen, unzählige kleine Tannen stecken ihr Spitzen durch das Gras und die Beerenstauden.

"Die Tannen sind die Lieblingsspeise der Rehe und ohne Zaun hätten sie keine Chance", erzählte der Vorsitzende des Waldkorporation Helmut Müller, bei einem Gang durch den Thonwald. Deshalb stamme der Name "Thon" von diesem Waldstück, der in früheren Jahren ein Tannenwald war und der Hang in Richtung Aurach besonders gute Bedingungen zum Gedeihen von Tannen aufweise.

Natürlich wachsen bei einer Naturverjüngung auch Kiefer, Eiche sowie weitere Laubgehölze und deren Spitzen sind allerdings nach acht bis zehn Jahren von den Rehen nicht mehr erreichbar. Zudem tragen besonders Eichhörnchen und Eichelhäher sowie weiter Waldvögel zur Naturverjüngung bei. Nach acht bis zehn Jahren baut deshalb die Waldcorporation Herzogenaurach die Zäune wieder ab und das Wild kann keine nachhaltigen Schäden mehr anrichten.

"Wenn Pilz- und Beerensucher die umzäunten Flächen betreten wollen, ist das jederzeit möglich, wir haben überall Übersteighilfen" erklärt Müller eine derartige Konstruktion.


Störungen lösen Panik aus

Dem Argument der Tierschützer entgegnet auch Jagdpächter Maier. "Wenn ein Zaun niedergetreten wird und Rehwild durch die Lücke kommt, findet es nicht mehr heraus und rennt in Panik gegen den Zaun. Und wenn Rehe immer wieder an Wildschutzzäunen verenden? Auch dafür hat der Jäger eine Erklärung. Dies geschehe nur in Panik, so führen Mountainbiker nicht auf Wegen, sondern quer durch den Wald, Hundebesitzer ließen die Hunde frei laufen und panisch flüchtendes Rehwild sieht den Zaun nicht mehr.

Deswegen plädiert Maier mehr Rücksicht auf das Wild zu nehmen. Störungen dränge das Wild zudem von den wenigen offenen Äsungsflächen ins Dickicht des Waldes zurück. Dort verbeißt es dann den heranwachsenden Jungwald.

Wildschutzzäune sind teuer und werden dort gebaut, wo der Verbissdruck durch Hase oder Reh das Aufwachsen der jungen Waldbäume verzögert oder gar verhindert. Für die Waldbesitzer bedeutet dies nicht nur eine hohen Aufwand für die Unterhaltung der Zäune, sondern auch die Verpflichtung zum Abbau. Müller und Maier würden sich einen Rückbau der Zäune auch von allen privaten Waldbesitzern wünschen. "Nach zehn Jahren sind die Zäune eingewachsen, weil sich der Besitzer nicht drum kümmert, die Pfähle verrotten und die Zäune liegen am Boden, das bedeutet für viele Rehe den Tod und sie sind zudem eine Gefahr für die Spaziergänger", erklärt Helmut Müller.


Wenn der Jogger kommt ...

Entgegen der landläufigen Meinung ist ein Forstzaun zum Schutz von Forstkulturen nicht genehmigungspflichtig. Untragbaren Wildverbiss zu verhindern, ist in erster Linie Aufgabe der Jagd. In Gesprächen mit Jägern wird deutlich, dass sie sich bemühen, einen verträglichen Wildbestand zu erhalten. Doch auch hier gibt es Probleme: "Wenn ich zur besten Zeit auf dem Hochsitz bin, weil ein bestimmter Rehbock oder Reh geschossen werden soll, dann rennt entweder ein Jogger mit Stirnlampe mitten durch den Wald oder Mountainbiker sind unterwegs, dann kann ich wieder heim und brauch die nächsten Tage nicht mehr ansitzen", ärgert sich zum Beispiel der Bucher Jäger Andreas Süß. "Momentan ist die sicherste Jagdmethode das Auto, ständig müssen überfahrene Rehe von der Straße geholt werden", verurteilt Maier die Raserei besonders während der Abendstunden.