Er liege ihr zu Füßen, gibt der Cavaliere der Wirtin zu verstehen und der Schauspieler bemüht sich dabei, das "zu Füßen" richtig auszusprechen. Neigt Rainer Goblirsch als echter Niederndorfer doch zum fränkeln, wie auch Brigitta Brecht weiß, die vor der Bühne die Szene verfolgt. "Das hat gut geklappt", flüstert sie nun. Anfangs habe er nämlich gern "zu Füßne" gesagt.

Das war bei der ersten Probe für das neue Stück "Die Wirtin (Mirandolina)", die die Niedern dorfer Theatergruppe komplett kostümiert absolvierte. Weitere fünf sollten noch folgen. Für den Feinschliff, wie Regisseur Jürgen Klostermeyer bemerkte. Er war rundum zufrieden mit seiner Gruppe. "Dafür, dass es noch ein paar Proben sind, ist das schon ganz gut", sagte er am Samstag. Am Freitag, 16. November, ist Premiere, weitere vier Aufführungen schließen sich noch an.

100 Minuten dauert die Komödie frei nach Carlo Goldoni, in einer Fassung von Peter Turrini. Regisseur Klostermeyer stand mit dem Stück, das in einem Gasthaus in Florenz im 18. Jahrhundert spielt, selber schon auf der Bühne. Der 71-Jährige ist Schauspieler durch und durch, war von 1982 bis 2007 bei den Klosterhofspielen Langenzenn aktiv und seit 1988 deren Vorsitzender. Im sechsten Jahr gehört er nun der Niederndorfer Theatergruppe an.

Theater als Ausgleich zum Alltag

"Für mich war das Theater immer schon der Ausgleich", sagte der ehemalige Abteilungsleiter und ergänzt: "Wenn's einen mal gepackt hat, lässt es ihn nicht mehr los". So hat er auch nicht gezaudert, als die Niedern dorfer auf der Suche nach einem Regisseur ihn fragten. Klostermeyer lächelt: "Da wussten die noch nicht, worauf sie sich einlassen." Denn er sei schon streng. Und lege Wert darauf, dass das Stück seinen Ausdruck bekommt, denn "das ist ja meine Inszenierung."

Seine Kollegen in Niederndorf indes ernten höchstes Lob vom Meister. Es mache ihm viel Freude, mit einer derart engagierten Truppe mit professioneller Einstellung zu spielen, betont er. Und bekommt das Lob zurück: "Ja, er ist schon streng", sagt Schauspielerin Marina Napetschnig. "Er hat seine Vorstellungen und die zieht er durch. Aber das ist auch gut so." Und dann senkt sie die Stimme: "Es darf bei den Proben auch nicht geschwätzt werden."

Schon früh am Nachmittag treffen sich die sieben Frauen und Männer, um sich in die Kostüme zu zwängen und ihre Perücken zu richten. Unterstützt werden sie von Michaela Eichler und deren Mutter Claudia. Die 19-Jährige spielt selbst Theater und ist beim aktuellen Stück die Souffleuse. Sie hat ihre Mama mitgebracht, damit's in der Maske schnell geht. Erfahrung hat Claudia durch ihre Arbeit beim KCH.

Kostümproben sind wichtig

Der Regisseur legt Wert auf mindestens eine Probe im vollen Gewand. Da stellt sich dann manches heraus, was noch verbessert werden muss. Der Cavaliere braucht dringend eine Strumpfhose, sonst schauen die Knie raus, hat Klostermeyer bemerkt.

Die Kostüme hat man sich beim Fränkischen Theater Maßbach ausgeliehen. Es sind Rokoko-Gewänder, da das Stück um 1750 spielt. Gemeinsam mit Marina Napetschnig hat er die Kleider ausgesucht. Und die Perücken haben die Langenzenner beigesteuert.

Schon beim Ankleiden ist die Stimmung bestens, der Regisseur ist gut gelaunt beim Anblick seiner Schauspielerinnen ("Dass es so flotte Frauen gibt, das ist das Schöne") und gibt am Rande Tipps: "Der Norbert braucht kein Band für seinen Pferdeschwanz. Der ist doch kein Adliger." Wobei Annemie Specht, die Wirtin, schon Wert darauf legt, dass der Kellner was hermacht: "Klar muss der Fabrizio schön sein. Der muss mich doch küssen."
Licht-Mixer Konrad Spitzer geht noch einmal das Programm durch und dann kommt noch Komponist Rolf Böhm, der extra für das Stück einen Chansons geschrieben hat, den zum Schluss alle Darsteller gemeinsam singen. Es lebe die Komödie!

Aufführungen sind am Freitag und Samstag, 16. und 17. November, sowie von Freitag bis Sonntag, 23. bis 25. November, jeweils um 19.30 Uhr im Saal der Euro-Pizza Niederndorf (ehemals Winkelmann). Kartenvorverkauf bei Euro-Pizza, Sternenapotheke und Familie Brecht (Tel. 09132/4722).

Inhalt Schauplatz dieses lebensprallen Stückes von Peter Turrini (frei nach Goldoni) ist ein Gasthaus in Florenz um 1750. Die hübsche und selbstbewusste Wirtin Mirandolina (Annemie Specht) muss ihre Selbstständigkeit gleich gegen drei Herren verteidigen. Da ist der verarmte und stets schmarotzende Marchese (Jürgen Klostermeyer), der reiche Graf (Horst Napetschnig) und der Kellner Fabrizio (Norbert Meier), der es auf die Wirtin und das Gasthaus abgesehen hat. Dazu gesellt sich der Weiberfeind Cavaliere (Rainer Goblirsch), dem Mirandolina eine Lektion erteilen will. Marina Napetschnig und Brigitta Brecht spielen zwei schillernde Schauspielerinnen.